Busi­ness­plan schrei­ben: So kal­ku­liert Ihr Euren Unternehmerlohn

In jedem Busi­ness­plan soll­te auch ste­hen, mit wel­chen Kos­ten für das Unter­neh­men gerech­net wird. Hier ver­ges­sen Grün­der gern das Gehalt und die wei­te­ren Kos­ten, die sie selbst haben, wäh­rend sie die Fir­ma auf­bau­en. Ein Feh­ler! Wie man den Unter­neh­mer­lohn kal­ku­liert, erfahrt Ihr in die­sem Fachartikel.

4.2/5 (5)

In jedem Busi­ness­plan soll­te auch ste­hen, mit wel­chen Kos­ten für das Unter­neh­men gerech­net wird. Hier ver­ges­sen Grün­der gern das Gehalt und die wei­te­ren Kos­ten, die sie selbst tra­gen, wäh­rend sie das Unter­neh­men auf­bau­en. Ein Feh­ler! Denn ent­we­der muss man dann sein Start­up als Neben­ge­wer­be grün­den, weil man noch für Brot & Mie­te arbei­ten muss. Oder es geht einem schnell die finan­zi­el­le Pus­te aus. Wer also nach­hal­tig grün­den will, der soll­te sein Gehalt und sei­ne Kos­ten schon zu Beginn kal­ku­liert und im Busi­ness­plan fest­ge­schrie­ben haben.

Was ist was: Unter­neh­mer­lohn, Gehalt & Gewinn

Klar, wäh­rend Sie Ihr Unter­neh­men hoch­zie­hen, müs­sen Sie auch von etwas leben. Woh­nungs­mie­te, Essen, Ver­si­che­run­gen – Sie haben auf jeden Fall Kos­ten, die Sie kal­ku­lie­ren müs­sen. Und auch wenn Ihr Start­up gleich vom ers­ten Tag an Geld ein­spielt – Sie Glück­li­cher, das ist kaum einem Unter­neh­men beschert – Sie ste­hen für eine gan­ze Wei­le in Zwie­spalt: Wie­viel Geld neh­men Sie der Fir­ma weg, wie­viel reinves­tie­ren Sie? Noch schwie­ri­ger wird es, wenn Sie von För­de­run­gen und Finan­zie­run­gen eines Busi­ness Angels, einer Bank oder eines Inves­tors abhän­gig sind. Die ver­ste­hen Ihren Bedarf, sehen aber Ihre Geld­mit­tel gefähr­det. Hier gilt es, von Anfang an mit offe­nen Kar­ten zu spie­len und die geplan­ten Gehäl­ter und Ent­nah­men genau zu defi­nie­ren und abzusprechen.

Unter­schie­de bei Rechtsformen

Auch das Wie der Geld­ent­nah­me ist nicht so ein­fach. In Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten wie der GmbH, UG oder AG kann der Geschäfts­füh­rer oder Vor­stand ein regu­lä­res Monats­ge­halt erhal­ten. Der Geschäfts­füh­rer ist inso­weit Arbeit­neh­mer. Im Regel­fall ist Lohn­steu­er ein­zu­be­hal­ten und abzu­füh­ren. Die­ses ist als Steu­er min­dern­de Betriebs­aus­ga­be abzugs­fä­hig. Schwie­ri­ger ist das Gan­ze bei Personengesellschaften.

Ein­zel­un­ter­neh­mer und Per­so­nen­ge­sell­schaf­ter erhal­ten kein Gehalt, son­dern ent­neh­men das Geld, das sie benö­ti­gen, ihrem Unter­neh­men. Die­se Ver­gü­tung, die einem Unter­neh­mer in einer Per­so­nen­ge­sell­schaft für die Tätig­keit im eige­nen Unter­neh­men zusteht, nennt man Unter­neh­mer­lohn. In Ihrer Kal­ku­la­ti­on muss die­ser eben­falls auf­tau­chen und zwar als so genann­ter „Kal­ku­la­to­ri­scher Unter­neh­mer­lohn“. Er wird dem betref­fen­den Gesell­schaf­ter als Gewinn­vor­weg zuge­rech­net und steu­er­lich als Ent­nah­me gewertet.

So kal­ku­liert Ihr Euren Unternehmerlohn

Wenig Kapi­tal­ein­satz – gro­ßes Poten­zi­al an Gewinn. Das ist es, was Inves­to­ren ger­ne sehen wol­len. Doch Vor­sicht: Wenn Sie Ihren Busi­ness­plan jetzt allein dar­auf opti­mie­ren, stel­len Sie sich eine Fal­le. Denn wenn Sie im ers­ten hal­ben Jahr nach Ihrer Grün­dung aus der Woh­nung flie­gen, dann kön­nen Sie auch nicht mehr mit vol­ler Kraft das nächs­te Goog­le auf den Weg brin­gen. Beden­ken Sie also alle Kos­ten, die Sie pri­vat haben und sei­en Sie realistisch.

Dazu gehö­ren neben Mie­te, Lebens­er­hal­tungs­kos­ten und viel­leicht einem PKW auch:

  • Neben­kos­ten wie Strom, Hei­zung und Was­ser, Müllabfuhr
  • Kos­ten für Telekommunikation
  • Unter­halts­zah­lun­gen wie etwa die Kos­ten für den Kindergarten
  • Aus­ga­ben für Geld- und Sach­ver­mö­gen (z.B. Wert­pa­pie­re, Spar­ver­trä­ge oder Immobilien)
  • Son­der­aus­ga­ben zu Weih­nach­ten, Geburts­ta­gen, Urlaub und Reparaturen
  • Bei­trä­ge für Vereine/Verbände
  • Ver­si­che­run­gen wie Haus­rat, pri­va­te Haft­pflicht, Berufs­un­fä­hig­keit usw.

Eine recht aus­führ­li­che Dar­stel­lung aller Kos­ten, die Sie beden­ken soll­ten, hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie für den Unter­neh­mer­lohn in einem PDF zusam­men­ge­stellt. Dazu auf das Bild klicken:

© existenzgruender.de
© exis​tenz​gru​en​der​.de

Grün­der­rat:

Eini­ge Ver­si­che­run­gen hin­ge­gen sind rei­ne Betriebs­aus­ga­ben, etwa wenn eine gewerb­li­che Haft­pflicht­ver­si­che­rung abge­schlos­sen wird. Wel­che Ver­si­che­run­gen und zu wel­chen Kon­di­tio­nen tat­säch­lich nötig sind, soll­te man am bes­ten mit einem Fach­mann durch­spre­chen. Es gibt eini­ge Anbie­ter, die sich auf Grün­der spe­zia­li­siert haben. Eben­falls nicht ver­ges­sen: Als Selbst­stän­di­ger zah­len Sie ver­mut­lich nichts in die gesetz­li­che Ren­ten­kas­se. Sie soll­ten also pri­vat vor­sor­gen. Auch das kostet.

Markt­üb­lich – Das darf ich mir als Unter­neh­mer­lohn auszahlen

Stellt sich die Fra­ge nach dem Wie­viel. Am liebs­ten soviel wie mög­lich, oder? Doch wie im vor­he­ri­gen Punkt erklärt: Mit den Ent­nah­men brin­gen Sie das Gleich­ge­wicht Ihrer Liqui­di­täts­pla­nung ins Wan­ken. Ihr fri­sches Unter­neh­men braucht ver­mut­lich jeden Cent, um auch im kom­men­den Monat noch nicht über­schul­det zu sein.

Wenn Sie vor einem Inves­tor Ihren Kapi­tal­be­darf erklä­ren müs­sen, dann schaut der ganz sicher genau auf den geplan­ten Unter­neh­mer­lohn. Hier kön­nen Sie zei­gen, ob Sie ein rea­lis­ti­scher Unter­neh­mer sind, ein geld­gie­ri­ger Hai oder ein ver­träum­ter Idea­list. Denn weder zu wenig noch zu viel ist hier rich­tig. Des­halb zu aller­erst: Recher­chie­ren Sie, was markt­üb­lich ist. Wel­che Gehäl­ter bekom­men Unter­neh­mer in Ihrer Bran­che? Eine inter­es­san­te Auf­stel­lung bie­tet die Inter­net­sei­te Gehalts­Re­por­ter: Sie zitiert eine Kien­baum-Stu­die und dem­nach ver­dient ein Geschäfts­füh­rer im Schnitt 389.000 Euro. Die Gesamt­di­rekt­ver­gü­tung fällt bei Vor­sit­zen­den der Geschäfts­füh­rung mit durch­schnitt­lich 549.000 Euro am höchs­ten aus; Allein-Geschäfts­füh­rer ver­die­nen 287.000 Euro und Mit­glie­der von Geschäfts­füh­run­gen erhal­ten 385.000 Euro. Doch Vor­sicht: Neben Sie die­se Gehäl­ter nicht als Maß­ga­be, was Sie sich gleich im ers­ten Monat Ihres Unter­neh­mens aus­zah­len wol­len. Denn hier geht es um Unter­neh­men, die bereits ordent­lich Geld ver­die­nen. Dazu gehö­ren Sie noch nicht.

Neben den markt­üb­li­chen Gehäl­tern und Ihrem eigent­li­chen Bedarf soll­ten Sie also auch recher­chie­ren, wie ande­re Grün­der ihr Unter­neh­mer­ge­halt kal­ku­lie­ren und ein­prei­sen. Und Sie soll­ten an die Zukunft denken…

Nicht nur heu­te – Wie sich mein Unter­neh­mer­lohn entwickelt

Es gibt übli­cher­wei­se zwei Moti­va­tio­nen für Exis­tenz­grün­der: Sie wol­len ihr eige­nen Ding machen, Chef sein, eine eige­ne Idee vor­an brin­gen. Und sie wol­len bes­ser ver­die­nen, als in einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis. Doch wenn Sie sich die Geschich­ten von Grün­dern anse­hen (eini­ge davon fin­den Sie in unse­ren Grün­der­sto­ries), dann wer­den Sie erken­nen: Vor Ihnen steht eine Durst­stre­cke. In der Sie mehr arbei­ten, als als Ange­stell­ter und ver­mut­lich auch erst ein­mal weni­ger verdienen.

Das muss nicht so blei­ben und das soll­ten Sie auch kal­ku­lie­ren. Wenn zu Beginn Ihrer Exis­tenz­grün­dung also der Unter­neh­mer­lohn oder Ihr Gehalt nied­ri­ger als der Durch­schnitt ist und sich an Ihren not­wen­di­gen Aus­ga­ben (sie­he oben) bemisst: Spä­ter dür­fen Sie sich auch mehr zah­len. Spä­ter heisst, wenn Ihr Unter­neh­men Gewinn abwirft. Je genau­er und rea­lis­ti­scher auch die­ser Punkt in Ihrer Liqui­di­täts­pla­nung, also im Finanz­teil Ihres Busi­ness­plans, aus­ge­führt wird, umso mehr zei­gen Sie auch Ihren Inves­to­ren, dass Sie ein loh­nen­des Invest­ment sind.

War­um das im Busi­ness­plan ste­hen muss und wo

Wie schon oben erwähnt: Wer sei­nem Inves­tor oder sei­ner Bank glaub­haft machen will, dass der Finanz­plan im Busi­ness­plan auf fes­tem Boden steht, der macht sich unglaub­wür­dig, wenn er kei­ne Lösung für die eige­nen pri­va­ten Kos­ten anbie­tet. Die Ent­nah­men (bei Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten) oder Gehäl­ter (bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten) müs­sen also klar benannt werden.

Zu jedem guten Busi­ness­plan gehört ein Liqui­di­täts­plan. Dar­in sind alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben Ihres Unter­neh­mens für die ers­ten Mona­te gelis­tet. Ein biss­chen sieht das aus wie eine Ein­nah­men/­Aus­ga­ben-Rech­nung, die jeder Selbst­stän­di­ge machen soll­te und muss.Dort sind nicht nur Kos­ten wie Grün­dungs­kos­ten, betrieb­li­che Ver­si­che­run­gen, Waren­ein­kauf etc. zu erfas­sen son­dern auch die Gehäl­ter an Mit­ar­bei­ter und die Entnahmen.

Grün­der­rat:

Damit die Liqui­di­tät Ihres Start­ups immer gewahrt bleibt, gilt es sau­ber 1und1 zusam­men­zu­rech­nen. Eine Anlei­tung bie­tet unser Fach­ar­ti­kel „Basics: Das Grün­der-1x1 der Liqui­di­täts­pla­nung“.

Grün­der­rat:

Wei­te­re Hil­fe bei Ihrer Kos­ten­pla­nung fin­den Sie in unse­rem Fach­ar­ti­kel „Basics Kos­ten­kal­ku­la­ti­on – so stellst du dein Unter­neh­men auf siche­re Bei­ne“.

Bit­te bewer­te die­sen Artikel:

Das könnte dir auch gefallen Mehr vom Autor

Kommentare

X