Erfolgsrezepte für Startups und Gründer

Fir­men­wa­gen für Start­ups: So viel Luxus ist erlaubt

Start­ups befin­den sich in der Regel in Geld­not und kön­nen sich kei­nen Luxus leis­ten. Unter ihnen gibt es jedoch soge­nann­te Ein­hör­ner, die mit einer gran­dio­sen Idee in kur­zer Zeit erfolg­reich wer­den. Dann möch­ten sie sich womög­lich einen oder meh­re­re Fir­men­wa­gen anschaf­fen. Wel­che Regeln sind dabei zu beachten?

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Start­ups befin­den sich in der Regel in Geld­not und kön­nen sich kei­nen Luxus leis­ten. Unter ihnen gibt es jedoch soge­nann­te Ein­hör­ner, die mit einer gran­dio­sen Idee in kur­zer Zeit erfolg­reich wer­den. Dann möch­ten sie sich womög­lich einen oder meh­re­re Fir­men­wa­gen anschaf­fen. Wel­che Regeln sind dabei zu beachten?

Der Fir­men­wa­gen soll­te adäquat sein

Ein Tier­arzt schwärm­te von einem roten Sport­wa­gen und woll­te sei­nen Fer­ra­ri Spi­der als Fir­men­wa­gen nut­zen. Mit 400 PS wäre der Tier­arzt schnell in der Pra­xis gewe­sen, hät­te der Bun­des­fi­nanz­hof ihm nicht einen Strich durch die Rech­nung gemacht. In einem Mit­te des Jah­res 2014 ver­öf­fent­lich­ten Urteil (Az. VIII R 2012) ent­schie­den die Rich­ter, dass ein Sport­wa­gen kein ange­mes­se­nes Betriebs­fahr­zeug ist. Ein Tier­arzt besitzt nicht einen Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand, der einen Sport­wa­gen rechtfertigt.

Der Jah­res­um­satz des Tier­arz­tes betrug 800.000 Euro und er woll­te die Kos­ten für den Fer­ra­ri als Betriebs­aus­ga­ben steu­er­lich gel­tend machen. Die­se For­de­rung war nicht nur aus dem Grund ungül­tig, weil es sich um einen Sport­wa­gen han­delt. Der Tier­arzt nutz­te ihn nur 20 Tage pro Jahr betrieblich.

Um nicht in das­sel­be Pro­blem zu gelan­gen, müs­sen Start­ups vor dem Kauf eines Betriebs­wa­gens eini­ge Din­ge klären:

  • Wie hoch ist ihr Umsatz und Gewinn?
  • Wel­cher Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand ist nötig, um erfolg­reich zu sein?
  • Ist der Mehr­auf­wand durch ein bestimm­tes Fahr­zeug gerechtfertigt?

Gene­rell beträgt die steu­er­li­che Ver­gü­tung je gefah­re­nen Kilo­me­ter 14 Euro. In dem genann­ten Fall wur­de sie auf zwei Euro gekürzt, weil der Fer­ra­ri ein Ober­klas­se­mo­dell ist.

Wie fin­den Start­ups die ange­mes­se­ne Gren­ze für das Fahr­zeug? Das Finanz­ge­richt Nürn­berg (Az.: IV 94/2006) ent­schied, dass die Anschaf­fungs­kos­ten sowie Auf­wen­dun­gen für das Auto­mo­bil nicht grö­ßer als 36 Pro­zent des Gesamt­um­sat­zes pro Jahr über­schrei­ten dürfen.

Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand recht­fer­tigt  einen beson­de­ren Firmenwagen

Dass ein Tier­arzt kei­nen Fer­ra­ri benö­tigt, soll­te jedem ein­leuch­ten. Es gibt aber Unter­neh­mer, deren Erfolg von ihrer äußer­li­chen Erschei­nung abhängt – der fahr­ba­re Unter­satz ist an die­sem Tri­umph beteiligt.

Neh­men wir an, ein Start­up ent­wi­ckelt eine App für den Han­del von klas­si­schen Fahr­zeu­gen. Die­se alten Fahr­zeu­ge sind nicht simp­le Gebraucht­wa­gen, son­dern Klas­si­ker. Ihre Besit­zer und Käu­fer haben hohe Ansprü­che an die­se Autos. Die App soll alle Besit­zer, Ver­käu­fer und Inter­es­sen­ten zusammenbringen.

Als Ent­wick­ler der App scheint es logisch, dass das Start­up ein klas­si­sches Fahr­zeug besitzt, schließ­lich passt es zum Unter­neh­men und ist kein Luxus­gut. Für ein sol­ches Fahr­zeug müs­sen Start­ups nicht ein­mal viel Geld aus­ge­ben. Laut dem inter­na­tio­na­len Markt­platz für klas­si­sche Fahr­zeu­ge clas​sic​-tra​der​.com gibt es mehr als 1.000 Fahr­zeu­ge, die weni­ger als 10.000 Euro kos­ten. Zu den Klas­si­kern gehö­ren der Volks­wa­gen Käfer, Fiat 500 C Topo­li­no oder Rover Mini Cooper.

Wenn es der Jah­res­um­satz erlaubt, kön­nen Start­ups etwas mehr für einen Klas­si­ker aus­ge­ben. In den obe­ren Preis­ka­te­go­ri­en erwar­ten sie Fahr­zeu­ge wie der Mer­ce­des-Benz 190 D oder Rad­ford Mini De Ville.

Fir­men­fahr­zeug ist für vie­le Deut­sche wichtig

Die Stu­die Lea­se­Plan Mobi­li­täts­Mo­ni­tor gibt einen Ein­blick in die Vor­lie­ben der deut­schen Dienst­wa­gen­fah­rer. Sie kann Start-ups als Refe­renz die­nen, um geeig­ne­te Fir­men­wa­gen für das jun­ge Unter­neh­men und sei­ne Mit­ar­bei­ter auszuwählen.

Laut der Stu­die ist das Auto für 96 Pro­zent aller Dienst­wa­gen­fah­rer das belieb­tes­te Trans­port­mit­tel. Nur zwei Pro­zent nut­zen das Fahr­rad oder den Zug. Die­se Erkennt­nis­se sind nicht über­ra­schend. Inter­es­sant ist aber das fol­gen­de Ergeb­nis: Dienst­wa­gen­fah­rer wür­den eher einen Dienst­wa­gen anneh­men (78 Pro­zent) als eine Gehalts­er­hö­hung.

Bei den Fahr­zeug­ka­te­go­ri­en sind

  • Kom­bis beson­ders beliebt (40 Prozent),
  • gefolgt von SUVs (26 Pro­zent) und
  • Cabri­os (13 Prozent).
  • Die Limou­si­ne (10 Pro­zent) und
  • das Cou­pé (6 Pro­zent) haben weni­ge Fans.

Beim Getrie­be gewinnt über­ra­schen­der­wei­se die Auto­ma­tik­schal­tung. 80 Pro­zent der Befrag­ten wür­den sich für Auto­ma­tik ent­schei­den, wenn sie ohne Auf­preis erhält­lich wäre. Dienst­wa­gen­fah­rer bevor­zu­gen schein­bar den Kom­fort, den das Auto­ma­tik­ge­trie­be im dich­ten Stadt­ver­kehr, in Staus oder auf der Auto­bahn gewährleistet.

Vor­han­de­nen Pkw als Fir­men­wa­gen nutzen

Start­ups, die Geld beim Erwerb eines Fir­men­wa­gens spa­ren möch­ten, könn­ten auf die Idee kom­men, ihren pri­va­ten Pkw zu nut­zen. Das ist durch­aus mög­lich, der Umfang der Leis­tung hängt jedoch davon ab, ob das Fahr­zeug aus­schließ­lich geschäft­lich oder auch pri­vat genutzt wird.

In unse­rem Grün­der­talk haben wir eine Fra­ge beant­wor­tet, die eine ähn­li­che Situa­ti­on erklärt: In dem betrof­fe­nen Fall woll­te ein Grün­der, der eine Hun­de­pen­si­on eröff­ne­te, sein Fahr­zeug beruf­lich und pri­vat nut­zen. Betrieb­li­che Fahr­ten kön­nen steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den, ohne dass Ein­schrän­kun­gen bei der Fahr­zeug­nut­zung im Pri­vat­be­reich ent­ste­hen. Pro­ble­ma­tisch ist die Besteue­rung: Wer sein Fahr­zeug zu mehr als 50 Pro­zent gewerb­lich nutzt, wird es als Fir­men­wa­gen eingestuft.

Pro­ble­ma­tisch ist auch eine Unfall­si­tua­ti­on. Ange­nom­men ein Mit­ar­bei­ter des Start­ups nutzt den Fir­men­wa­gen in sei­ner Frei­zeit, was ihm sein Chef erlaub­te. Falls er mit gutem Gewis­sen den Scha­den aus der eige­nen Tasche bezahlt, wür­de das Finanz­amt eine Lohn­steu­er erhe­ben. Sein gutes Gewis­sen stuft es näm­lich als zusätz­li­chen Arbeits­lohn für das Unter­neh­men ein. Bei Unfäl­len, die sich wäh­rend einer dienst­li­chen Fahrt ereig­nen, soll­te gemäß der Schuld des Mit­ar­bei­ters gehan­delt wer­den: Bei gro­ßer Fahr­läs­sig­keit zahlt er für den Scha­den, bei mitt­le­rem Ver­schul­den tei­len Unter­neh­mer und Mit­ar­bei­ter die Rech­nung. Für einen unver­schul­de­ten Unfall soll­te der Mit­ar­bei­ter ver­ständ­li­cher­wei­se nicht zahlen.

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