Krankenversicherung für Selbstständige und Gründer: gesetzlich oder privat?
Als Gründer steht man auch vor einer sehr weitreichenden Entscheidung: private oder doch gesetzliche Krankenversicherungen? Worauf es dabei ankommt, erfährst du hier.
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Beim Gründen kommt zu allen nötigen Anmeldeformularen auch die Anmeldung bei der Krankenkasse hinzu. Bei der ersten Selbstständigkeit, die man beginnt, darfst du dabei wählen, ob du gesetzlich oder privat versichert sein möchtest (als Angestellter geht das nicht). Die Wahl solltst du mit Bedacht treffen, weil du sie später nicht mehr so leicht rückgängig machen kannst. Wichtig bei dieser Entscheidung sind folgende Faktoren, die wir in diesem Beitrag im Detail zeigen:
- Leistungsspektrum
- Kosten und Beiträge
- Situation im Alter
- Verdienstausfall
- Familienversicherung
Mit der Krankenversicherung ist es natürlich noch nicht getan: Welche Versicherungen du als Gründer außerdem in Betracht ziehen solltest, haben wir in dieser Übersicht zusammengefasst.
Vergleich Punkt 1: Grundlegende Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung
Wenn man sich zwischen beiden Alternativen entscheiden muss, ist es oft sinnvoll, zu verstehen, wie die private und die gesetzliche Krankenversicherung funktionieren. Das ist nämlich bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und bei privaten Krankenversicherungen (PKV) grundlegend unterschiedlich.
So funktioniert die gesetzliche Krankenversicherung
Bei der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen alle Versicherten einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens. Diese Einnahmen werden in einem großen Topf gesammelt. Gleichzeitig erhält jeder Versicherte das Recht, die Kosten für medizinische Behandlungen – gemäß Leistungskatalog – aus diesem Gesamt-Topf bezahlt zu bekommen. Die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert also solidarisch. Jeder zahlt für alle anderen mit.
So funktioniert die private Krankenversicherung
Für die privaten Krankenversicherungen ist das individuelle Kostenrisiko des Versicherten relevant, um den Beitrag festzusetzen. Je nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand haben Versicherte unter Umständen ganz unterschiedliche statistische Kostenrisiken.
Bei einem 20-jährigen, trainierten und gesunden Gründer wird nur ein sehr geringes Risiko bestehen, dass die Krankenkassen hohe Kosten übernehmen müssen. Bei einem Mittfünfziger mit einigen bereits bestehenden Vorerkrankungen sieht das ganz anders aus. Dementsprechend unterschiedlich hoch fallen dann auch die Krankenkassenprämien bei den einzelnen Versicherern aus.
Fazit für Selbstständige und Gründer
Solidarisch ist gut – gesellschaftlich gibt es wohl keine Frage, welches Prinzip Krankenkasse fairer ist. Andererseits können gerade junge Gründer und Selbstständige in einer privaten Krankenkasse genauer ihre Leistungen mit den entsprechenden Kosten definieren.
Übrigens: In dieser Übersicht findet ihr einen Vergleich von privaten Krankenversicherungen für Gründer.
Vergleich Punkt 2: Kosten für private und gesetzliche Krankenversicherung
Die Krankenkassenkosten sind für jeden Selbstständigen eine Herausforderung. Sie fallen bereits zu Beginn der Gründung an, wenn die Einnahmen noch gering sind.
Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung
Bei der GKV zahlen (abhängig beschäftigte) Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes. Dieser liegt mit Stand Januar 2026 bei 14,6 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens.
Dazu kommt der Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse selbst festlegt. Er liegt derzeit im Durchschnitt bei 2,9 Prozent. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Kassen: Die preiswerteste Krankenkasse verlangt 2,18 Prozent und die teuerste 4,39 Prozent. Wer hier sparen möchte, kann recht einfach die Krankenkasse wechseln. Gerade für gesetzlich versicherte Selbstständige lohnt sich ein Wechsel häufig.
Bei der GKV gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze (2026: 5.812,50 Euro pro Monat). Das bedeutet, du bezahlst den Krankenkassenbeitrag nur für die ersten 5.812,50 Euro, die du verdienst. Verdienst du mehr, zahlst du trotzdem keine höheren Beiträge.
Gleichzeitig gibt es aber auch einen Mindestbeitrag, den man in jedem Fall bezahlen muss – auch wenn man nur sehr wenig oder gar nichts verdient. Es gilt eine Mindestbemessungsgrundlage (2026: 1.318,33 EUR).
Das Problem bei Selbstständigen: Sie müssen die gesamten Krankenkassenbeiträge selbst zahlen, da sie keinen Arbeitgeber haben. Eine Ausnahme gilt für alle Personen, die in der Künstlersozialkasse (KSK) versichert sind.
Kosten der privaten Krankenversicherung
Bei den privaten Versicherern wird die Prämie individuell je nach Versicherten festgelegt. Einstiegstarife für junge, gesunde Erwachsene ohne besondere Risiken (Rauchen, Übergewicht, Extremsport) beginnen bei etwa 250 Euro pro Monat. Die Beiträge können aber auch deutlich über 1.000 Euro monatlich bei älteren, vorerkrankten Versicherten betragen.
Das Alter ist hier der zunächst ausschlaggebende Punkt – auch gesunde Ältere zahlen deutlich mehr als jüngere Personen. An zweiter Stelle kommen natürlich die Vorerkrankungen und die bereits vorhandenen medizinischen Diagnosen. Wer schon zwei Herzinfarkte und einen Schlaganfall hatte, kann sich bei privaten Versicherern meist nur noch kostspielig versichern.
Um das Ganze etwas abzumildern, gibt es bei privaten Krankenversicherungen drei Dinge: einerseits die sogenannten Altersrückstellungen, andererseits (bei vielen Versicherern) sogenannte Beitragsrückerstattungen und oftmals einen wählbaren Selbstbehalt.
Altersrückstellung
Bei den Altersrückstellungen wird bereits in jungen Jahren ein Teil der Prämien von der Versicherung zurückgelegt, um die im Alter zwangsweise höheren Beiträge etwas abzufedern. Wer sich sehr früh privat versichert, kann dabei sehr hohe Beträge „ansparen“, was ihm dann später im Alter häufig deutlich zugutekommt.
Selbstbeteiligung
Die Selbstbeteiligung ist ein vereinbarter Eigenanteil, den Versicherte übernehmen, bevor die PKV die Kosten übernimmt. Typischerweise werden zwischen 300 und 1500 Euro pro Jahr vereinbart, höchstens jedoch 5.000 Euro. Die Selbstbeteiligung entlastet die Versicherungen von zahlreichen Kleinbeträgen. Als Gegenleistung wird dafür eine günstigere monatliche Prämie angeboten.
Rückerstattungen
Wer ein ganzes Kalenderjahr nicht zum Arzt muss und der Versicherung damit keine Kosten verursacht, erhält bei vielen Versicherern am Jahresende einen kleinen Teil der bezahlten Beiträge (meist ein bis drei Monatsbeiträge) zurückerstattet. Bei vielen jüngeren, gesunden Menschen ist das sogar regelmäßig der Fall – Arztbesuche werden gewöhnlich erst dann häufiger, wenn man älter wird. Zudem kann man sich als Privatversicherter immer dafür entscheiden, kleinere Kosten selbst zu bezahlen, um in den Genuss der Beitragsrückerstattung zu kommen.
Eine Pflegeversicherung ist für alle Pflicht
Wer sich gesetzlich krankenversichert, zahlt automatisch auch Beiträge für die gesetzliche Pflegeversicherung. Der allgemeine Beitragssatz liegt 2026 bei 3,6 Prozent (Kinderlose zahlen zusätzlich 0,6 Prozent) und wird zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt. Selbstständige zahlen den vollen Beitrag.
Aber auch privat Versicherte sind gesetzlich (§ 23 SGB XI) zu einer privaten Pflegeversicherung verpflichtet.
Fazit für Selbstständige und Gründer
Insbesondere in der Kostenstruktur zeigt sich der grundsätzliche Unterschied der beiden Krankenversicherungen: In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlst du unabhängig von Alter und Gesundheitszustand den gleichen Beitrag.
In der privaten Krankenversicherung ist es ausschlaggebend, wie alt man als Versicherter ist. Je älter, desto teurer wird es. Als junger (und gesunder) Gründer kann es sich also lohnen, in die PKV zu gehen, allerdings steigen die Beiträge im Alter teils deutlich an.
Vergleich Punkt 3: Leistungsumfang von privater und gesetzlicher Krankenversicherung
Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung
Gesetzliche Krankenversicherungen haben einen festgelegten Leistungskatalog, der die medizinisch notwendigen Leistungen abdeckt. Neben der Behandlung von Krankheiten zählen dazu Früherkennungen, Reha, Krankengeld sowie Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel.
Eine Auflistung aller Leistungen der GKV findest du hier. Wer mehr als die Regelleistungen benötigt, muss eine private Zusatzversicherung (monatliche zusätzliche Kosten) abschließen.
Leistungen der privaten Krankenversicherung
Bei privaten Versicherungen wird meist ein sehr üppiger Leistungsumfang geboten, den man überdies noch selbst festlegen kann. Man bekommt, was man bezahlt. Viele der Leistungen, die eine gesetzliche Kasse nicht übernehmen würde, lassen sich bei privaten Versicherern problemlos einschließen.
Zudem ist man als Privatpatient in vielen Fällen bei den Ärzten viel lieber gesehen, hat eine deutlich geringere Wartezeit, wenn es um Termine geht und erhält vom Arzt auch meist mehr Aufmerksamkeit. Das sollte nicht so sein, ist aber leider in Deutschland eine knallharte Realität – die man als Privatpatient sehr deutlich spüren kann.
Fazit für Selbstständige und Gründer
Schnelle Terminvergabe, Qualität und besondere Gesundheitsleistungen – hier hat die PKV die Nase vorn. Allerdings sollten sich Gründer immer die Frage stellen, welche dieser Leistungen sie tatsächlich brauchen und ob sie dafür extra zahlen wollen.
Vergleich Punkt 4: Private und gesetzliche Krankenversicherung im Alter
An später denken ist bei der Wahl der Krankenkasse unumgänglich. Denn die Vor- und Nachteile von GKV und PKV drehen sich im Alter deutlich. Um nicht auch dadurch in die Altersarmut bei Selbstständigen zu geraten, solltest du deine Wahl gründlich überdenken.
Kosten im Alter bei der privaten Krankenkasse
Sieht man sich die Kosten an beiden Stellen an, wird sofort klar: Die private Krankenversicherung stellt ein hohes Kostenrisiko dar. Jeder wird zwangsläufig älter, und die Krankenversicherungskosten steigen dann automatisch an – selbst wenn man weniger verdient. Mit einigen typischen Zivilisationskrankheiten im Gepäck und einem stetig steigenden Lebensalter werden die Kosten dann immer höher – und auch durchschnittliche Altersrückstellungen fangen das nicht mehr wirklich auf. Man braucht dann oft auch zusätzliche Rücklagen, um sich seine Krankenversicherung noch leisten zu können.
Es gibt zwar die gesetzliche Vorgabe, dass jeder private Versicherer einen sogenannten Basistarif anbieten muss, der sich an den Leistungen der GKV orientiert und nur wenig kostet. Ob und wann man in den Basistarif wechseln kann, ist aber von Versicherer zu Versicherer sehr unterschiedlich.
Kosten im Alter bei der gesetzlichen Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenversicherung richtet sich dagegen nach den aktuellen Einkünften – wer wenig verdient, bezahlt auch weniger, wer älter wird, bezahlt deshalb nicht mehr. Das ist eine schöne Rückversicherung für wirtschaftlich magere Zeiten.
Klar ist aber auch, dass es den gesetzlichen Krankenkassen wirtschaftlich nicht gut geht und der Beitragssatz regelmäßig erhöht oder der Leistungsumfang gekürzt wird. Doch auch wenn niemand in die Zukunft sehen kann, ist davon auszugehen, dass der Staat daran interessiert ist, eine vernünftige medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten.
Fazit für Selbstständige und Gründer
Weil man nicht zwischen den beiden Systemen einfach hin- und herwechseln kann, sollte man die Entscheidung als Gründer gut überlegt treffen und nicht nur kurzfristig denken, sondern auch die lange Perspektive einbeziehen.
Vergleich Punkt 5: Verdienstausfall bei privater und gesetzlicher Krankenversicherung
Ein sehr wichtiger Punkt für jeden Selbstständigen ist natürlich, dass man im Krankheitsfall nicht arbeiten kann – also auch nichts verdient. Dieser Verdienstausfall muss in irgendeiner Weise aufgefangen werden, damit man weiterhin in der Lage ist, Fixkosten zu decken und das Leben zu finanzieren, wenn man krankheitsbedingt nicht in der Lage ist, zu arbeiten.
Die gesetzlichen Versicherungen bieten dafür eine (eingeschränkte) Möglichkeit. Gesetzliches Krankengeld gibt es für Selbstständige ab dem 43. Tag, bei einigen Wahltarifen mit (teils hohen) Zusatzbeiträgen schon ab dem 15. Tag.
Bei den privaten Versicherern ist ein Zusatzbaustein erforderlich. Wer bereit ist, monatlich etwas mehr zu bezahlen, kann sich im Krankheitsfall mit hohen Ersatzkosten absichern.
Vergleich Punkt 6: Familienversicherung bei privater und gesetzlicher Krankenversicherung
In der gesetzlichen Krankenversicherung besteht die Möglichkeit, Kinder sowie Ehe- oder Lebenspartner mit einem Einkommen unter 565 Euro (Minijob: 603 Euro, Stand: Januar 2026) und in bestimmten Fällen sogar Enkelkinder kostenfrei mitzuversichern.
Bei privaten Versicherungen ist diese Möglichkeit ausgeschlossen. Jedes Familienmitglied (auch Kinder) muss einen eigenen Vertrag inklusive Gesundheitsprüfung abschließen. Für jüngere Kinder können sich – je nach Leistungsumfang – die Kosten dabei durchaus zwischen 200 und 400 EUR pro Kind bewegen.
Für Lebenspartner, die nicht arbeiten, kostet die Versicherung dann wie bei jedem Erwachsenen in der privaten Krankenversicherung einen Beitrag entsprechend seinem individuellen Krankheitskostenrisiko – bei älteren Jahrgängen also durchaus 700 bis 900 Euro oder mehr.
Fazit für Selbstständige & Gründer
Wer vorhat, später eine Familie zu gründen, sollte sich wohl eher für eine gesetzliche Krankenversicherung entscheiden, denn hier sind sehr viel mehr Vorteile zu finden.
Übersicht: Vor- und Nachteile der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung
- Die Entscheidung für eine der beiden Versicherungsformen ist komplex und richtet sich stark nach der eigenen Lebenssituation und dem eigenen Alter und Gesundheitszustand.
- Junge Menschen zahlen in der PKV oft deutlich geringere Beiträge, auch wenn sie viel verdienen. Umgekehrt zahlen Ältere in der PKV häufig sehr hohe Beiträge – auch wenn sie kaum etwas verdienen.
- In der GKV sind die Beiträge ans Einkommen gekoppelt. Anders als bei abhängig beschäftigten Angestellten, übernimmt bei Selbstständigen kein Arbeitgeber die Hälfte davon.
- Die Absicherung der Familie kann in der PKV enorm hohe Kosten verursachen. In der gesetzlichen Krankenversicherung wird es hier meist um ein Vielfaches günstiger.
- Privatversicherte profitieren oft von einem größeren Leistungsumfang und einer Vorzugsbehandlung. Allerdings deckt der Leistungskatalog der GKV alle medizinisch notwendigen Maßnahmen ab.
- Bei der GKV gibt es zwischen den einzelnen Kassen geringe Unterschiede beim Leistungsumfang und beim Beitragssatz – hier lohnt sich ein Vergleich ebenfalls. Außerdem sollte man einen Blick auf angebotene Zusatzleistungen und die Möglichkeit privater Zusatzversicherungen werfen.
| Private Krankenversicherung | Gesetzliche Krankenversicherung | |
| Leistungen | größeres Leistungsspektrum | alle medizinisch notwendigen Leistungen |
| Beiträge | für junge Menschen kostengünstiger | am Einkommen orientiert und für alle gleich |
| Kosten im Alter | wird mit Alter und Erkrankungen teurer | unabhängig von Alter und Erkrankungen |
| bei Verdienstausfall | Krankengeld nicht inklusive, aber viele Absicherungen zubuchbar | Krankengeld, weitere Absicherung |
| Familienversicherung | jeder Versicherte zahlt | für Lebenspartner, Kinder und Enkel möglich |
| Anbieterwechsel | PKVs können Anträge ablehnen, bei Wechsel immer auch Verlust eines Teils der Alterungsrückstellung | Wechsel immer möglich zu anderer GKV (aktuelle Liste) |