Startup gründen in Paris: Das Gründerökosystem Frankreich

Gründen in Paris ist attraktiv – nicht nur wegen der reichen Kultur der Stadt. Auch wirtschaftlich hat die Stadt an der Seine so einiges zu bieten.

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Zweieinhalb Millionen Menschen in einer schönen, gut vernetzten Stadt – die dank staatlicher Unterstützung zu einer immer stärkeren Gründerhauptstadt wird: Paris ist auch für Entrepreneure eine Reise wert. Doch man mache sich nichts vor: Französische Gewerkschaften hängen sich sehr gern in Unternehmensprozesse rein und der hohe Grad an französischer Bürokratie lässt sogar den viel gewöhnten Deutschen die Haare raufen.
Auch die Steuern sind nicht ohne und die Mietkosten sind inzwischen vergleichbar mit denen in London und New York. Was sonst noch das Gründerökosystem Paris ausmacht …

Gründerökosystem Paris

In Europa gilt London als die ultimative Hochburg für Startups. Wenig verwunderlich, schließlich starteten hier viele bekannte Firmen, darunter das estnische Unternehmen für weltweite Geldtransfers TransferWise.

Dicht hinter London befindet sich die deutsche Hauptstadt Berlin, die gerne als das neue Silicon Valley bezeichnet wird. Von hier aus arbeiteten bekannte Unternehmen an ihrem Erfolgskurs, zum Beispiel DaWanda, Soundcloud und Lieferheld.

Die französische Hauptstadt macht den britischen und deutschen Metropolen seit geraumer Zeit kräftig Konkurrenz. Eine Studie von ATOMICO zeigt, dass Frankreich im Jahr 2016 mehr Wagniskapital als Deutschland erhielt. Dies verdanken die Nachbarn den explodierenden Investitionen ab 2015; in Großbritannien und Deutschland gibt es hingegen stabilere Wachstumskurse.

Dennoch nennen zahlreiche weltbekannte Unternehmen Frankreich ihr Zuhause, darunter das 2006 gegründete Ridesharing-Unternehmen BlaBlaCar. Die beiden Gründer der Firma sind inzwischen Angel-Investors, die nach aufstrebenden Unternehmen in Paris suchen – genau das ist die Chance vieler junger Start-ups. In Frankreich gibt es zahlreiche Investoren, die mit ihrem Geld Jungunternehmern unter die Arme greifen wollen.

Neben einer wachsenden Anzahl an Geldgebern hat Paris weitere attraktive Dinge zu bieten. So hat die Hotelkette Pullman Hotels den Business Playground ins Leben gerufen, ein spezielles Angebot, um professionelle Meetings zu ermöglichen. Startups können das Angebot nutzen, wenn sie sich mit Geschäftspartnern treffen wollen, diese aber nicht in einen Startup-Hub oder einen Coworking-Space einladen möchten. Die von Pullman Hotels zur Verfügung stehenden Meetingräume glänzen mit einem zeitgenössischen Design sowie modernster Ausstattung – beste Voraussetzungen, um seine Projekte zu präsentieren und dabei professionell zu wirken.

Besonders stark ist der Pariser Markt im Bereich Internet of Things (IoT). Studien zufolge waren im Jahr 2015 bereits 42 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden; bis 2025 wird ein jährliches Wachstum von 14 Prozent erwartet. In Frankreich wurde dieser Branchentrend längst erkannt. Seit 2015 gibt es mehr und mehr Jobanbieter und Jobsuchende im Bereich IoT – die überwiegende Mehrzahl in der Pariser Region (38 Prozent), zeigt eine Studie von indeed.

Kulturelle Besonderheiten

Das größte Manko ist die Sprachbarriere, da viele Bewohner der Stadt Paris kein gutes Englisch sprechen. Außerdem gibt es strenge Gesetze rund um die Beschäftigung einer Person. Auch der bürokratische Aufwand ist nicht zu unterschätzen, sodass ein Experte vor Ort beauftragt werden muss, der das Startup begleitet.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist es in Paris auch nicht so leicht möglich, geschäftliche Beziehungen in kurzen Zeiträumen zu formen. Diese dauern selten wenige Monate, sondern mehrere Jahre, was für Startups kompliziert sein kann. In dieser Zeit können Startups hingegen ihre Reputation steigern. Ist diese einmal positiv, bleibt sie es im Regelfall auch. Die Geschäftskultur in Paris ist relativ formell und folgt einer komplizierten, aber wichtigen Etikette. Wenn ihr euch in die Belegschaft einfügen wollt, nehmt euch jeden Tag Zeit, mit euren Kollegen zu Mittag zu essen. Auch die Kleiderordnung ist etwas, das nicht ignoriert werden sollte und ihr solltet zeigen, dass ihr an der französischen Kultur interessiert seid.

Daten und Fakten

Paris ist für Gründer gut vernetzt – das zeigt vor allem das besondere Zemtrum STATION F. Aber auch viele international aktive Acceleratoren haben einen Sitz in der französischen Hauptstadt.

Station F: Das Gründerzentrum in Paris

Besonders interessant für Gründer: Mitte 2017 öffnete in Paris der größte Startup-Campus der Welt: STATION F. Er wurde von Xavier Niel gegründet, der stolze 250 Millionen Euro in das Projekt investierte.

Die Daten im Überblick:

  • 34.000 Quadratmeter groß
  • mehr als 3.000 Arbeitsplätze
  • 26 internationale Start-up-Programme
  • 1 Restaurant; 4 Küchen, 1 Café, 1 Bar
  • 1 Makerspace
  • Zugang rund um die Uhr
  • 8 Räume für Events

2018 soll der Hub um einen Co-Living-Space für Gründer erweitert werden. Dieser soll Platz für rund 600 Personen bieten und ist nur zehn Minuten von STATION F entfernt.

Für ein monatliches Abonnement (195 Euro) erhalten Gründer rund um die Uhr Zugang zum Campus, bekommen einen eigenen Tisch und können das restliche Angebot nutzen, um an ihrem Startup zu arbeiten.

STATION F hat außerdem ein Sonderprogramm im Angebot, das sich STATION F Fighter nennt. Es richtet sich an Menschen, die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen sind. Diese jungen Gründer können komplett kostenlos ihre Idee in STATION F entwickeln, jedoch gibt es eine einjährige Verpflichtung.

Abseits dieser beiden Programme sind bei STATION F eine Vielzahl bekannter Unternehmen tätig, darunter Facebook und Ubisoft, die Gründern unter die Arme greifen wollen. Um deren Unterstützung zu erhalten, müssen Interessenten ihnen eine Bewerbung zusenden.

Die wichtigsten Coworking Spaces in Paris

Wie jede Großstadt mit einer starken Gründerszene hat auch Paris eine ganze Reihe spannender und gut organisierter Coworking Spaces. Ob L’Anticafé, Draft, L’Archipel Café, Le Lawomatic oder Hubsy – hier kann man in professioneller Umgebung arbeiten und mit anderen Gründern kollaborieren.

Acceleratoren und Inkubatoren mit Sitz in Paris

L’Accelérateur

L’Accelérateur ist ein 3-monatiger Accelerator, der von Michel de Guilhermier, Juan Hernández und Jonathan Lascar gegründet wurde. Er bietet Mentoren und Medienpräsenz. L’accélérateur hat das französische Startup Anaxago unterstützt, das vor kurzem 2 Millionen Euro für seine Crowdfunding-Lösung aufgebracht hat.

Adresse: 13 rue de Marivaux, 75002 Paris
Web: http://laccelerateur.fr/

Le Camping – Numa

Le Camping ist ein 4-monatiges Beschleunigungsprogramm auf Numa, einem digitalen Drehkreuz im Herzen von Paris. Le Camping hilft Startups in spezifischen Angelegenheiten, von der Produktentwicklung über Finanzen bis hin zu rechtlichen Angelegenheiten. Mit Le Camping erreichte das französische Startup Lima sein erstes Finanzierungsziel auf Kickstarter in weniger als 12 Stunden und sammelte insgesamt 1,2 Millionen Dollar.

Adresse: 39, rue du Caire, 75002 Paris
Web: https://paris.numa.co/

50 Partners

50 Partners ist ein Inkubator, der von 50 IT-Unternehmern gegründet wurde, darunter Frederic Mazzella (Gründer und CEO, Blablacar) und Justing Ziegler (Gründer, PriceMinister). Schlüsselkompetenzen sind Web, Media, Mobile und Software. Unternehmer treten dem 4-monatigen Programm bei.

Adresse: 62 rue Jean Jacques Rousseau, 75001 Paris
Web: http://en.50partners.fr/

Agoranov

Agoranov ist ein öffentlicher Inkubator, gegründet von mehreren wissenschaftlichen Institutionen. Es hat dazu beigetragen, mehr als 250 innovative Unternehmen in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen wie Gesundheit, Biotechnologie und Sicherheitsdienste zu schaffen.

Adresse: 96 Boulevard Raspail, 75006 Paris
Web: http://www.agoranov.com/

Partech Shaker

Der Partech Shaker bietet Startups in Paris Interaktion mit globalen Unternehmen. Es beherbergt auch verschiedene Arten von Veranstaltungen im Zusammenhang mit Digital Business, Technologie und Open Innovation.

Adresse: 33, rue du Mail, 75002 Paris
Web: http://partechshaker.com/

Erfolgreiche Startups aus Paris

Besonders erfolgreich ist der internetbasierte Vermittler von Mitfahrgelegenheiten BlaBlaCar, das im Jahr 2015 etwa 177 Millionen Euro aufgenommen hat. Die Internationalisierung war von Anfang an Teil der Geschäftsidee: Anfang 2016 hatte das Startup 25 Millionen Mitglieder und war in 22 Ländern vertreten, auch in Russland, der Türkei, Indien, Mexiko und Brasilien.

Besonders stark ist auch der E-Commerce, einer der global Player: der Softwareentwickler Mirakl. Seit 2012 bietet das Pariser Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen für Online-Marktplätze an und konnte Kunden wie die Warenhausketten Carrefour, Auchan oder Galeries Lafayette, Elektrofachgeschäfte Darty oder Boulanger oder der Online-Marktplatz Rue du Commerce gewinnen.

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