Der Bund digitalisiert sich, aber Freiberufler haben nichts davon

Die Bundesregierung will mit einer Modernisierungsagenda Staat und Verwaltung digitalisieren. Freelancer sind von vielen der Maßnahmen ausgeschlossen.

56 Prozent der Freelancer empfinden die Bürokratie als größten strukturellen Nachteil, 68 Prozent fordern konkrete Maßnahmen zum Abbau. Gut also, dass die Bundesregierung mit der „Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung“ die Ämter digitaler und effizienter machen will.

Was auf den ersten Blick wie ein Aufbruch aussieht, zeigt auf den zweiten, dass ausgerechnet Freelancer außen vor bleibe, wie Thomas Maas, CEO des Portals Freelancermap, bemängelt. „Die Maßnahmen ignorieren erneut die Lebensrealität von über 1,5 Millionen Menschen”.

Bürokratieabbau, aber nicht für alle

Die Modernisierungsagenda soll Bürger:innen und Unternehmen entlasten, überflüssige Vorschriften abbauen und Verwaltungsleistungen digitalisieren. Maas warnt, dass die Entlastung nicht dort stattfindet, wo moderne Arbeitsformen entstehen oder bereits Realität sind, sondern vor allem innerhalb der Verwaltung selbst. Besonders deutlich werde das an einzelnen Maßnahmen aus dem Programm, wie Freelancermap in einer Mitteilung aufführt.

  • Senkung der Bürokratiekosten um 25 Prozent / One-in-two-out-Regel: Diese Regel verpflichtet den Staat, für jede neue bürokratische Belastung zwei alte abzubauen. In der Praxis beträfe das interne Prozesse. Für Freelancer gibt es keine Reduktion administrativer Pflichten oder vereinfachte Nachweispflichten, die ihre alltägliche Belastung verringern.
  • Praxischecks / Lebenssachverhalte prüfen: Die Agenda sehe vor, bürokratische Hürden für Bürger:innen und Unternehmen zu überprüfen. Selbstständige oder Freelancer werden dabei nicht erwähnt. Ob sie überhaupt mitgedacht sind, bleibt offen.
  • Digitale Förderzentrale Deutschland: Die Plattform soll Förderprogramme digital bündeln. Es ist unklar, ob Selbstständige ohne Gewerbe profitieren. Damit bleibt der Zugang zu Förderprogrammen für viele Freie weiterhin bürokratisch und intransparent.
  • One-Stop-Shop für Verwaltungsleistungen: Eine zentrale digitale Anlaufstelle für Behördenkontakte ist geplant. Doch ob dort künftig auch freiberufliche Vorgänge wie die Beantragung einer Steuernummer, die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung oder Änderungen beim Finanzamt abgebildet werden, ist unklar. Gerade Maßnahmen wie das Gründen in 24 Stunden gehen an Freelancern vorbei, da diese ohne Gewerbe „gründen“.
  • Genehmigungsfiktion: Im Koalitionsvertrag ursprünglich angekündigt, wird sie in der Modernisierungsagenda nicht aufgegriffen. Gerade sie hätte Anträge für Freie beschleunigen und mehr Planungssicherheit schaffen können. Eine wichtige Möglichkeit, um Verzögerungen durch langsame Behörden zu verhindern, bleibt damit ungenutzt und bedeutet für Freiberufler:innen weiterhin unbezahlte Mehrarbeit, etwa um Anträgen nachzugehen oder sie erneut einzureichen.

Freiberufler machen 260 Stunden unbezahlte Zusatzarbeit pro Jahr

Laut der Befragung Freelancer-Kompass 2025 leisten Freie im Schnitt fünf Stunden unbezahlte Zusatzarbeit pro Woche, etwa für Buchhaltung, Akquise oder administrative Pflichten. Von diesen hochgerechnet 260 Stunden im Jahr entfällt auch ein großer Teil auf bürokratische Pflichten.

„Der Staat will digital werden – aber er übersieht die, die das längst sind. Freelancer arbeiten heute so, wie sich die Bundesregierung die Zukunft der Arbeit vorstellt: flexibel, digital und effizient“, sagt Thomas Maas, CEO von freelancermap. „Schon bei der kürzlich beschlossenen Aktivrente bewies die Bundesregierung jedoch, dass sie Freelancer weiterhin nicht mitdenkt.“

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