Trotz Fachkräftemangel: 84 Prozent der Freelancer werden geghostet

Eine große Mehrheit der Freelancer hat bereits erlebt, dass Auftraggebende den Kontakt ohne Erklärung abbrechen. Und: Der Wettbewerb unter Freelancern verschärft sich massiv.

Sie schreiben Angebote, führen Erstgespräche, investieren Zeit in Briefings – und dann: Stille. 84 Prozent der Freelancer im deutschsprachigen Raum haben das schon erlebt. Ghosting, der plötzliche und kommentarlose Kontaktabbruch durch Auftraggebende, ist im Freelancer-Markt kein Randphänomen. Das zeigt der Freelancer-Kompass 2026 der Plattform freelancermap.

Bemerkenswert ist, dass dieses Ergebnis in einem offensichtlichen Widerspruch zur öffentlichen Debatte steht, in der Unternehmen über Fachkräftemangel klagen. Allein in der IT könnten laut Bitkom bis 2040 rund 663.000 Stellen unbesetzt bleiben. Gleichzeitig behandeln dieselben Unternehmen hochqualifizierte Selbstständige, die sich aktiv auf Projekte bewerben, als wären sie unsichtbar. Kein Rückruf, keine Absage, kein Signal.

Ghosting ist kein Kavaliersdelikt, es ist ein Symptom

Hinter dem Ghosting steckt mehr als schlechte Manieren. Wenn Unternehmen Budgets einfrieren, Projekte verschieben oder intern umbesetzen, fällt die Kommunikation mit externen Bewerber:innen und Expert:innen oft als Erstes weg. Dazu kommen mehrstufige Prozesse, in denen Entscheidungen versanden, bevor sie bei den Freelancern ankommen.

„Unternehmen, die über Fachkräftemangel klagen und gleichzeitig Freelancer ghosten, haben ein Kulturproblem. Wer hochqualifizierte Spezialist:innen gewinnen will, muss sie auch als solche behandeln. Eine Absage kostet zwei Minuten. Funkstille kostet Vertrauen und am Ende die besten Köpfe.“, sagt Thomas Maas, CEO von freelancermap.

Besonders brisant wird das vor dem Hintergrund, dass 24 Prozent der freien Expert:innen laut Freelancer-Kompass im vergangenen Jahr an weniger als 50 Tagen mit Projekten ausgelastet waren. Wer ohnehin weniger Aufträge hat, für den wiegt jedes nicht beantwortete Angebot doppelt schwer.

Elf Bewerber:innen auf ein Projekt

Die Plattformdaten von freelancermap, die erstmals in den Freelancer-Kompass einfließen und für die mehr als 340.000 Profile ausgewertet wurden, verdeutlichen, dass die Konkurrenz unter Freelancern wächst. Im Schnitt bewerben sich elf Personen auf ein ausgeschriebenes Projekt. Bei gefragten Skills ist der Andrang noch größer.

62 Prozent der Befragten nennen die Auftragsakquise als ihre größte Herausforderung. Die Stimmung unter Freelancern war seit Jahren nicht so gedämpft.

Wer nicht antwortet, verliert

Der Freelancer-Kompass 2026 zeigt: Der Markt für Freelancer ist gerade schwieriger. Es gibt weniger Aufträge, mehr Wettbewerb und generell eine wirtschaftliche Anspannung. Gerade weil es für Freelancer aktuell schwerer ist, Aufträge zu bekommen, und für Unternehmen, gute Freelancer zu finden, wird professionelle Kommunikation zwischen beiden Seiten besonders wichtig.

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