Was ist die Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung (EÜR)

Kurz gesagt: Die Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung (EÜR) ist eine Gegen­über­stel­lung der betrieb­li­chen Ein­nah­men und Aus­ga­ben. Die Rechts­grund­la­ge fin­det man im § 4 Absatz 3 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG). Wer die EÜR nut­zen kann, was dar­in ein­zu­tra­gen ist, wel­che Anla­gen nötig sind und wie das mit dem Betriebs­ver­mö­gen funk­tio­niert, erfah­ren Sie in die­sem Fachtext.

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Kurz gesagt: Die Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung (EÜR) ist eine Gegen­über­stel­lung der betrieb­li­chen Ein­nah­men und Aus­ga­ben. Die Rechts­grund­la­ge fin­det man im § 4 Absatz 3 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG). Wer die EÜR nut­zen kann, was dar­in ein­zu­tra­gen ist, wel­che Anla­gen nötig sind und wie das mit dem Betriebs­ver­mö­gen funk­tio­niert, erfah­ren Sie in die­sem Fachtext.

EÜR Bei­spiel: Auf­bau / Ansicht einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Betriebs­ein­nah­menBetriebs­aus­ga­ben
Erlö­se 19 Pro­zent / 7 ProzentWaren­ein­gang 7 Pro­zent / 19 Prozent
Sons­ti­ge Erlö­se (z. B. Pri­vat­an­teil Kfz, Ent­nah­me von Gegenständen)Per­so­nal­kos­ten (Gehäl­ter, Löh­ne und Sozialversicherungsbeiträge)
Steu­er­freie Umsät­ze § 4 Umsatz­steu­er­ge­setz (UStG)Abset­zung für Abnut­zung (AfA)
Ver­ein­nahm­te Umsatz­steu­er auf BetriebseinnahmenSon­der­ab­schrei­bung
Vom Finanz­amt erstat­te­te UmsatzsteuerVor­steu­er
Raum­kos­ten (Mie­te, Gas, Strom, Wasser)
Über­nach­tungs- und Reisenebenkosten
Ver­si­che­run­gen, Beiträge
Wer­be­kos­ten
Buch­füh­rungs­kos­ten, Abschluss- und Prüfungskosten
Geschen­ke an Per­so­nen bis 35 EUR netto
Bewir­tungs­kos­ten (70% abzieh­bar, 30% nicht abzieh­bar, Vor­steu­er 100% abziehbar)
Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen
Kraft­fahr­zeug­kos­ten
Fort­bil­dungs­kos­ten
Tele­fon, Por­to und Bürobedarf
Zins­auf­wen­dun­gen

Ergibt einen Gewinn, wenn die Ein­nah­men höher als die Aus­ga­ben sind und einen Ver­lust, wenn die Ein­nah­men nied­ri­ger als die Aus­ga­ben sind.

Wer darf eine Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung (EÜR) erstellen?

Gern schreibt ver­mut­lich kaum ein Unter­neh­mer auf, was er war­um und wie umge­setzt hat, und das nur für die Steu­er. Aber es ist Pflicht, sich zu erklä­ren und die EÜR ist im Gegen­satz zur wei­te­ren Form der Gewinn­ermitt­lung, der so genann­ten Bilan­zie­rung, der ein­fa­che­re Weg. Fol­gen­de Unter­neh­mer dür­fen die­sen ein­fa­chen Weg wählen:

  • Frei­be­ruf­ler und
  • Ein­zel­un­ter­neh­men und Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten bis 500.000 Euro Umsatz oder
    50.000 Euro Gewinn.

Zu emp­feh­len ist aber, dass Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten zur bes­se­ren Dar­stel­lung der Kapi­tal­kon­ten bilan­zie­ren. Hier gibt es für jeden Gesell­schaf­ter eige­ne Kapi­tal­kon­ten, die man auch ein­zeln füh­ren sollte.

Sind die Ein­nah­men höher als die Aus­ga­ben han­delt es sich um einen Gewinn.
Über­stei­gen die Aus­ga­ben die Ein­nah­men, so wird von einem Ver­lust gesprochen.

Wie legt man die EÜR dem Finanz­amt vor?

Die EÜR muss dem Finanz­amt auf einem amt­lich vor­ge­schrie­be­nen Vor­druck elek­tro­nisch über­mit­telt wer­den. Fal­len die Ein­nah­men unter die Gren­ze von 17.500 Euro, so kann man die EÜR nach einem belie­bi­gen Sche­ma glie­dern und das Aus­fül­len der Anla­ge EÜR bei der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung entfällt.

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um lie­fert eine Anlei­tung, die beim Aus­fül­len der Anla­ge EÜR hel­fen soll. Hier kön­nen Sie die Anla­ge EÜR, die Anla­ge AVEÜR und die Anla­ge SZE mit der Anlei­tung zum Vor­druck der Anla­ge EÜR für 2014 anschauen. 

Was sind Zufluss- und Abfluss­prin­zip der EÜR?

Bei der Ermitt­lung des Gewinns mit der EÜR gilt das Zufluss- und Abfluss­prin­zip nach § 11 EStG. Dies bedeu­tet, es wer­den nur Ein­nah­men berück­sich­tigt, die in dem Wirt­schafts­jahr zuge­flos­sen sind und Aus­ga­ben nur berück­sich­tigt die in dem Wirt­schafts­jahr gezahlt wurden.

Die Ein­nah­men gel­ten als zuge­flos­sen, wenn Sie die wirt­schaft­li­che Ver­fü­gungs­macht dar­über erlan­gen. Uner­heb­lich ist die Fäl­lig­keit einer Zah­lung oder der Zeit­raum in der die Leis­tung erbracht wur­de. Es zählt also die Kon­to­be­we­gung und nicht der Zeit­punkt der Rechnungsstellung.

Aus­ga­ben sind in dem Zeit­punkt geleis­tet, wenn Sie die wirt­schaft­li­che Ver­fü­gungs­macht ver­lo­ren haben. Das ist regel­mäs­sig der Fall, wenn die Zah­lung von Ihrem Kon­to abge­bucht wur­de. Der Erhalt einer Rech­nung allein reicht noch nicht aus: Schließ­lich kön­nen Sie sich ja noch ent­schei­den, nicht zu zahlen.

Was ist die 10-Tage-Regel?

Eine Aus­nah­me stel­len die regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ein­nah­me oder Aus­ga­ben dar.
Regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Ein­nah­men oder Aus­ga­ben, die kur­ze Zeit – näm­lich inner­halb von 10 Tagen – vor oder nach dem Jahr der wirt­schaft­li­chen Zuge­hö­rig­keit gezahlt wer­den, sind im Jahr der wirt­schaft­li­chen Zuge­hö­rig­keit zu erfas­sen. Regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Ein­nah­men oder Aus­ga­ben sind unter ande­rem Mie­te, Umsatz­steu­er­zah­lun­gen bzw. –erstat­tun­gen und Löh­ne an Mitarbeiter.

Ein Bei­spiel für die Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung (EÜR) 10-Tage-Regel:

Die Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung für den Monat Novem­ber 2014 (mit Frist­ver­län­ge­rung) wird am 10.01.2015 vom Finanz­amt abge­bucht. Die­se Zah­lung fällt in die 10-Tage-Regel und ist somit im Jahr 2014 als Betriebs­aus­ga­be zu erfassen.

Wie ist das mit dem Betriebs­ver­mö­gen ber der EÜR?

Grö­ße­re Anschaf­fun­gen für den Betrieb, sei­en es Möbel, Lap­top oder auch ein PKW, kön­nen nicht direkt als Aus­ga­ben ver­rech­net wer­den. Sie wer­den zu Betriebs­ver­mö­gen, dass in einer extra Anla­ge zur EÜR auf­ge­lis­tet wird und für das ande­re Regeln zur steu­er­li­chen Absetz­bar­keit gel­ten. Die­se ange­schaff­ten Din­ge wer­den nicht auf der Aus­ga­ben­sei­te der EÜR gelis­tet son­dern in der Anla­ge AVEÜR (sie­he wei­ter unten) aufgeführt.

Der Gesetz­ge­ber nennt sol­che Wirt­schafts­gü­ter sol­che mit „län­ge­rer Nut­zungs­dau­er“. Typisch sind tat­säch­lich Lap­tops, Möbel und PKW, es gibt aber noch eine gan­ze Rei­he ande­rer. Für jedes davon gilt eine vor­ge­ge­be­ne Nut­zungs­dau­er, die auch den Zeit­raum der Abschrei­bung bestimmt. Wie lang die genau ist, erfährt man in der Abschrei­bungs­ta­bel­le. Die­se Afa-Tabel­len gibt es übri­gens nach Bran­chen sor­tiert und kön­nen auf der Inter­net­sei­te des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ein­ge­se­hen wer­den. Hier der Link.

Nicht betrof­fen sind gering­wer­ti­ge Wirt­schafts­gü­ter, das sind sol­che bis 150 Euro. So sind die Regel:

  • Anschaf­fungs­kos­ten bis 150 Euro net­to kön­nen sofort abge­schrie­ben werden
  • Anschaf­fungs­kos­ten von 150,01 bis 1000 Euro net­to wer­den über die Pool-Abschrei­bung auf 5 Jah­re verteilt
  • Anschaf­fungs­kos­ten über 1000 Euro net­to müs­sen nach der Afa-Tabel­le abge­schrie­ben werden

Not­wen­di­ges oder gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen – Was ist das?

Unter­schie­den wird not­wen­di­ges und „gewill­kür­tes“ Betriebs­ver­mö­gen. Let­ze­res betrifft Wirt­schafts­gü­ter, die kein not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen sind aber doch einen objek­ti­ver Zusam­men­hang zu dem Betrieb haben.

Not­wen­dig ist, wenn das Wirt­schafts­gut nicht mehr als 50 Pro­zent aber auch nicht weni­ger als 10 Pro­zent betrieb­lich genutzt wird.

Grün­der­rat Vor­sicht bei PKW-Nutzung

Nut­zen Sie den PKW zu 40 Pro­zent betrieb­lich, liegt gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen vor. Es ist aber zu beach­ten, dass hier dann die 1 Pro­zent-Metho­de für die Pri­vat­nut­zung ent­fällt. Für die 1 Pro­zent-Metho­de ist Vor­aus­set­zung, dass der PKW zu mehr als 50 Pro­zent beruf­lich genutzt wird. Der Pri­vat­an­teil wird dann vom Finanz­amt geschätzt und die­se Schät­zung liegt dann auf jeden Fall über 50 Prozent.

Anla­ge AVEÜR (Anla­ge­ver­zeich­nis zur Anla­ge EÜR)

In die­ser Anla­ge wer­den die Anla­ge­gü­ter, die sich im Betriebs­ver­mö­gen befin­den, erfasst.
Die Anla­ge­gü­ter wer­den in unter­schied­li­che Grup­pen unter­teilt, die in die­ser Anla­ge auf­ge­führt sind.

In der Spal­te „Anschaf­fungs-/Her­stel­lungs­kos­ten/Ein­la­ge­wert“ ist der his­to­ri­sche Wert des Anla­ge­gu­tes zu erfassen.

In der nächs­ten Spal­te wird der „Buch­wert zu Beginn des Gewinn­ermitt­lungs­zeit­rau­mes“ ein­ge­tra­gen. Die­ser Wert ergibt sich durch den his­to­ri­schen Wert der Anschaf­fungs­kos­ten abzüg­lich der AfA, die bis zu die­sem Zeit­punkt bereits ange­fal­len ist.

In der Spal­te „Zugän­ge“ wer­den die Anschaf­fun­gen, die in dem aktu­el­len Wirt­schafts­jahr vor­ge­nom­men wur­den, auf­ge­führt mit ihren Anschaffungskosten.

In den fol­gen­den zwei Spal­ten wer­den die AfA Beträ­ge ange­setzt, die für das Anla­ge­gut anfallen.

Schei­det ein Anla­ge­gut aus dem Betriebs­ver­mö­gen aus, so ist der Net­to­er­lös in die­ser Spal­te „Abgän­ge“ zu erfassen.

In der letz­ten Spal­te wird der „Buch­wert am Ende des Gewinn­ermitt­lungs­zeit­rau­mes“ ein­ge­tra­gen. Die­ser Wert ergibt sich aus dem „Buch­wert zum Anfang des Gewinn­ermitt­lungs­zeit­raums“ abzüg­lich der AfA und der Son­der­ab­schrei­bung für das Wirtschaftsjahr.

Aus der Anla­ge erge­ben sich als zwei wich­ti­ge Wer­te: Die Abschrei­bungs­sum­me für die aktu­el­le EÜR – die muss also auch in dem EÜR-For­mu­lar ein­ge­tra­gen wer­den. Und die Abschrei­bung, die im fol­gen­den Jahr für das Betriebs­ver­mö­gen ansteht.

Son­der­fall: Anla­ge SZE (Ermitt­lung der nicht abzieh­ba­ren Schuld­zin­sen bei Einzelunternehmen)

Eigent­lich sind Schuld­zin­sen auf der Aus­ga­ben­sei­te der EÜR zu benen­nen und kön­nen also gegen­ge­rech­net wer­den. Doch hier gibt es eine Beson­der­heit: Sind die Pri­vat­ent­nah­men aus dem Betrieb höher als die Ein­künf­te, dann dür­fen die dadurch ent­ste­hen­den Schuld­zin­sen nicht gel­tend gemacht werden.

Die Anla­ge SZE ist bei Ein­zel­un­ter­neh­men zu über­mit­teln, bei denen die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen den Betrag von 2.050 EUR über­stei­gen. Aus­ge­nom­men sind die Schuld­zin­sen, die für Dar­le­hen zur Finan­zie­rung von Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten von Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens auf­ge­nom­men werden.

Alter­na­ti­ve zur EÜR – Gewinn­ermitt­lung durch Bilanzierung

Soweit die noch recht ein­fa­che Erklä­rung des Betriebs­er­geb­nis­ses durch eine Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung. Doch Unter­neh­men mit einem Umsatz von über 500.000 Euro oder mehr als 50.000 Euro Gewinn dür­fen sich nicht mit einer Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung erklä­ren, sie müs­sen bilan­zie­ren. Auch als klei­ne­res Unter­neh­men oder Frei­be­ruf­ler kann man die­se Art der Gewinn­ermitt­lung wäh­len. Wann die frei­wil­li­ge Bilan­zie­rung sinn­voll ist und wie dies geht, lesen Sie in einem fol­gen­den Arti­kel zur Gewinn­ermitt­lung durch Bilanzierung.

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