Mahn­ver­fah­ren und Mahn­be­scheids­ver­fah­ren: Ablauf, Kos­ten, Fris­ten und wie ihr das macht

Als Unter­neh­mer begeg­net man rela­tiv rasch der Spe­zi­es des säu­mi­gen Zah­lers und auch der Unter­art „Gar­nicht­zah­ler“ zu tun. Das ein­zi­ge, was gegen die­se Pla­ge hilft, ist ein gutes For­de­rungs­ma­nage­ment und Mahn­we­sen. Wie das über­haupt geht, wann man Beträ­ge anmah­nen kann und wel­che recht­li­chen Grund­la­gen dafür not­wen­dig sind, erklä­ren wir aus­führ­lich in unse­rem Beitrag.

4.33/5 (6)

Als Unter­neh­mer begeg­net man rela­tiv rasch der Spe­zi­es des säu­mi­gen Zah­lers und auch der Unter­art „Gar­nicht­zah­ler“ zu tun. Das ein­zi­ge, was gegen die­se Pla­ge hilft, ist ein gutes For­de­rungs­ma­nage­ment und Mahn­we­sen. Wie das über­haupt geht, wann man Beträ­ge anmah­nen kann und wel­che recht­li­chen Grund­la­gen dafür not­wen­dig sind, erklä­ren wir aus­führ­lich in unse­rem Beitrag.

Was ihr braucht: Ein gutes Forderungsmanagement

Vie­le Start­ups vewen­den häu­fig nicht aus­rei­chend Zeit, um ein gut funk­tio­nie­ren­des For­de­rungs­ma­nage­ment im Unter­neh­men zu orga­ni­sie­ren und sich Gedan­ken über die Gestal­tung des Mahn­we­sens im Unter­neh­men zu machen. Sie hof­fen lie­ber, dass alle ihre Rech­nun­gen schon pünkt­lich bezah­len wer­den – immer­hin ist die Welt ja anstän­dig. Lei­der ist das etwas blau­äu­ig. Über­dies kön­nen Zah­lungs­aus­fäl­le gera­de am Anfang einer Unter­neh­mens­tä­tig­keit fata­le Fol­gen haben. Manch­mal sogar leta­le. Das For­de­rungs­ma­nage­ment ist also über­aus wichtig.

Dazu gehört eine sau­be­re Buch­hal­tung, rechts­kräf­ti­ge Rech­nun­gen und einen tages­ak­tu­el­ler Über­blick über eure Ausstände.

Lese­tipp: Wie ein Online-Buch­hal­tungs­pro­gramm euch dabei hel­fen kann, könnt ihr in unse­rem Fach­ar­ti­kel Buch­füh­rung mit Online-Tools: Ver­gleich guter Buch­hal­tungs­pro­gram­me in der Cloud lesen.

Die Arten von Mahn­ver­fah­ren und wie sie euch nützen

Die Zah­lungs­er­in­ne­rung – der Anfang aller Dinge

Zual­ler­erst steht ein­mal die Zah­lungs­er­in­ne­rung im Raum. Mit einer gut gemach­ten Zah­lungs­er­in­ne­rung kann man häu­fig schon wei­te­re Schrit­te ver­mei­den. Wenn es gelingt, den säu­mi­gen Zah­ler zur Zah­lung der aus­ste­hen­den Rech­nung zu bewe­gen, hat man sich viel Auf­wand gespart. Da die Zah­lungs­er­in­ne­rung daher schon ein­mal eine Schlüs­sel­rol­le im gesam­ten Mahn­we­sen spielt, haben wir ihr einen sepa­ra­ten Bei­trag gewid­met: Zah­lungs­er­in­ne­rung – so geht’s: Ablauf, Mus­ter, For­mu­lie­run­gen.

Nach der Zah­lungs­er­in­ne­rung wer­den in der Pra­xis heu­te übli­cher­wei­se noch zwei wei­te­re Mah­nun­gen dem säu­mi­gen Zah­ler schrift­lich zugestellt.

Inkas­so­bü­ros – die har­te Nummer

Inkas­so­bü­ros sind Dienst­leis­ter, die ent­we­der in eurem Namen For­de­run­gen ein­zie­hen (oder ein­zu­zie­hen ver­su­chen), oder auch For­de­run­gen auf­kau­fen, um sie dann im eige­nen Namen (mit eini­gen Auf­schlä­gen) gel­tend zu machen. Inkas­so­un­ter­neh­men müs­sen bei den zustän­di­gen Behör­den regis­triert sein. Damit sie tätig wer­den kön­nen, braucht es ent­we­der eine Bevoll­mäch­ti­gung nach § 167 BGB oder einen soge­nann­ten Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trag mit dem Inkas­so­un­ter­neh­men (der ist nach § 675 BGB zuläs­sig). Die kom­plet­te Über­nah­me der For­de­rung heißt recht­lich kor­rekt auch „Zes­si­on“.

Für den kom­plet­ten Auf­kauf von ein­zel­nen oder gleich meh­re­ren For­de­run­gen gel­ten die gewöhn­li­chen recht­li­chen Bestim­mun­gen in Bezug auf Kauf­ver­trä­ge (etwa § 453 BGB)

Beim soge­nann­ten Fac­to­ring wer­den fäl­li­ge oder über­fäl­li­ge For­de­run­gen auto­ma­tisch an einen Dienst­leis­ter aus­ge­la­gert. Hier gibt es zahl­rei­che ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten und Kon­struk­tio­nen. Ins­ge­samt führt ein Fac­to­ring aber immer zu einer bes­se­ren Risi­ko­ab­si­che­rung (For­de­rungs­aus­fäl­le) und all­ge­mein zu einer bes­se­ren Liqui­di­täts­la­ge beim Unter­neh­men. Das kann also durch­aus auch eine Stra­te­gie sein.

Das Mahn­be­scheids­ver­fah­ren – der Ablauf: Mahn­ver­fah­ren und Gerichtsklage

Offe­ne For­de­run­gen kann man auch gericht­lich ein­kla­gen. Hier­für wird ein soge­nann­ter Mahn­be­scheid bean­tragt, der – wenn der Schuld­ner kei­nen Ein­spruch ein­legt – dann auch voll­streck­bar wird. Dafür muss kei­ne Kla­ge erho­ben wer­den, die Geld­for­de­rung kann auch ohne gericht­li­ches Urteil und ohne Gerichts­kla­ge erreicht wer­den. Es müs­sen kei­ne Beweis­mit­tel vor­ge­legt wer­den und beim Mahn­be­scheid wird die Recht­mä­ßig­keit der For­de­rung nicht geprüft. Das auto­ma­ti­sier­te Ver­fah­ren soll es gera­de Unter­neh­men leich­ter machen, an ihr Geld zu kom­men. Durch­ge­führt wer­den sol­che Ver­fah­ren immer über das Zen­tra­le Mahn­ge­richt. Hier fin­det ihr die Lis­te aller die­ser Gerich­te.

Mitt­ler­wei­le kann man Mahn­ver­fah­ren auch kom­plett online durch­füh­ren – in der Pra­xis hat sich das bewährt. Für ein Mahn­ver­fah­ren braucht man auch kei­nen Anwalt, man kann das als Unter­neh­mer kom­plett selbst erle­di­gen. Hier geht das Mahn­ver­fah­ren online.

Bei strit­ti­gen Ansprü­chen (etwa weil sich der säu­mi­ge Zah­ler auf eine Nicht­er­brin­gung der Leis­tung beruft) ist es dage­gen bes­ser, tat­säch­lich einen Zivil­pro­zess anzu­stren­gen, um die Sach­la­ge ein für alle­mal zu klä­ren und die Recht­mä­ßig­keit der For­de­rung gericht­lich bestä­ti­gen zu lassen.

Am Ende die­ser Ver­fah­rens steht dann der Voll­stre­ckungs­ti­tel (nach § 794 ZPO). Eine fäl­li­ge For­de­rung kann dann voll­streckt werden.

Mahn­kos­ten – So hoch dür­fen und sol­len Mahn­ge­büh­ren sein

Ein mah­nen­des Unter­neh­men darf in sei­nem Mahn­lauf pau­scha­le Mahn­ge­büh­ren erhe­ben, um die eige­nen Kos­ten zu decken. Auch ein soge­nann­ter Ver­zugs­scha­den darf berück­sich­tigt wer­den. Die Mahn­ge­büh­ren dür­fen jedoch ein tat­säch­lich ange­mes­se­nes Maß nicht über­schrei­ten. (Viel­fach wur­den von Gerich­ten sogar schon Mahn­kos­ten­pau­scha­len von 5 Euro als unan­ge­mes­sen ange­se­hen, da der rea­le Kos­ten­auf­wand als nied­ri­ger berech­net wur­de). Als rea­lis­tisch ange­se­hen wer­den von den meis­ten Ober­lan­des­ge­rich­ten Beträ­ge von 1,50 bis 2,50 Euro.

Bei Geschäf­ten mit ande­ren Kauf­leu­ten darf man immer Ver­zugs­zin­sen berech­nen, auch ohne Mah­nung (§ 353 HGB).

Die Kos­ten für die Über­ga­be an ein Inkas­so­bü­ro hän­gen von den jewei­li­gen geschlos­se­nen Ver­trä­gen mit dem Inkas­so­dienst­leis­ter oder mit des­sen Gebüh­ren­sät­zen zusam­men. Das muss man im Ein­zel­fall herausfinden.

Wird ein gericht­li­cher Mahn­be­scheid erwirkt, gel­ten bestimm­te Gebüh­ren­sät­ze je nach Höhe der For­de­rung. Maß der Din­ge ist hier die soge­nann­te „hal­be Gerichts­ge­bühr“. Bei Beträ­gen bis zu 1.000 Euro sind das bei­spiels­wei­se 32,00 Euro, bei Beträ­gen bis 2.000 Euro zum Bei­spiel 44,50. Die Gerichts­kos­ten müs­sen immer bezahlt wer­den, auch wenn der Antrag spä­ter zurück­ge­nom­men wird. Bevor die Kos­ten nicht ein­ge­zahlt sind, wird in der Regel auch kein Mahn­be­scheid erlassen.

Der Rechts­an­walt, der einen Mahn­be­scheid bean­tragt, bekommt für sei­ne Leis­tung eben­falls fes­te Gebüh­ren (1,0 Ver­fah­rens­ge­bühr nach 3305 VV RVG). Am Ende wer­den alle die­se Kos­ten natür­lich der For­de­rung auf­ge­schla­gen und sind vom Schuld­ner zu bezahlen.

Zah­lungs­ver­zug – ab wann ist man im Zahlungsverzug

Damit eine For­de­rung über­haupt wirk­sam ist, muss der Schuld­ner im Zah­lungs­ver­zug sein. Nach spä­tes­tens 30 Tagen ab Zugang der Rech­nung ist ein Kun­de auto­ma­tisch im Zah­lungs­ver­zug – so § 286 BGB. Ihr müsst ihn dafür gar nicht gemahnt haben.

In der Regel gilt eine nach­weis­li­che Zustel­lung der Mah­nung (Ein­wurf-Ein­schrei­ben) aber als noch bes­se­rer (Anscheins­be­weis) für den Zah­lungs­ver­zug des Schuld­ners. Zwin­gend nötig ist er aber nicht, im Grun­de ist auch nicht mehr als eine Mah­nung nötig.

Lese­tipp: Wie ihr rich­tig eine Mah­nung schreibt, inklu­si­ve Vor­la­ge, lest ihr in unse­rem Fach­ar­ti­kel Basics: Mah­nung schrei­ben – So kommst du an dein Geld.

Ver­jäh­rung – wann ver­jäh­ren Zahlungsforderungen?

Eine Ver­jäh­rung ver­hin­dert, dass man einen Anspruch noch durch­set­zen kann. Nach den neu­en Bestim­mun­gen beträgt die Ver­jäh­rungs­frist für For­de­run­gen nun­mehr drei Jah­re, erkennt der Schuld­ner de fac­to die For­de­rung an (etwa in dem er um Raten­zah­lung oder Zah­lungs­auf­schub bit­tet), beginnt die Ver­jäh­rungs­frist wie­der neu zu laufen.

Grund­sätz­lich wichtig

Bei säu­mi­gen Zah­lern soll­tet ihr immer schnell und mög­lichst gezielt vor­ge­hen. Kommt so etwas häu­fi­ger vor, kann man sich auch durch­aus über Fac­to­ring Gedan­ken machen. Wich­tig ist bei all dem aber immer, dass man das For­de­rungs­ma­nage­ment im Unter­neh­men gut orga­ni­siert hat, und die Abläu­fe mög­lichst rei­bungs­los und auto­ma­ti­siert inein­an­der greifen.

Bit­te bewer­te die­sen Artikel:

Das könnte dir auch gefallen Mehr vom Autor

Kommentare

X