Selbstständig machen als Gedächtnistrainer: Tipps und Tricks für den Freiberufler

Nicht nur 10 Prozent sondern viel mehr seines Hirnes nutzen: Das wünsche sich viele. Der Gedächtnistrainer kann dabei helfen. Doch wie wird man zu so einem wertvollen Helfer? Über den Weg in die Selbstständigkeit…

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Vergesslichkeit kann lästig sein. Nicht nur ältere Menschen sind betroffen. Auch jüngere Männer und Frauen leiden zunehmend darunter, sich Dinge nicht merken zu können. Wer etwas für die persönliche Hirnleistung und Merkfähigkeit tun möchte, kann sich an Gedächtnistrainer wenden. Künftigen Selbständigen in diesem Bereich eröffnet sich eine recht breite Zielgruppe. Dennoch muss vorab einiges berücksichtigt werden.

Schritt 1: Von der Idee zur Planung | Ausbildung & Praxis

Der Beruf des Gedächtnistrainers gilt in Deutschland derzeit als nicht geschützt. Theoretisch kann sich also jede interessierte Person in dieser Branche selbständig machen und ihre Dienste anbieten. Das ist jedoch nicht empfehlenswert, denn Kunden werden immer anspruchsvoller und wollen ihr Geld gut investiert wissen. Ein Trainer mit fundierter Ausbildung wird folglich mehr Vertrauen genießen als all jene, die sich ganz ohne Grundlage auf dem Markt tummeln.

Ausbildung zum ganzheitlichen Gedächtnistrainer

Die Ausbildung zum „ganzheitlichen Gedächtnistrainer“ erfolgt für gewöhnlich im Rahmen eines dreiteiligen Programms.

  • Im Basismodul lernen Teilnehmer laut Bundesverband Gedächtnistraining e.V. alle Grundlagen rund um Lerntypen, Memotechniken, Zielgruppen und Praxis.
  • Das erste Aufbaumodul befasst sich anschließend mit weiteren Aspekten des Lernens und der Anleitung von Gruppen.
  • Im dritten und letzten Modul dann geht es beispielsweise um Öffentlichkeitsarbeit, Gerontologie und Ernährung.

Wer sich als ganzheitlicher Gedächtnistrainer ausbilden lässt, erhält im Anschluss eine Lizenz mit begrenzter Gültigkeit. Diese lässt sich durch die Teilnahme an Zusatzmodulen und Fortbildungen verlängern. Es empfiehlt sich, solche Maßnahmen in Anspruch zu nehmen, um stets up-to-date zu bleiben und Klienten passende Leistungen bieten zu können.

Nicht nur der Bundesverband bietet solche Ausbildungen an. Informationen finden Interessierte auch unter kneippakademie.de.

Schritt 2: Businessplan und klares Profil

Wie bei jedem Business ist es auch für den angehenden Gedächtnistrainer wichtig, seinen Markt und seine Zielgruppe genau zu kennen … Wollt ihr in der Erwachsenenbildung unterwegs sein, wollt ihr eher Schulen und Institutionen unterstützen, bieten ihr eure Dienste Unternehmen an oder Einzelpersonen? Seid ihr eher die Speaker-Typen für Konferenzen? Das alles solltet ihr euch überlegt haben, solltet bei zukünftigen Kollegen geschaut haben, wie das Business laufen kann … und bei euch laufen soll.

Keine gute Gründung kommt ohne einen irgendwie formulierten Businessplan aus. Das ist auch bei einem professionellen Blogger so. Natürlich könnt ihr einfach erstmal anfangen, euch eine Seite aufbauen, Inhalte überlegen und posten. Doch wie jedes Startup kommt ihr auch als freiberuflicher Bloger irgendwann an den Punkt, euch über die klassischen Fragen einer Gründung Gedanken machen zu müssen:

Vorplanungen und Überlegungen für den Businessplan

Schritt 3: Praktische Schritte und Finanzen

Freiberufler – Ohne Gewerbeanmeldung

Gedächtnistrainer ist sozusagen ein Katalogberuf für Freiberuflichkeit – als „Katalogähnlicher freier Berufe“ wird Trainer geführt. Der Vorteil der Freiberuflichkeit: Ihr könnt eine vereinfachte Buchhaltung nutzen und ihr seid nicht zu einer Gewerbeanmeldung verpflichtet, es fällt also auch keine Gewerbesteuer an.

Rechtsform & Freiberufler – Mit Gewerbeanmeldung

Gründet ihr aber ein Unternehmen mit einer Rechtsform (UG haftungsbeschränkt, GmbH, Partnerschaftsgesellschaft, Aktiengesellschaft, GbR usw), kommt ihr an einer Gewerbeanmeldung nicht vorbei. Das kann auch für Freiberufler gelten, und zwar dann, wenn ihr eigene Produkte verkaufen wollt.

Geld verdienen als Gedächtnistrainer

Was ein Gedächtnistrainer verdient, kann pauschal nicht gesagt werden. Grundsätzlich gilt, dass Einsteiger in der ersten Zeit mit geringeren Verdiensten rechnen müssen als langjährig erfahrene Trainer. Um sich einen Namen zu machen, müssen sie zunächst günstigere Kurse an Volkshochschulen oder in Mehrgenerationenhäusern anbieten, aus denen sich im Laufe der Zeit weitere Kooperationen ergeben. Ein Studium oder eine fachliche Ausbildung als Basis kann den Prozess beschleunigen.

Wer beispielsweise als Gedächtnistrainer in Unternehmen arbeitet, kann mitunter hohe Tagessätze verlangen, die sich durchaus im vierstelligen Bereich bewegen.

An Volkshochschulen oder im kleineren Kreis ist der Stundensatz erheblich niedriger. Daher lohnt es sich, nicht abhängig von solchen Institutionen zu werden, sondern in eine solide Selbständigkeit mit eigenem Angebot zu investieren.

Was das Abrechnen mit der Krankenkasse betrifft, haben es Gedächtnistrainer nicht leicht. Lediglich dann, wenn eine medizinische Indikation vorliegt und der Trainer beispielsweise ausgebildeter Ergotherapeut ist, zahlt die Kasse laut wegweiser-demenz.de für eine vorab festgelegte Anzahl Einheiten.

Schritt 4: Vorschriften, Genehmigungen und Absicherungen

Die richtige Unternehmensformen für Gedächtnistrainer

Eine ganz wichtige Frage, die sich jeder Selbstständige zu Beginn des Startups stellt, ist, welche Unternehmensform sich am besten eignet. Das trifft auch Freiberufler und sollte eng an den Unternehmensplan geknüpft sein. Habt ihr etwa vor, Produkte wie Bücher, DVDs oder ähnliches zu produzieren und zu verkaufen – dann ist das ein anderer Businesscase als wenn ihr als Gedächtnistrainer auf Events unterwegs seid.

Unternehmer in Teilzeit: Gründen im Nebengewerbe

Wer auf Nummer sicher gehen will, behält zuerst seinen festen Job und meldet seine freiberufliche Gedächtnistrainer-Tätigkeit als Klein- oder Nebengewerbe an. So könnt ihr prüfen, ob in eurem Thema Potenzial steckt, ob ihr es schafft, Interesse zu wecken und auch mit Ausdauer zu publizieren.

Schritt 5: Marketing & Reichweite

Netzwerken ist für alle Selbständigen wichtig. Daher sollten sich auch Gedächtnistrainer untereinander verknüpfen. Das ist sinnvoll, denn so ergibt sich ein mehrwerthaltiger Austausch rund um das Berufsbild und es können sich mögliche Synergien zeigen. Nicht selten arbeiten Gedächtnistrainer zusammen und empfehlen sich untereinander, wenn ihr Terminkalender die Aufnahme neuer Klienten unmöglich macht.

Der Bundesverband Gedächtnistraining e.V.

Eine gute Möglichkeit zur Vernetzung bietet der Bundesverband Gedächtnistraining e.V. (BVGT) Er geht auf die Wienerin Franziska Stengel zurück, die sich als Gerontologin bereits Ende des 20. Jahrhunderts mit kognitiver Leistungsfähigkeit befasste. 1987 dann wurde der Verband gegründet, der 2016 über rund 4.000 Mitglieder verfügte.

Eine Mitgliedschaft empfiehlt sich, da Gedächtnistrainer hierdurch ein Zertifikat erhalten, das als zusätzliche Referenz dienen kann. Die aktive Mitgliedschaft kostet derzeit rund sechzig Euro pro Jahr.

Tipps für Einstieg und Entwicklung: Tagungen und Seminare

Der Weg in die Selbständigkeit beginnt für Gedächtnistrainer damit, sich Bekanntheit zu verschaffen und die gewünschte Zielgruppe zu erschließen. Marketing mit Hilfe von

  • Flyern,
  • einer soliden Webseite,
  • Social Media Präsenz
  • und auch Werbung in regionalen Printmedien

kann dabei helfen. Sobald das Interesse der Zielgruppe geweckt wurde, können erste Seminare und Kurse geplant werden.

So könnten beispielsweise Seminare organisiert werden, die gezielt auf das Gedächtnistraining für Führungskräfte ausgerichtet sind und das freie Präsentieren sowie die Menschenkenntnis schulen sollen. Aber auch beispielsweise ein Gedächtnistraining zum Merken von Namen kommt sicherlich gut an, zum Beispiel bei Kursteilnehmern, die viel Kundenkontakt haben.

Zudem könnte man beispielsweise ein Seminar zum Einsatz von Gedächtnistechniken in Marketing und Vertrieb organisieren. Aber auch Coachings im weitesten Sinne sind immer gefragt, zum Beispiel, wenn es darum geht, insgesamt mehr Wirksamkeit zu erzielen, wichtige Kernaussagen für Verhandlungen zu erlernen oder sich im Alltag besser zu organisieren und Termine und Tagespläne im Kopf zu behalten.

Die Inhalte müssen sich Gedächtnistrainer natürlich erst einmal erarbeiten und überlegen, wie sie diese in ihren Tagungen und Seminaren am besten an die Kursteilnehmer weitervermitteln.

Im Anschluss geht es um die Auswahl eines Ortes für die Veranstaltung. Wo diese am besten stattfinden, müssen Trainer und Coaches individuell festlegen.

Anmieten von Seminar- und Konferenzräumen

Eine gute Idee ist das Anmieten von Seminar- und Konferenzräumen. So gibt es beispielsweise etliche Hotels, die entsprechende Konferenzräume zur Verfügung stellen. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit ist es natürlich sinnvoll, hierbei auf die Kosten zu achten. Solche Tagungsräume werden beispielsweise zu relativ günstigen Preisen von aohostels.com angeboten.

Der Vorteil solcher Räume liegt darin, dass sich Kursteilnehmer keine Gedanken um eine Übernachtungsmöglichkeit machen müssen. So sind auch zweitägige Seminare möglich. Zudem kann bei Tagungsräumen in Hotels auch das Catering mit vom jeweiligen Hotel übernommen werden, sodass für die Tagung immer Speisen und Getränke bereitstehen. Auch Projektoren und andere Arbeitsmittel stehen meistens zur Verfügung. Insgesamt ist dann meistens ein relativ günstiger Pauschalpreis möglich.

Coworking: Preiswerte Alternative für euer Seminar

Hier teilt sich der Coach ein großes, offenes Büro mit anderen Menschen. Der Vorteil beim Coworking ist es, dass der Büroraum, aber auch die Infrastruktur wie das Netzwerk, Drucker, Scanner und Telefon) für genau den benötigten Zeitraum angemietet und genutzt werden kann und die Kosten gegenüber einem Einzelbüro deutlich geringer sind, da sie auf die Community aufgeteilt werden.

In der Regel wird nur für den genutzten Schreibtischplatz bezahlt. Für Leute, die mit ihrem neuen Business gerade erst durchstarten, ist das also eine kostengünstige und lohnenswerte Variante. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass diese Orte für Gedächtnistrainer und andere Coaches oft zu überfüllt sind, um Seminare oder Tagungen abzuhalten oder Gespräche zu führen.

Mobiles Arbeiten

Zusätzlich lohnt es sich, als Gedächtnistrainer mobil zu arbeiten. In verschiedenen Einrichtungen und Unternehmen kann der Dienstleister dann vor Ort tätig werden und Besprechungsräume des jeweiligen Unternehmens nutzen. Kosten für Raummiete und Co. entfallen, da die Kunden in diesem Fall selbst für die Bereitstellung einer Räumlichkeit sorgen.

Letztlich ist es wohl der Mix aus einer stationären und einer mobilen Tätigkeit, der Gedächtnistrainern möglichst hohe Verdienste, breite Zielgruppen und eine gesteigerte Aufmerksamkeit verschafft. Das gilt besonders für Trainer, die in ländlichen Gebieten arbeiten und entsprechend wenige Kunden vor Ort gewinnen können.

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