Selbstständig machen als NageldesignerIn: Der Weg zum eigenen Nagelstudio

Dein eigenes Nagelstudio eröffnen – eine zukunftssichere Investition für alle, die eine Passion für diesen Bereich besitzen und den direkten Kontakt zu Menschen lieben. Wie ihr euch mit einem Nagelstudio selbstständig macht, welche Genehmigungen, Versicherungen und Zertifikate ihr dafür braucht, und die Kosten dafür erfahrt ihr hier.

5/5 (1)

Maniküre und Pediküre sind natürlich nichts Neues. Doch in den letzten beiden Jahrzehnten hat die Bedeutung perfekt gepflegter Fingernägel enorm an Bedeutung gewonnen. Den Anfang machte in den 90er-Jahren die sogenannte French Manicure mit ihren auffälligen weißen Nagelrändern. Anschließend folgte auffällige Nail Art mit buntem Glitzer, aufgesetzten Ziersteinchen und ungewöhnlichen grafischen Mustern. Zuletzt wurden Nageldesigns wieder unauffälliger: Schlichte Töne wie Nude und zarte Pastellfarben dominierten.

Die Nageldesignerin wurde zu einer ähnlichen Vertrauensperson wie die eigene Friseurin und die gemeinsame Mani/Pedi eine beliebte Aktivität für Freundinnen.

Wie du dich mit deinen Traum vom eigenen Nagelstudio selbstständig machst zeigen wir dir hier: von Ausbildung, bis Förderungen, Genehmigungen, Kosten & Preiskalkulation, woher du Kapital bekommen kannst du was du nicht vergessen darfst –  und natürlich das Marketing zum Start. Los geht´s!

Boom bei Nagelstudios: Gründung lohnt sich

Eine gute Ausgangslage für die Gründung eines Nagelstudios: Die permanent steigende Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen löste einen regelrechten Boom an Nagelstudios aus. Ihre Zahl wird deutschlandweit auf 60.000 geschätzt und die Branche setzt 2021 Vorhersagen zufolge rund 366 Millionen Euro um. Laut Prognosen sollen es bis 2025 sogar 427 Millionen Euro sein. Ein eigenes Nagelstudio hat also gute Chancen, sich zur Goldmine zu entwickeln.

Schritt 1: NageldesignerIn werden – die Ausbildung

NageldesignerIn oder NagelstylistIn ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf. Die Fähigkeiten werden im Rahmen einer Weiterbildung erworben. Ideal ist eine vorausgegangene Ausbildung als Kosmetikerin oder Friseurin. Als Kosmetikerin könnt ihr eure Kundinnen obendrein weitere Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel frisch gezupfte Augenbrauen zur Maniküre oder eine umfassende Fußpflege zur Pediküre.

Weiterbildung zur NageldesignerIn mit Bildungsprämie finanzieren

Nach der abgeschlossenen Lehre könnt ihr eine Weiterbildung als Nageldesignerin an einer der vielen Privatschulen in Deutschland absolvieren. Wichtig dabei: Die Schule muss vom Bildungsministerium als Bildungsträger anerkannt werden. In diesem Fall könnt ihr nämlich auch die Bildungsprämie in Anspruch nehmen, mit der der Staat die berufliche Weiterbildung fördert. Bei der Fortbildung lernt ihr alles über die menschlichen Finger- und Zehennägel, Hautkrankheiten und die richtige Hygiene bei der Arbeit. Im praktischen Teil übt ihr den Umgang mit falschen Nägeln und probiert verschiedene Designmethoden aus. Nach erfolgreicher Prüfung erhaltet ihr ein entsprechendes Zertifikat von der Handwerkskammer in eurer Stadt.

Schritt 2: Finanzierung durch die Bank | Businessplan

Vermutlich werden eure privaten Rücklagen nicht reichen, um ein eigenes Nagelstudio zu eröffnen. Ihr müsst die Miete samt Kaution für die neuen Geschäftsräume vorstrecken können, die Einrichtung finanzieren und das Arbeitsmaterial einkaufen.

Um die Gründung des Nagelstudios finanziell gestemmt zu bekommen, gibt es verschiedene Finanzierungsarten und von staatlicher Seite verschiedene Förderungsmöglichkeiten. Einige hiervon sind:

  • Förderung durch die KfW-Bankengruppe
  • Zuschüsse zu Beratungskosten
  • Gründungszuschuss

Förderprogramme und finanzielle Hilfen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministerium für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

Dennoch wird in den meisten Fällen auch Eigenkapital sowohl ein Bankkredit notwendig sein. Gerade in der Anfangszeit der Gründung treten höhere Kosten auf und die Einnahmeseite durch Kunden muss erstmal anlaufen.

Um für die Eröffnung eines Nagelstudios einen Kredit von der Bank zu bekommen, benötigt ihr einen soliden Businessplan. Einige wichtige Punkte, die ihr bei der Gründung eines Nagelstudios beachten solltet:

  • Wie sieht die Konkurrenz aus? Habt ihr die Hauptstraße eures Wohnortes für euch alleine oder gibt es schon drei Nagelstudios? (Markt- und Konkurrenzanalyse)
  • Habt ihr bereits Stammkundinnen für die ersten schwierigen Wochen (z. B. von einer bisherigen Tätigkeit als Kosmetikerin oder aus dem Freundeskreis)?
  • Wisst ihr, welche Kosten für Möbel, Arbeitsgeräte und Arbeitsmittel auf euch zukommen?
  • Habt ihr Kosten für Werbung eingeplant und auf welchem Weg wollt ihr Werbung machen?
  • Kennt ihr die Preise am Markt, habt ihr eine gute Preisstruktur für eure Leistungen erarbeitet?
  • Wir hoch wird euer Umsatz in den ersten Monaten sein? Wie wird sich der Umsatz entwickeln? Wann deckt ihr eure Kosten, ab wann macht ihr Gewinn, und wie hoch wird der Gewinn sein?

Einen guten Businessplan schreiben, ist kein Hexenwerk – aber Arbeit. Unser Tipp: Nutzt dafür Businessplan-Tools, die euch sehr einfach durch die einzelnen Punkte führen, auch durch den Zahlenteil und die Umsatzkalkulation. Die besten kostenlosen Tools findet ihr hier: Top Businessplan-Tools (Liste 2021)

Alternative zum klassischen Bankkredit können Mini-Kredite sein – das sind Kleinkredite für Selbstständige, zum Beispiel um erste Werbeaktionen für euer Nagelstudio durchzuführen. Der bürokratische Aufwand ist geringer, teilweise werden Mini-Kredite auch ohne Eigenkapital oder Schufa-Abfrage vergeben. Beliebte Anbieter sind VexCash (schnell bis zu 1.000 Euro) oder Bon-Credit (bekannter Anbieter zu fairen Konditionen). Weitere Mini-Kredite haben wir hier in unserem Check „Mini-Kredit-Anbieter 2021/2022“ aufgeführt.

Schritt 3: Vorschriften, Genehmigungen und Absicherungen

Zur Eröffnung eines eigenen Nagelstudios braucht ihr einige Genehmigungen und solltet auch an wichtige Versicherungen denken.

Gewerbeanmeldung

Ihr müsst den Beginn eures Gewerbes bei der zuständigen Behörde anmelden (Gewerbeanmeldung). Mehr dazu und wie das funktioniert, erfahrt ihr in dem Fachartikel “Gewerbeanmeldung – so meldet man ein Gewerbe richtig an (inklusive Gewerbeanmeldung Formular)“.

Anmeldung der selbstständigen gewerblichen Tätigkeit beim Finanzamt

Gewerbetreibende bekommen von ihrem zuständigen Finanzamt, welches von der Gemeinde nach der Gewerbeanmeldung über die Gründung informiert wurde, einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (Betriebseröffnungsbogen) zugeschickt.

Pflicht zur Betriebshaftpflichtversicherung

Grundsätzlich musst ihr prüfen, ob euer Gründungsvorhaben eine Haftpflichtversicherung voraussetzt. Mehr dazu erfahrt ihr in diesem Fachartikel “Die Berufshaftpflicht- und Betriebshaftpflichtversicherung: Was das ist und wer sie braucht“.

Zusätzlich kommen verschiedene Versicherungen für euch infrage. Welche verpflichtend und welche als zusätzliche Ergänzung sinnvoll sind, muss im Einzelfall überprüft werden. Rechtsschutzversicherung, Berufshaftpflichtversicherung, Kranken- und Rentenversicherung sollten auf jeden Fall vorhanden sein. Welche Versicherungen alle nötig sind kann auch bei einer Gründerberatung erfragt werden.

Zudem ist zu empfehlen, auch später immer wieder zu schauen, ob sich der Versicherungsbedarf geändert hat und eine alte Versicherung überflüssig geworden ist oder eine neue nötig wird.

Rechtsform und eure Firma

Grundsätzlich habt ihr zwei verschiedenen Möglichkeiten: Ihr könnt eurem Salon einen schönen sprechenden Namen geben und die Organisation (also den Betrieb) anders nennen und müsst dann hier je nach Rechtsform die Regeln einhalten. Oder ihr bringt das beides zusammen, dann solltet ihr allerdings eine Rechtsform wählen, in der ihr auch frei in der Benennung eurer Firma seid. Ob GmbH, UG (haftungsbeschränkt), GbR, AG, OHG oder Limited – ihr solltet genau prüfen, welche Rechtsform sich für euer Unternehmen eignet.

Schritt 4: Dein eigenes Studio

Der Standort will sorgfältig ausgewählt sein. Ein Studio an der Hauptstraße wird teurer sein als in einer Nebenstraße, doch ihr profitiert von Laufkundschaft. Viele Passanten, die gerade unterwegs zum Supermarkt oder zum Arzt sind, kommen an eurem Schaufenster vorbei. Gestaltet es einladend mit Fotos von Nail Art und umfangreichen Farbpaletten. Stellt eine Kopie eures Zertifikates ins Schaufenster, um Vertrauen zu bilden. Tischaufsteller sind ebenfalls praktische Werbeträger. Ihr könnt einen Aufsteller mit eurer Preisliste ins Schaufenster stellen oder auf einen kleinen Tisch im Eingangsbereich zusammen mit Flyern präsentieren. Nutzt die Aufsteller, um kurzfristige Werbeaktionen bekannt zu machen, zum Beispiel 10 % Rabatt auf weihnachtliche Nail Art im Dezember oder 10 % Rabatt auf eine Pediküre zu Beginn der Sommersaison.

Die Inneneinrichtung eures Studios ist eure Visitenkarte. Hier dürft ihr nicht am falschen Ende sparen. Neben einem professionellen Arbeitsplatz benötigt ihr bequeme Sitzmöbel für wartende Kundinnen. Stellt eure riesige Auswahl an Nagellacken und Nail Art in gut ausgeleuchteten Regalen zur Schau. Attraktive Fotografien an den Wänden und Grünpflanzen sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.

Schritt 5: Werbung machen

Laufkundschaft alleine wird nicht reichen. Könnt ihr euch kein Studio mit Schaufenster zur Straße leisten, entfällt diese Option ohnehin. Über das Internet erreicht ihr heute die meisten Menschen. Lasst euch eine schöne Website gestalten, auf der Interessierte nicht nur Kontakt zu euch aufnehmen, sondern auch gleich online Termine buchen können. Tragt euer Nagelstudio unbedingt bei Google MyBusiness (früher Places) ein. Das ist kostenlos und ihr erscheint sofort bei Google, inkl. Link zur Webseite, Anrufoptionen und Eintrag auf der Map. Geht sogar ohne eigene Webseite! Hier gehts zu unserer Anleitung „Google MyBusiness Eintrag erstellen“.

Mit eigenen Social-Media-Seiten bei Instagram und Facebook erhöht ihr eure Reichweite enorm.  Außerdem erlauben euch diese Seiten, eine direkte spielerische Kommunikation mit euren Kundinnen, die zur Kundenbindung unverzichtbar ist. Weist sie auf Sonderaktionen und Specials hin, präsentiert Bilder eurer schönsten Nail Art und beantwortet Fragen, die online gestellt werden.

Denkt aber auch an analoge Werbeträger wie Flyer und Visitenkarten sind preisgünstig und bringen euch eurer Zielgruppe näher. Vielleicht könnt ihr vor der Tür zu eurem Nagelstudio eine Halterung anbringen, sodass auch vorbeigehende Passanten einen Flyer mitnehmen können. Ein Kundenstopper ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, Menschen auf euch und tagesaktuelle Angebote aufmerksam zu machen. Schaufensterbeklebung, Bonuskarten für Stammkunden oder  Autobeklebung (bei mobilen Services) sind weitere Möglichkeiten auf euer Nagelstudio aufmerksam zu machen.

Bitte bewerte diesen Artikel:

X
X