Selbstständig machen als Nageldesigerin: Der Weg zum eigenen Nagelstudio

Gepflegte Fingernägel sind heute eine Selbstverständlichkeit. Ein eigenes Nagelstudio ist eine zukunftssichere Investition für alle, die eine Passion für diesen Bereich besitzen und den direkten Kontakt zu Menschen lieben. Wie ihr euch mit einem Nagelstudio selbstständig macht, erfahrt ihr hier.

Maniküre und Pediküre sind natürlich nichts Neues. Doch in den letzten beiden Jahrzehnten hat die Bedeutung perfekt gepflegter Fingernägel enorm an Bedeutung gewonnen. Den Anfang machte in den 90er-Jahren die sogenannte French Manicure mit ihren auffälligen weißen Nagelrändern. Anschließend folgte auffällige Nail Art mit buntem Glitzer, aufgesetzten Ziersteinchen und ungewöhnlichen grafischen Mustern. Zuletzt wurden Nageldesigns wieder unauffälliger: Schlichte Töne wie Nude und zarte Pastellfarben dominierten.

Es waren jedoch nicht nur aufwendige Designs, die immer mehr Frauen in die Nagelstudios trieben. Viele fanden in künstlichen Nägeln endlich eine Alternative zu den eigenen brüchigen Nägeln, die sich einfach nicht zu sexy Krallen züchten ließen. Andere genossen wiederum die Gesellschaft. Die Nageldesignerin wurde zu einer ähnlichen Vertrauensperson wie die eigene Friseurin und die gemeinsame Mani/Pedi eine beliebte Aktivität für Freundinnen.

Boom bei Nagelstudios: Gründung lohnt sich

Die permanent steigende Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen löste einen regelrechten Boom an Nagelstudios aus. Ihre Zahl wird deutschlandweit auf 60.000 geschätzt und die Branche setzt 2021 Vorhersagen zufolge rund 366 Millionen Euro um. Laut Prognosen sollen es bis 2025 sogar 427 Millionen Euro sein. Ein eigenes Nagelstudio hat also gute Chancen, sich zur Goldmine zu entwickeln.

Schritt 1: Berufsweg zur Nageldesignerin

Nageldesignerin oder Nagelstylistin ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf. Die Fähigkeiten werden im Rahmen einer Weiterbildung erworben. Ideal ist eine vorausgegangene Ausbildung als Kosmetikerin oder Friseurin. Als Kosmetikerin könnt ihr eure Kundinnen obendrein weitere Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel frisch gezupfte Augenbrauen zur Maniküre oder eine umfassende Fußpflege zur Pediküre.

Weiterbildung zur Nageldesignerin mit Bildungsprämie finanzieren

Nach der abgeschlossenen Lehre könnt ihr eine Weiterbildung als Nageldesignerin an einer der vielen Privatschulen in Deutschland absolvieren. Wichtig dabei: Die Schule muss vom Bildungsministerium als Bildungsträger anerkannt werden. In diesem Fall könnt ihr nämlich auch die Bildungsprämie in Anspruch nehmen, mit der der Staat die berufliche Weiterbildung fördert. Bei der Fortbildung lernt ihr alles über die menschlichen Finger- und Zehennägel, Hautkrankheiten und die richtige Hygiene bei der Arbeit. Im praktischen Teil übt ihr den Umgang mit falschen Nägeln und probiert verschiedene Designmethoden aus. Nach erfolgreicher Prüfung erhaltet ihr ein entsprechendes Zertifikat von der Handwerkskammer in eurer Stadt.

Schritt 2: Finanzierung durch die Bank | Businessplan

Vermutlich werden eure privaten Rücklagen nicht reichen, um ein eigenes Nagelstudio zu eröffnen. Ihr müsst die Miete samt Kaution für die neuen Geschäftsräume vorstrecken können, die Einrichtung finanzieren und das Arbeitsmaterial einkaufen.

Um die Gründung finanziell gestemmt zu bekommen, gibt es verschiedene Finanzierungsarten und von staatlicher Seite verschiedene Förderungsmöglichkeiten. Einige hiervon sind:

  • Förderung durch die KfW-Bankengruppe
  • Zuschüsse zu Beratungskosten
  • Gründungszuschuss

Förderprogramme und finanzielle Hilfen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministerium für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

Dennoch wird in den meisten Fällen auch Eigenkapital sowohl ein Bankkredit notwendig sein. Gerade in der Anfangszeit der Gründung treten höhere Kosten auf und die Einnahmeseite durch Kunden muss erstmal anlaufen.

Um einen Kredit von einer Bank zu bekommen, benötigt ihr einen soliden Businessplan. Einige wichtige Punkte, die ihr bei der Eröffnung eines Nagelstudios beachten solltet:

  • Wie sieht die Konkurrenz aus? Habt ihr die Hauptstraße eures Wohnortes für euch alleine oder gibt es schon drei Nagelstudios? (Markt- und Konkurrenzanalyse)
  • Habt ihr bereits Stammkundinnen für die ersten schwierigen Wochen (z. B. von einer bisherigen Tätigkeit als Kosmetikerin oder aus dem Freundeskreis)?
  • Wisst ihr, welche Kosten für Möbel, Arbeitsgeräte und Arbeitsmittel auf euch zukommen?
  • Habt ihr Kosten für Werbung eingeplant und auf welchem Weg wollt ihr Werbung machen?

Einen guten Businessplan schreiben, ist kein Hexenwerk – aber Arbeit. Helfen können euch dabei Businessplan-Tools. Die besten findet ihr hier: Top Businessplan-Tools zum Erstellen Ihres persönlichen Businessplans

Schritt 3: Vorschriften, Genehmigungen und Absicherungen

Zur Eröffnung eines eigenen Nagelstudios braucht ihr einige Genehmigungen und solltet auch an wichtige Versicherungen denken.

Gewerbeanmeldung

Ihr müsst den Beginn eures Gewerbes bei der zuständigen Behörde anmelden (Gewerbeanmeldung). Mehr dazu und wie das funktioniert, erfahrt ihr in dem Fachartikel “Gewerbeanmeldung – so meldet man ein Gewerbe richtig an (inklusive Gewerbeanmeldung Formular)“.

Anmeldung der selbstständigen gewerblichen Tätigkeit beim Finanzamt

Gewerbetreibende bekommen von ihrem zuständigen Finanzamt, welches von der Gemeinde nach der Gewerbeanmeldung über die Gründung informiert wurde, einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (Betriebseröffnungsbogen) zugeschickt.

Pflicht zur Betriebshaftpflichtversicherung

Grundsätzlich musst ihr prüfen, ob euer Gründungsvorhaben eine Haftpflichtversicherung voraussetzt. Mehr dazu erfahrt ihr in diesem Fachartikel “Die Berufshaftpflicht- und Betriebshaftpflichtversicherung: Was das ist und wer sie braucht“.

Zusätzlich kommen verschiedene Versicherungenfür euch infrage. Welche verpflichtend und welche als zusätzliche Ergänzung sinnvoll sind, muss im Einzelfall überprüft werden. Rechtsschutzversicherung, Berufshaftpflichtversicherung, Kranken- und Rentenversicherung sollten auf jeden Fall vorhanden sein. Welche Versicherungen alle nötig sind kann auch bei einer Gründerberatung erfragt werden.

Zudem ist zu empfehlen, auch später immer wieder zu schauen, ob sich der Versicherungsbedarf geändert hat und eine alte Versicherung überflüssig geworden ist oder eine neue nötig wird.

Rechtsform und eure Firma

Grundsätzlich habt ihr zwei verschiedenen Möglichkeiten: Ihr könnt eurem Salon einen schönen sprechenden Namen geben und die Organisation (also den Betrieb) anders nennen und müsst dann hier je nach Rechtsform die Regeln einhalten. Oder ihr bringt das beides zusammen, dann solltet ihr allerdings eine Rechtsform wählen, in der ihr auch frei in der Benennung eurer Firma seid. Ob GmbH, UG (haftungsbeschränkt), GbR, AG, OHG oder Limited – ihr solltet genau prüfen, welche Rechtsform sich für euer Unternehmen eignet.

Schritt 4: Dein eigenes Studio

Der Standort will sorgfältig ausgewählt sein. Ein Studio an der Hauptstraße wird teurer sein als in einer Nebenstraße, doch ihr profitiert von Laufkundschaft. Viele Passanten, die gerade unterwegs zum Supermarkt oder zum Arzt sind, kommen an eurem Schaufenster vorbei. Gestaltet es einladend mit Fotos von Nail Art und umfangreichen Farbpaletten. Stellt eine Kopie eures Zertifikates ins Schaufenster, um Vertrauen zu bilden. Tischaufsteller sind ebenfalls praktische Werbeträger. Ihr könnt einen Aufsteller mit eurer Preisliste ins Schaufenster stellen oder auf einen kleinen Tisch im Eingangsbereich zusammen mit Flyern präsentieren. Nutzt die Aufsteller, um kurzfristige Werbeaktionen bekannt zu machen, zum Beispiel 10 % Rabatt auf weihnachtliche Nail Art im Dezember oder 10 % Rabatt auf eine Pediküre zu Beginn der Sommersaison.

Die Inneneinrichtung eures Studios ist eure Visitenkarte. Hier dürft ihr nicht am falschen Ende sparen. Neben einem professionellen Arbeitsplatz benötigt ihr bequeme Sitzmöbel für wartende Kundinnen. Stellt eure riesige Auswahl an Nagellacken und Nail Art in gut ausgeleuchteten Regalen zur Schau. Attraktive Fotografien an den Wänden und Grünpflanzen sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.

Schritt 5: Werbung machen

Laufkundschaft alleine wird nicht reichen. Könnt ihr euch kein Studio mit Schaufenster zur Straße leisten, entfällt diese Option ohnehin. Über das Internet erreicht ihr heute die meisten Menschen. Lassrt euch eine schöne Website gestalten, auf der Interessierte nicht nur Kontakt zu euch aufnehmen, sondern auch gleich online Termine buchen können.

Mit eigenen Social-Media-Seiten bei Instagram und Facebook erhöht ihr eure Reichweite enorm. Außerdem erlauben euch diese Seiten, eine direkte spielerische Kommunikation mit euren Kundinnen, die zur Kundenbindung unverzichtbar ist. Weist sie auf Sonderaktionen und Specials hin, präsentiert Bilder eurer schönsten Nail Art und beantwortet Fragen, die online gestellt werden.

Denkt aber auch an analoge Werbeträger wie Flyer. Vielleicht könnt ihr vor der Tür zu eurem Nagelstudio eine Halterung anbringen, sodass auch vorbeigehende Passanten einen Flyer mitnehmen können. Ein Kundenstopper ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, Menschen auf euch und tagesaktuelle Angebote aufmerksam zu machen.

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