Selbstständig machen als Spiele-Entwickler – Startup als Game-Developer gründen

Grundsätzlich gute Chancen kann man dem angehenden selbstständigen Game-Developer einräumen. Der Markt ist wachsend, die Konkurrenz aber auch. Wie ihr erfolgreich in diesem spannenden wie herausfordernden Metier gründet, zeigen wir euch hier.

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Schritt 1: Marktchancen als Game-Developer

Computer- und Videospiele, ob am Rechner, auf dem Smartphone oder irgend einer Konsole, sind fest im Alltag etabliert. Mittlerweile spielt rund jeder zweite Deutsche: 34,3 Millionen Menschen zählen zu den Gamern, und das über Alters- und Geschlechtergrenzen hinweg. Und wer glaubt, das sei vor allem eine junge Zielgruppe, der irrt: Das Durchschnittsalter der Gamer steigt seit Jahren an und liegt mittlerweile bei 36,4 Jahren. Insbesondere der Anteil der Gamer von 50 und mehr Jahren steigt kontinuierlich und macht inzwischen die größte Zielgruppe aus.

Immer mehr Smartphone-Gamer – aber die Konsole wird immer wichtiger

Smartphones sind immer noch die beliebteste Spiele-Plattform, insgesamt 18,6 Millionen Menschen nutzen es zum Spielen. Doch auf Konsolen wie Nintendo Switch, der PlayStation und Xbox spielen insgesamt 16,7 Millionen Menschen in Deutschland – hier ist der Zuwachs am größten.
Eine ausführliche Analyse des Marktes findet ihr auf game, dem Verband der deutschen Games-Branche.

Es sieht also gut aus für eure Karriere als Game-Developer – der Markt wächst und ist dynamisch. Allerdings solltet ihr die Konkurrenzsituation nicht aus den Augen lassen. Die Spieleentwicklung kostet Zeit und Geld – und tatsächlich beherrschen größere Unternehmen mit mehreren Kreativen und Programmierern den Markt. Unter den Marktführern ist kein einziges deutschen Unternehmen. Doch das heißt nicht, dass ihr durch kluges Marketing und eine tolle Idee nicht einen Hit landen könnt.

Das wichtigste: eine tolle Spielidee

Um euch im Markt gegen zehntausende andere Entwickler behaupten zu können, ohne große Marketingkampagnen fahren zu können (denn dafür benötigt ihr viel Geld), ist es vor allem eine herausragende Idee. Dazu gehört auch, eurer Marktsegment (online, Browser, App, Konsole etc) und eure Zielgruppe genau zu definieren. Und dass ihr euch in eurem Metier auskennt.

Schritt 2: Berufswege | Ausbildung zum Game-Developer

Auch wenn es keinen geschützten Beruf für den Spiele-Entwickler gibt, spezialisierte Studiengänge, die euch inhaltlich auf die Arbeit vorbereiten. Ihr könnt:

  • Game Development, auch Games Engineering oder Games Programming
  • Games Design oder
  • Medieninformatik

studieren. Der Studiengang Game Development legt seinen Fokus auf die Entwicklung, also das Programmieren sowie das nötige Storytelling. An manchen Unis gibt es auch noch Spezialisierungen auf mobile Anwendungen oder künstliche Intelligenz.

Beim Studium des Game Design wird ein Schwerpunkt auf Animation und Visualisierung gelegt. Storytelling ist ebenfalls Teil des Studium.

Natürlich sind auch klassische Studiengänge wie Mediendesign, Informatik oder Mathe als Basis denkbar. Die bereiten euch aber weniger direkt auf den Games Developer vor.

Neben spezialisierten Unis wie

  • Hochschule Fresenius
  • Deutsche POP
  • Mediadesign Hochschule
  • SRH Hochschule Heidelberg
  • SAE Institute GmbH

gibt es auch die Möglichkeit, an der Wilhelm Büchner Hochschule und der Technische Hochschule Köln berufsbegleitend zu studieren. Eine recht gute Übersicht über die Studienwege findet ihr bei unicum.

Außerdem gibt es die Ausbildung zum Fachinformatiker mit Spezialisierung Games Developer.

Wie ihr euch auch entscheidet, neben dem fachlichen Können, das ihr sicher auch mit Berufserfahrung und ersten Schritten bei bestehenden Unternehmen untermauern könnt und solltet. Zumal fähige Leute in dieser Branche gesucht werden.

Schritt 3: Kosten, Finanzierung, Förderungen und Kalkulation

Keine Gründung funktioniert ohne tragfähiges Finanzierungskonzept – deshalb gibt es im Businessplan auch einen Finanzteil, in dem ihr eure potenziellen Einnahmen ebenso wie eure Kosten aufschlüsselt und auch darstellt, wie ihr euren Kapitalbedarf decken wollt. Mehr dazu zeigen wir euch hier: Finanzplan erstellen – Eure Finanzen im Businessplan | mit Vorlage

Potenzielle Einnahmen – Das verdient man als Spieleentwickler?

Laut Stepstone liegen Gehälter von Games Developern zwischen 37.100 und 53.400 € pro Jahr – im Durchschnitt sind das 43.000 €. Tatsächlich sagt euch das als Gründer eher etwas über die Kostenseite: Soviel müsst ihr investieren, um Mitarbeitende für euer Unternehmen zu gewinnen.
Tatsächlich solltet ihr euch sehr genau anschauen, wie viel pro Download, Account etc in der Sparte gezahlt wird, um ein Spiel zu nutzen. Das geht von kostenlos im Appstore (dann mit Werbung und In-App-Käufen finanziert) bis richtig teure Spiele von 60 Euro und mehr auf den Konsolen. In der Regel macht die Menge den Gewinn.

Der Stundensatz für selbstständige Gamedeveloper variiert natürlich je nach Anforderungen und Erfahrungen und liegt bei ca . 60 – 120  Euro.  Freelancer-Portale bieten nicht nur gute Auftragsmöglichkeiten sondern sind auch gute Recherchequellen für marktübliche Stundensätze.  In jedem Falle solltet ihr euch – ob als Freiberufler unterwegs oder schon in einem kleinen Team – ein gutes Zeitmanagement angewöhnen. Ob ihr nun Dienstleistungen in der Spieleprogrammierung anbietet oder an eigenen Projekten arbeitet – um den Kostenfaktor „Arbeitszeit“ im Blick und im Griff zu haben, empfiehlt sich eine Projektzeiterfassung, die ihr auch mit einem guten digitalen Tool gut umsetzen könnt.

Game-Developer aufgepasst: Förderprogramm des Bundes für Prototypen

Tatsächlich hat die Bundesregierung schon vor Jahren bemängelt, dass deutsche Unternehmen in der Spieleentwicklung international keine Rolle spielen und deshalb ein Förderprogramm für die Entwicklung von Prototypen geschaffen.

In dem Förderprogramm sind sogenannte Mindestkriterien genannt, die ihr erfüllen müsst und ihr könnt bis zu 50 Prozent der Kosten gefördert bekommen.

Details zur Computerspieleförderung des Bundes bekommt ihr auf deren Website.

Weitere Förderungen für Game-Developer

Auch die Länder unterstützen Gründer und Erfinder bei der Entwicklung von Spielen, meist durch die Medienförderer der Länder, die auch die Produktion von Drehbüchern und Filmen unterstützen.
Eine gute Liste findet ihr bei game, dem deutschen Verband der Branche.

Schritt 4: Organisatorisches zum selbstständigen Game-Developer

Wie jede Gründung ist auch die zum Games Developer mit einigen praktischen Schritten verbunden. Eine der großen Diskussionen ist die Frage, ob ihr ein Gewerbe anmelden müsst.

Selbstständig als Game-Developer – Freiberufler oder Gewerbe?

Lange wurde die Software-Entwicklung grundsätzlich als gewerblich angesehen, sprich es gab gar keine andere Möglichkeit, als ein Gewerbe anzumelden. 2004 entschied der Bundesfinanzhof,  dass Programmierer sehr wohl freiberuflich tätig sein können. Voraussetzung: es wird keine Trivialsoftware hergestellt. Klingt nicht nur kompliziert, in der Praxis ist diese Definition gar nicht einfach nachzuvollziehen.

Hinzu kommt, dass eure Anmeldung als Freiberufler vom Finanzamt nicht grundsätzlich geprüft wird, ob ihr die Voraussetzungen erfüllt oder nicht. Erst eine spätere Tiefenprüfung kann dann den möglichen Fehler zeigen. Wollt ihr also sichergehen, müsst ihr eine so genannte „verbindliche Auskunft“ des Finanzamtes anfordern – und die prüft nach sehr hohen Anforderungen. Außerdem kommen extra Kosten auf euch zu.

Was das ganze verkompliziert: Der Vertrieb von Computerspielen stellt grundsätzlich einen Verlag dar und ist gewerblich. Als reiner Freiberufler könnt ihr das also nicht machen, es käme dann eine so genannte „gemischte Tätigkeit“ in Frage. Ihr hättet also Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (nämlich aus freiberuflicher Einkünfte) und Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Aus dieser Konstellation können sich sogar steuerliche Vorteile ergeben – diese solltet ihr aber sehr genau mit einem Steuerberater besprechen und verifizieren.

Ihr wollt mehr zu diesem Thema und den Vor- und Nachteilen der Freiberuflichkeit versa Gewerbe wissen. Dann empfehlen wir euch die Broschüre Alles, nur kein Unternehmer? Tipps für Gründerinnen, Gründer und Selbstständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Spiele-Entwickler – Geschäftsidee und Businessplan

Zu jeder Existenzgründung gehört eine Geschäftsidee. Das kann eine Spielidee sein, könnte aber auch eine spezialisierte Dienstleistung in der Branche sein oder sogar eine serielle Idee eines Spiel. Diese Idee müsst ihr nicht nur nachvollziehbar ausformulieren – sie gehört auch in den Businessplan – die Grundlage eurer Geschäftsgründung. Wie ihr einen Businessplan aufstellt, welche Tools es dafür gibt und worauf ihr achten müsst, haben wir hier für euch zusammengefasst: So schreibt ihr einen Businessplan: Aufbau, Struktur, Inhalte.

Haupt- oder nebenberuflich als Spieleentwickler gründen

Ihr müsst nicht zwangsläufig im Hauptberuf in die Selbstständigkeit als Game-Developer starten. Aus einem Angestelltenverhältnis lässt sich unter Umständen besser gründen, entspannter dem Projekt die Zeit lassen, die es braucht. Allerdings solltet ihr aufpassen, dass ihr nicht im selben Wasser wildert, wie euer Arbeitgeber. Alles was ihr über nebenberufliche Gründungen wissen müsst – Anmeldungen, Rechtliches und Steuern – bekommt ihr in unserem Leitfaden Nebenberuflich gründen | So startet ihr euer Unternehmen neben dem Job genau erklärt.

Die Rechtsform für euer Unternehmen

Es gibt eine Reihe gängiger Rechtsformen für euer Startup – von der UG, zur GmbH und auch das Einzelunternehmen. Eine Übersicht bekommt ihr hier: Basics: Welche Rechtsform passt für mein Unternehmen?

Was für euch die richtige Rechtsform ist, hängt von dem Weg der Gründung ab. Wollt ihr nebenberuflich gründen, lohnt sich eventuell eine Einzelunternehmerschaft, seid ihr schon ein Team, dann ist eine GbR oder eine UG sinnvoll. Könnt ihr euch zum Start schon ausreichend Kapital besorgen, kommt auch eine GmbH in Frage. Am einfachsten und gleichzeitig sichersten ist sicher die UG. Hier habt ihr die Absicherung der Haftung wie in einer GmbH und gleichzeitig braucht ihr kein hohes Startkapital. Wie ihr eine UG haftungsbeschränkt gründet, zeigen wir euch in unserem UG Gründungspaket.

Wichtigster technischer Schritt: Der Prototyp

Als Games Developer ist der Prototyp eures Spiels das wichtigste Werkzeug. Die kurze Demo hilft euch, sowohl Finanzierer als auch ein Team auf das gemeinsame Ziel einzuschwören und das Potenzial eurer Idee zu präsentieren. Weniger hilfreich ist dabei eine reine Grafikdemo oder eine Spieleversion, die zwar den Ablauf aber kein Design oder Atmosphäre des Spiels präsentiert. Denn die Begeisterung für ein Spiel ist immer auch eine emotionale Entscheidung – das solltet ihr bei eurem Protoypen berücksichtigen.

Schritt 5: Publishing | Marketing – jetzt geht es erst richtig los als Game-Developer

Auch wenn ihr in Development und Programmierung hervorragend seid: Ohne Kenntnisse vom richtigen Publishing und Marketing wird euer Spiel kein Erfolg.

Zum Publishing gehören die Kenntnis der verschiedenen Play-Stores (und ihre oft harten Bedingungen), eine Ahnung davon, wie ihr in diesen Stores sichtbar werdet und wie ihr einen guten Support und Community-Management betreibt.

Doch über diese Download-Plattform hinaus müsst ihr auf euch aufmerksam machen. Marketing ist hier wie jedes Produkt zu betrachten:

  • Welche Kanäle eignen sich für die Zielgruppe?
  • Wie könnt ihr euer Produkt – Spiel – gut in Szene setzen?

Die Bandbreite ist riesig: Ob eine Präsentation auf einer Games Convention – also ein klassischer Messestand, ob Videos auf TikTok, der Einkauf eines Influencers, der euer Spiel bewirbt oder oder oder… findet den besten Weg, euer Produkt unter die Leute zu bringen.

Fazit

Sich als Game-Developer selbstständig zu machen, ist spannend und kann vielversprechend sein. Allerdings sollte man nicht vom schnellen, einfachen Erfolg träumen. Der Markt wird von großen Unternehmen kontrolliert und ihr müsst schon mit etwas Besonderem punkten. Und doch gibt es sie: die Independent Hits und überraschenden Erfolge.

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