Physiotherapie-Praxis eröffnen: Selbstständig machen als Physiotherapeut/in

Ziel einer Physiotherapie-Ausbildung ist es häufig, später einmal in eine eigenen Praxis zu eröffnen. Diesen Traum tatsächlich verwirklichen zu können erfordert einiges an grundlegenden Kenntnissen, an Gründungskapital und an umfassender und sorgsamer Planung. Wir zeigen euch, worauf es 2024 bei einem erfolgreichen Praxisstart ankommt, mit welchen Kosten ihr rechnen müsst und welche Formalitäten ihr für die Eröffnung eurer Physiotherapie-Praxis unbedingt einhalten müsst.

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Physiotherapie-Praxis eröffnen: eine Ausbildung ist grundlegende Voraussetzung

Die grundlegende Voraussetzung, damit ihr eine Physiotherapie-Praxis eröffnen könnt und dürft, ist eine erfolgreich abgeschlossene staatlich anerkannte Ausbildung. Das gilt für alle Bereiche der Physiotherapie:

  • für den Beruf des Physiotherapeuten
  • und des Krankengymnasten,
  • für Masseure und
  • medizinische Bademeister.

Wer später eine Kassenzulassung beantragen möchte, braucht gewöhnlich noch einiges mehr an Qualifikationen.

Kassenzulassung als Physiotherapeut/in

Die Frage nach der Kassenzulassung stellt sich immer wieder – natürlich wäre es schön, wenn man eine ganze Reihe von Patienten hätte, die ihre Behandlung einfach selbst bezahlen und aus eigenem Antrieb und aus Überzeugung in die Praxis kommen. Die Zahl solcher Privatpatienten, die ohne ärztliche Verordnung einfach selber wissen, was sie brauchen, ist in der Wirklichkeit aber dünn gesät.

Eine Kassenzulassung ermöglicht euch, Kassenpatienten annehmen zu können – und das schafft Einnahmensicherheit und einen laufenden Patientenzustrom. Die meisten Menschen in Deutschland sind schliesslich gesetzlich versichert – eine Zusammenarbeit mit der gesetzlichen Krankenversicherung bringt daher zahlenmäßig sicherlich mehr Patienten. Bei der Zusammenarbeit mit privaten Krankenversicherungen gibt es zwar deutlich weniger Verordnungen, dafür werden aber meist höhere Behandlungssätze bezahlt und bei der gleichen Diagnose häufig deutlich mehr Therapie-Einheiten verordnet als bei der gesetzlichen Krankenkasse.

Alles in allem ist vermutlich ein Mischmodell, wie es auch die meisten Ärzte betreiben, die erfolgreichste Strategie bei der Zusammenarbeit mit den Kassen für euch als Physiotherapeut. Daneben kann es auch eine interessante Option sein, zusätzlich auch noch über die Deutsche Rentenversicherung abzurechnen. Eine Abrechnung auch über die Ersatzkassen und die Knappschaft ist meistens ebenfalls vorteilhaft.

Voraussetzungen für Kassenzulassung

Wenn ihr eine Kassenzulassung für eure Physiotherapie-Praxis bekommen möchtet, müsst ihr häufig bestimmte zusätzliche Qualifikationen vorweisen können – zudem schreiben die Krankenkassen eine bestimmte Größe der Behandlungsräume und eine bestimmte Geräte-Ausstattung zwingend vor, andernfalls gibt es keine Zulassung. Für die Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung gelten wiederum andere Voraussetzungen, mit denen ihr euch intensiv auseinandersetzen müsst, da es hier um den Reha-Bereich geht.

Was verdient man mit einer Physiotherapie-Praxis

Mit lediglich 38.000 Praxen für Physiotherapie in Deutschland und jährlichen Ausgaben der Krankenkassen und der Unfallversicherung in Höhe mehrerer Milliarden Euro erhält man zunächst einmal den Eindruck, dass eine Physiotherapie-Praxis in Deutschland so eine Art „Goldgrube“ sein müsste.

Dem gegenüber stehen dann Kassenvergütungen, die beispielsweise für eine 60 Minuten dauernde Lymphdrainage gerade einmal etwas weniger als 45 EUR betragen. Anhand der Vergütungssätze lässt sich die „Goldgrube“ also jedenfalls nicht auf den ersten Blick erkennen.

Wie viel man am Ende tatsächlich verdient, hängt im Wesentlichen von der Auslastung und von der Leistungsfähigkeit des Einzugsgebiets ab, in dem man sich befindet. Auch wenn immer weniger junge Menschen die Ausbildung zum Physiotherapeuten absolvieren und gleichzeitig die Demografie schon in den nächsten Jahren eine deutlich höhere Zahl an Physiotherapeuten nötig macht, hängt die Auslastung der eigenen Praxis am Ende doch maßgeblich vom Einzugsgebiet ab. Deshalb ist die Standortwahl für deine  Physiotherapie-Praxis die wohl wichtigste Entscheidung, die man bei der Gründung treffen muss. Nahezu ausschließlich davon hängt es ab, wie viel man am Ende tatsächlich mit der eigenen Praxis tatsächlich verdienen kann.

Tatsächlich könnt ihr mit einem durchschnittliche Umsatz einer Praxis für Physiotherapie bei etwa 140.000 Euro pro Jahr rechnen, im Schnitt liegt der Reingewinn bei 40,6 Prozent des erzielten Umsatzes. Damit liegt ihr mit einem Gehalt von 2.800 Euro im Mittelfeld eines angestellten Physiotherapeuten.

Vorbereitung zur eigenen Physiotherapie-Praxis

Wer sind die Kunden / Patienten?

Die Antwort auf diese Frage lautet leider immer noch viel zu häufig: „Jeder, der kommt!“. Ein wirklich schlüssiges Praxiskonzept stellt das aber nicht dar – und für das Marketing und den späteren Erfolg der Praxis tut ihr euch damit keinen Gefallen. Um die Frage umfassend beantworten zu können, sollte man zunächst einmal die eigene Arbeitserfahrung gründlich reflektieren:

  • In welchen Bereichen arbeitet ihr mit besonders viel Freude?
  • In welchen Bereichen erkennt ihr eure persönliche Stärken?
  • Interessiert euch die Arbeit mit Kindern oder lieber mit älteren Menschen?
  • Bei welchen Behandlungen habt ihr besonders das Gefühl, dass ihr etwas Wichtiges zur Gesundheit oder zur Behandlung beitragt?
  • Bei welchen besonderen Beschwerdebildern findet ihr euren Beruf besonders wichtig und hilfreich?
  • Welche Zusatzausbildungen habt ihr absolviert und aus welchem Grund?

Die Antworten auf diese Fragen können euch für den Anfang schon einmal helfen, über die eigenen Stärken und Vorlieben bewusst zu werden. Oft fällt einem erst beim gründlichen Nachdenken auf, dass man sich mit Kindern immer irgendwie schwer tut oder dass man umgekehrt eher mit stark eingeschränkten älteren Menschen weniger gut umgehen kann und das eher als Belastung empfindet. Jeder darf seine Vorlieben haben, daran ist nichts verkehrt, das ist auch ganz natürlich, weil jeder Therapeut seine persönlichen Stärken und Schwächen hat, und Bereiche in denen er einfach sehr gut ist. Aus diesen Überlegungen heraus solltet ihr versuchen einzugrenzen, wo eure Zielgruppe liegen könnte. Als selbstständiger Physiotherapeut gibt euch niemand mehr vor, was ihr tun sollst. Ihr entscheidet, wo eure Arbeit stattfindet, welche Arbeit ihr leisten wollt und für wen.

Marktanalyse: Welche Angebote können sich lohnen?

Seht euch auch an, welche Schwerpunkte in eurer unmittelbaren Umgebung in der ihr die Praxis eröffnen möchtet, besonders hoch vertreten sind und welche wichtigen Schwerpunkte weitgehend oder ganz fehlen. Überlegt, ob ihr mit euren Zielgruppen-Vorstellungen und euren Stärken dort unter Umständen eine wertvolle Nische für euch finden könnt. Wie ihr eine sinnvolle Markt- und Konkurrenzanalyse erstellt, haben wir in einem Fachartikel erklärt.

Strategie: Gemeinschaftspraxis für Physiotherapie eröffnen

Die Vorteile einer Gemeinschaftspraxis liegen klar auf der Hand:

  • Ihr spart Kosten,
  • könnt euch im Krankheits- und Urlaubsfall vertreten und
  • ein größeres Leistungsspektrum anbieten.

Eine umfassende Rechtsberatung ist bei der Gründung einer Gemeinschaftspraxis in jedem Fall unverzichtbar – andernfalls geht ihr unter Umständen hohe Risiken ein. Auch eine unternehmerische und steuerrechtliche Beratung sollte dazugehören, um Haftungsfragen, die Gewinnverteilung und den richtigen Außenauftritt zu klären. Wähl eure zukünftigen Partner mit sehr viel Bedacht – ihr solltet euch nicht nur beruflich ergänzen, sondern auch persönlich (ehrlich) wertschätzen und euch gegenseitig blind vertrauen können. Da man solche Partner leider höchst selten findet, bleibt ein gewisses Restrisiko immer bestehen.

Strategie: Praxisübernahme statt Praxis-Neugründung

Eine bestehende Praxis für Phyiotherapie übernehmen zu können, ist ein verlockender Gedanke – und oft eine große Chance.

  • Ihr könnt mit einer fertig eingerichteten Praxis starten,
  • habt schon einen Kunden-/ Patientenstamm,
  • es gibt bereits Kooperationen und Registrierungen bei den Kassen und
  • könnt eventuell von einer bestehenden Marke profitieren.

Trotzdem solltet ihr euch schon vor der Übernahme Gedanken darüber machen:

  • wo die Praxis Modernisierung braucht,
  • wie ihr am besten frischen Wind in die Praxis bringt und
  • welches Potenzial es gibt, sie noch erfolgreicher zu machen.

Alles so zu übernehmen, wie es eben ist, ist häufig nicht die allerbeste Idee. Auch eure Patienten erwarten mit der Übernahme ein wenig Erneuerung und Belebung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die korrekte Praxisbewertung. Die Vorstellungen über den Wert einer Praxis sind häufig nicht besonders realistisch – das erschwert die Preisverhandlungen. Idealerweise kann man sich auf einen Gutachter mit viel Branchenerfahrung einigen, der im Vorfeld eine fundierte Bewertung vornimmt. Auf diese Weise können beide Seiten sicher sein, dass sie über einen wirklich realistischen und angemessenen Preis verhandeln. Worauf ihr bei der Übernahme einer Praxis achten müsst, und welche online Nachfolgebörsen es gibt findet ihr ihr in unserer Übersicht „Nachfolge – ein Unternehmen richtig übernehmen„.

Physiotherapie-Praxis eröffnen: Praktische Schritte

Die Lage entscheidet über eure Verdienstmöglichkeiten

Als Einzugsgebiet für eure Physiotherapie-Praxis könnt ihr üblicherweise einen Radius von drei bis fünf Kilometern ansetzen. Innerhalb dieses Bereichs solltet ihr auf jeden Fall eine gründliche Mitbewerberanalyse durchführen (lassen), dazu eine Marktanalyse, um zu bewerten, ob ausreichend wirtschaftliches Potenzial für eure Praxis vorhanden ist. Das ist am Ende das K.O.-Kriterium für deine Praxiswahl – die schönste Praxis mit einer sehr günstigsten Miete nützt euch rein gar nichts, wenn an diesem Standort kaum ein wirtschaftliches Überleben möglich ist.

Die Praxisräume

Der nächste Punkt betrifft dann bereits die Praxis an sich. Geeignete Praxisräume zu finden ist gar nicht so einfach. Häufig werdet ihr euren Suchradius deutlich weiter fassen müssen, als zunächst geplant. Dabei solltet ihr auch einigermaßen konkrete Vorstellungen über den Platzbedarf haben und darüber, welche Lage ihr für günstig haltet. Je nach euren angebotenen Leistungen ist euer Platzbedarf sehr unterschiedlich. Beachtet dabei auch den Bedarf an

  • Behandlungsraum/räume
  • Vorzimmern,
  • Toiletten,
  • vielleicht auch Umkleideräume,
  • eine kleine Teeküche und
  • einen abgeschlossenen Büroraum.

Die Kosten sind dann ein weiterer Faktor, der natürlich ebenfalls eine gewichtige Rolle spielt. Miete, Heizung und die weiteren Nebenkosten sollten in einem angemessenen Bereich liegen – angemessen bezieht sich dabei auf die Finanzen, die euch persönlich zur Verfügung stehen. Die Umsätze solltet ihr am Anfang nicht überschätzen – auch eine noch so überzeugende Praxis braucht ihre Anlaufzeit, bis sie wirklich konstant hohe Erträge abwirft. Geht ihr von einer Arbeit mit Kassenzulassung aus, solltet ihr bei der Auswahl der Praxisräume direkt darauf achten, dass ihr in den entsprechenden Räumlichkeiten die Vorgaben auch einhalten könnt.

Die Praxiseinrichtung

Je nach Bundesland gibt es bestimmte baurechtliche Vorschriften, wie eine Physiotherapie-Praxis ausgestaltet sein muss. Diese Vorschriften solltet ihr in Erfahrung bringen und bei der Praxisgestaltung auch einhalten. Eine gewisse Mindestausstattung mit Geräten ist in jedem Fall Pflicht. Der Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten hat dazu Einrichtungsrichtlinien herausgegeben, die schon einmal eine gute Orientierung ermöglichen.

Diese Richtlinien findet ihr hier.

Die Einhaltung dieser Vorgaben ist auch ganz besonders dann wichtig, wenn ihr eine Kassenzulassung haben möchtet. Die Einhaltung dieser und noch einiger weiterer Vorgaben zur Praxisgestaltung ist dann zwingende Voraussetzung.

Rechtsform, Anmeldungen und steuerliche Aspekte

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Als selbständig arbeitender Physiotherapeut seid ihr grundsätzlich Freiberufler, ihr braucht also kein Gewerbe anzumelden. Zusammenschlüsse mit anderen Freiberuflern (z. B. Praxisgemeinschaft) sind möglich, in der Regel über eine GbR, es gibt aber auch besondere Formen wie die Partnerschaftsgesellschaft.

Gemeinschaftspraxis als Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

Wollen sich mindestens zwei Physiotherapeuten für eine Praxisgründung zusammenschließen, können sie dies auch in einer Partnerschaftsgesellschaft. Im Wesentlichen beruht die Partnerschaft auf den Rechtsformen der GbR und der OHG (offene Handelsgesellschaft). Allerdings gibt es hier eine Haftungsbeschränkung der Gesellschafter.

Um eine PartG zu gründen, benötigt ihr einen schriftlichen notariell beglaubigten Vertrag, der den Namen und Sitz der Partnerschaft, die Namen, Anschrift und ausgeübten Berufe der Beteiligten sowie den Gegenstand der Partnerschaft zusammenfasst. Außerdem müsst ihr eure Partnerschaft im Partnerschaftsregister eintragen lassen.

Vorsicht: gewerbliche Tätigkeit

Führt ihr im Rahmen eurer Behandlungen allerdings gewerbliche Tätigkeiten aus (etwa den zusätzlichen Verkauf spezieller, nicht apothekenpflichtiger Salben oder Öle) wird es mit der Freiberuflichkeit mitunter schon problematisch. Zudem greift dann die Umsatzsteuerpflicht (bei Heilbehandlungen nicht , die sind nach § 4 UStG umsatzsteuerbefreit).

In diesem Fall solltet ihr den Rat eines (mit Freiberuflern) erfahrenen Steuerberaters suchen.

Ebenso ein Graubereich ist die Beschäftigung von Personal. Sobald ihr angestellte Physiotherapeuten beschäftigt, übt ihr nicht mehr selbst und persönlich Einfluss auf den einzelnen Patienten aus, was dem Status als Freiberufler grundsätzlich bereits zuwiderläuft. Juristisch ist dieser Punkt immer noch strittig, endgültige Klarheit schaffen vermutlich erst Gerichtsurteile in der Zukunft.

Auch für Physiotherapeuten wichtig: Ordentliche & regelmäßige Buchhaltung

Die wenigsten eurer Patienten werden bar bezahlen. Um den Überblick von Behandlungsterminen und Zahlungseingängen auf eurem Geschäftskonto zu behalten, müsst ihr eine ordentliche Buchhaltung führen. Eventuell müsst ihr auch Mahnungen versenden. Excel-Tabellen sind eine Lösung, die Arbeit deutlich vereinfachen könnt ihr euch aber auch mit einem Buchhaltungsprogramm, die es zum Teil schon sehr günstig und gut gibt:

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Finanzierung euer Physiotherapie-Praxis

Bei den Finanzen geht es um Gründungskosten, laufende Fixkosten und als Gegengewicht dazu die möglichen Einnahmen, die man erzielen kann.

Gründungskosten

Die Gründungskosten werden häufig unterschätzt. Die Anmietkosten, die Kosten für die Praxiseinrichtung und die Geräte, die gegebenenfalls notwendigen baulichen Veränderungen und den allgemeinen Gründungsaufwand erreichen schnell den fünfstelligen Bereich.

Dazu sollte eine ausreichende Kapitalreserve vorhanden sein, um auch die Anlaufzeit der Praxis gut überstehen zu können und in dieser Zeit die anfallenden Fixkosten problemlos bezahlen zu können. Eine solide Finanzplanung, wie sie auch für jedes andere Gründungsvorhaben durchgeführt wird, gehört beim Selbständig machen mit der eigenen Physiotherapie-Praxis auf jeden Fall mit dazu.

Dabei sollte man konservativ rechnen, mögliche Kostensteigerungen und zusätzliche Ausgaben mit einplanen und – ganz wichtig – auf keinen Fall die Einnahmen überschätzen. Das passiert leider im anfänglichen Enthusiasmus viel zu oft.

Fixkosten für die Praxis

Einen Überblick über die monatlichen Fixkosten zu haben, ist natürlich eine grundlegende Voraussetzung. Dabei sollte wirklich alles mit eingerechnet werden, was anfällt. Daneben ist aber auch notwendig, dass die Fixkosten eine sinnvolle Höhe haben. Man sollte sie nicht mit Mühe und Not stemmen, sondern immer jederzeit leicht decken können. Das erfordert mitunter auch einen realistischen Blick auf die eigenen Einnahmen.

Eigene Kosten (Unternehmerlohn) mit kalkulieren

Auch die Kosten für euch selbst, Lebenserhaltung, Fahrten usw. vor allem aber die eigene Krankenversicherung solltet ihr nicht in eurem Finanzplan vergessen. Wieviel müsst ihr verdienen, um eure privaten Kosten zu decken? Wieviel wollt ihr verdienen, damit es auch Spass macht?

Die Wahl der eigenen Krankenversicherung kann durchaus entscheidend sein. Die private Krankenversicherung kalkuliert ihre Beiträge nach individuellem Risiko, die gesetzliche Krankenversicherung nach einem festen Prozentsatz des erwirtschafteten Einkommens. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung sinken mit sinkendem Einkommen, im Extremfall bis zum Mindestsatz (der aber immer noch beträchtlich ist). Die Beiträge für die private Krankenversicherung bleiben immer gleich hoch, unabhängig von den Einnahmen, die man erwirtschaftet – bei vielen Jüngeren liegen sie dennoch häufig sogar noch deutlich niedriger als sogar der Mindestsatz der gesetzlichen Versicherung. Das ändert sich dann mit höherem Alter – und wenn man Kinder oder Ehepartner ohne Einkommen mitversichern will. Hier punktet wiederum die gesetzliche Versicherung mit ihrer kostenlosen Mitversicherungsmöglichkeit, privat versichert wird das oft sehr teuer. Am Ende ist die Wahl also ein Ergebnis einer sorgfältigen eigenen Abwägung – nachdem man sich am Beginn der Selbständigkeit einmal festgelegt hat, ist eine Änderung nicht mehr möglich. Die Wahl sollte man darum sehr sorgfältig überlegen.

Kunden finden – das Marketing für Physiotherapeuten

Aggressive Werbung passt nicht für eine Physiotherapie-Praxis – sie ist zum Teil sogar verboten. Die gesetzlichen Werbeeinschränkungen für Heilberufe machen hier vieles – wenn nicht sogar das meiste – unmöglich. Unbedingt beachten muss man übrigens auch das Heilmittelwerbegesetz – sich selbst in Berufskleidung mit Patienten bei der Behandlung auf einem Bild darzustellen, ist in Deutschland strikt verboten, wenn man Angehöriger eines Heilberufes ist. Doch es gibt weitere Möglichkeiten, für sich zu werben.

Werbefläche Mitarbeiter und Praxis nicht unterschätzen

Ein wichtiges Aushängeschild ist für euch die eigene Praxis. Es lohnt sich, hier durchdacht nicht nur im Praktischen sondern auch im Gestalterischen vorzugehen. Patienten, die sich wohl fühlen, die euren Geschmack wertschätzen, kommen nicht nur lieber wieder zurück zu euch, sie werden auch ein bisschen schneller gesund. Und tragen diese Erfolge als Empfehlung weiter.

Zu einem durchdachten Konzept gehört auch, dass ihr die Berufskleidung von euch und euren Mitarbeitenden überdenkt. Gut designte Berufskleidung, die sogar mit einer eigener Praxis-Marke gebrandet ist, macht ebenfalls einen guten Eindruck.

Webseite für deine Physiotherapie-Praxis

Beinahe jeder Kunde, also auch jeder Patient, informiert sich über das Internet. Auch Bestandspatienten schauen dort nach Öffnungszeiten, informieren sich über Sonderleistungen oder suchen einfach nur die Telefonnummer. Ihr solltet also eine einfache aber funktionierende und am besten für Google optimierte Website erstellen (lassen). Möglich wäre hier auch eine Anbindung an euer Terminplanungstool.

Unbedingt zu empfehlen: der Eintrag eurer Physiotherapie-Praxis bei GoogleMyBusiness. Ist kostenlos, und ihr erscheint bei den Suchergebnissen auf der Map, die von Google einblendet wird. Den Eintrag könnt ihr sogar schon machen, bevor eure Webseite fertig ist! Tipp: es lohnt sich, die Infos präzise und ausführlich anzugeben, von Telefon bis Öffnungszeiten, sowie Bilder hinzufügen, um so professionell wie möglich zu erscheinen.

Fazit

Wirklich reich wird man mit einer Physiotherapie-Praxis nicht, als Freiberufler trägt man eine ganze Reihe von Risiken und die Gewinnaussicht entspricht in etwa dem, was man als angestellter Physiotherapeut auch verdienen würde. Allerdings ist man in Terminen, Abläufen etc dann auch sehr viel freier.  

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