Selbstständig als LKW-Fahrer/in: So eröffnet ihr ein Einpersonen-Transportunternehmen

Ihr glaubt, euer Weg der Selbstständigkeit läge auf dem Asphalt der Autobahnen und Landstraßen dieses Kontinents? Dann ist es durchaus möglich, sich als Einzelperson mit wenig mehr als einer passenden Zugmaschine und einem Anhänger auf die Reise zu begeben. Wir zeigen euch jetzt, was ihr dazu wissen müsst.

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Die Transportlogistik ist zweifelsohne das Rückgrat unserer modernen Gesellschaft. Denn von abgebauten Rohstoffen, die irgendwie zur Weiterverarbeitung gelangen müssen, bis zu fertigen Endprodukten, die an die Kunden gehen, gibt es buchstäblich Millionen unterschiedlicher Transportwege – sehr viele von ihnen laufen über die Straße. 2021 etwa wurden nur auf dem deutschen Asphalt 505,6 Milliarden Tonnenkilometer geleistet; das sind zurückgelegte Kilometer multipliziert mit der dabei bewegten Gütermenge.

Zwar sind die meisten Trucker und sonstigen Berufskraftfahrer in Deutschland, die für diese gigantischen Transportleistungen verantwortlich sind, Angestellte. Eine kleine Gruppe agiert jedoch ähnlich, wie man es eher aus den USA, Kanada oder Australien kennt: als Einpersonenbetrieb.

Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, einen ähnlichen Weg zu gehen, dann sind die Chancen prinzipiell gut – denn Trucker sind in Europa eine extreme Mangelware. Wenn ihr das allerdings selbstständig tun möchtet, dann seid euch darüber im Klaren, dass diese Variante verschiedenes beinhaltet, was kein angestellter Trucker und ebenfalls kein nicht (allein) fahrender Chef eines Transportunternehmens so umfassend beachten und ansprechen muss.

Schritt 1 zum selbstständigen LKW-Fahrer: Voraussetzungen

Warum genau möchtet ihr selbstständiger Trucker werden? Keine rhetorische Frage, denn der Beruf ist an sich schon anstrengend und wird in selbstständiger Form garantiert nicht weniger fordernd.
Ganz gleich, ob angestellter LKW-Fahrer oder Gründer eines Transportunternehmens, das auf andere angestellte Fahrer setzt: In jeder dieser Konstellationen ist die Last auf den einzelnen Schultern geringer. Macht ihr euch hingegen als Einpersonenbetrieb selbstständig, dann sitzt ihr nicht bloß am Lenkrad, sondern müsst zwischen Disposition, Tourenplanung und Buchhaltung eine ziemlich große und sehr vielfältige Menge von Arbeiten in Personalunion erledigen.

Erschwerend kommt hinzu: Fast jeder andere Gründer kann sich diese Funktionen über den Tages- und Wochenverlauf gut aufteilen. Als Trucker sitzt ihr jedoch die meiste Zeit hinterm Lenkrad, denn nur das bringt euch Geld ein – keine Chance, dabei irgendetwas anderes zu machen.

Das alles soll euch nicht abschrecken, wohl aber soll es euch einen realistischen Blick auf diese Selbstständigkeit geben. Wo es in normalen Transportbetrieben wenigstens ein kleines Team gibt, das sich die Aufgaben teilt, muss der solo-selbstständige Trucker alles allein leisten.

Auch der Staat macht es euch nicht leichter. Ganz gleich, ob ihr einen regulären Transportbetrieb gründen oder euch allein als Trucker selbstständig machen möchtest, ihr benötigt in jedem Fall mehrere Dinge (bezogen auf ein Gewerbe mit Fahrzeugen >3,5 Tonnen, also vollwertige LKW).

Anmeldung eures Transportunternehmens im Güterkraftverkehrsgewerbe

Ihr gründet also ein Unternehmen bei eurem zuständigen Gewerbeamt. Vorteil: Da es keinen Unterschied macht, habt ihr danach jederzeit die Option, weitere Trucker und andere Fachkräfte einzustellen. Ihr müsst also keine weiteren administrativen Schritte gehen, falls euch die Solo-Selbstständigkeit irgendwann zu fordernd wird.

Eine Erlaubnis eurer zuständigen IHK

Sehr umfassend, aber erst damit dürft ihr offiziell dieses Gewerbe betreiben. Um die Genehmigung zu erhalten, müsst ihr folgende Dinge nachweisen:

  • Eure fachliche Eignung durch Vorhandensein eines Führerscheins der Klasse CE – der wichtigste, umfassendste Vertreter aller LKW-Führerscheine.
  • Eure berufliche Eignung, nachzuweisen durch eine erfolgreich absolvierte „Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr“ oder mindestens zehn Logistik-Berufsjahre in leitender Funktion oder eine abgeschlossene fachspezifische Berufsausbildung.
  • Eure finanzielle Eignung durch das Vorhandensein von mindestens 9.000 Euro Startkapital für euer erstes Fahrzeug und mindestens 5.000 Euro für jedes weitere.
  • Eure unternehmerische Eignung durch ein polizeiliches Führungszeugnis, einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister, Unbedenklichkeitsbescheinigungen des Finanzamtes, eurer Krankenkasse und mitunter sogar der Berufsgenossenschaft.

Wenn all diese Unterlagen zusammengestellt sind, steht zumindest euer Gewerbe an sich auf einem rechtssicheren Fundament. Bevor ihr euch jedoch in die Fahrerkabine begeben könnt, sind noch einige weitere administrative Positionen abzuarbeiten.

Wichtig: Neben allen anderen Faktoren müsst ihr zwingend einen eigenen LKW besitzen. Ihr dürft also nicht bei anderen Transportfirmen mit deren LKW als „selbstständiger“ Trucker fahren. Seit einem Gerichtsurteil 2020 gilt das sonst als abhängige Beschäftigung beziehungsweise Scheinselbstständigkeit.

Schritt 2: Gesetze, Genehmigungen und Lizenzen

Mit den erwähnten Freigaben könnt ihr nun eine Erlaubnis eurer zuständigen Verkehrsbehörde beantragen. Hier gibt es zwei Optionen:

Hier solltet ihr besser auf die zweite Variante setzen, da sie euch von Anfang an mehr unternehmerische Flexibilität gewährleistet. Das gilt selbst in Fällen, in denen ihr zunächst plant, eure Tätigkeit als selbstständiger Trucker auf das Bundesgebiet zu beschränken.

Allerdings sind diese Erlaubnisse erneut nur die Grundvoraussetzung. In der Praxis müsst ihr sowohl generell als auch unterwegs eine große Bandbreite zusätzlicher Dokumente und weiterer Unterlagen in Form der sogenannten Transportbegleitpapiere vorzeigen können. Hier verlangen selbst im geeinten Europa viele Staaten unterschiedliche Papiere. Diese reichen vom Lichtbildausweis über einen internationalen Krankenversicherungsnachweis bis zu den Unterlagen einer Güterschadenhaftpflichtversicherung und etwaigen Ausnahmegenehmigungen – etwa für Sondertransporte.

Weiter müsst ihr in verschiedenen Rechtsthemen fit sein. Konkret sind das:

  • Arbeitsrecht,
  • bürgerliches Recht,
  • Gewerberecht,
  • Güterkraftverkehrsrecht,
  • Handelsrecht,
  • Sozialversicherungsrecht und
  • Steuerrecht.

Hier zeigt sich der Vorteil, die weiter oben erwähnte „Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr“ zu absolvieren – selbst, wenn ihr sie vielleicht rechtlich nicht zwingend braucht, da ihr andere Befähigungsnachweise erbringen könnt: All diese Rechtsthemen stehen dort auf dem Lehr- und Prüfungsplan. Das verhindert wenigstens grundsätzlich, dass ihr über diese sehr vielfältigen und umfassenden Themengebiete stolpert.

Hierzu sei euch dringend empfohlen, nicht nachlässig zu sein. Die verschiedenen Ämter werden keine besondere Rücksicht nehmen, nur weil ihr euer Unternehmen komplett im Alleingang betreibt. Je mehr ihr im Vorfeld lernt, desto leichter wird es euch fallen, all diese Arbeiten und Pflichten irgendwie im anstrengenden Fahrer-Berufsalltag unterzubringen.

Schritt 3 zum selbstständigen LKW-Fahrer: Nötige Versicherungen und Absicherungen

Im vorherigen Kapitel haben wir bereits kurz eine zwingend notwendige Güterschadenhaftpflichtversicherung angesprochen. Das ist letztlich eine Versicherung, die dann einspringt, wenn euch als Frachtführer beziehungsweise dem Frachtbesitzer zwischen Übernahme und Ablieferung Schäden am Transportgut entstehen.

Das können sowohl klassische Beschädigungen als auch Diebstahl und nicht zuletzt Terminüberschreitungen sein – egal, was genau: Ihr als selbstständige LKW-Fahrer seid so lange haftbar, wie sich das Gut in eurer (rechtlichen) Verantwortung befindet. Damit stellt die Güterschadenhaftpflicht einen Teilbereich der vielfältigeren Transportversicherungen dar.

Allerdings handelt es sich dabei beileibe nicht um die einzige vorgeschriebene oder wenigstens sinnvolle Absicherung.

Berufshaftpflichtversicherung Kraftfahrer

Sie ist zwar nicht vorgeschrieben, aber ein wichtiger Schutz gegen alle möglichen Forderungen an euch als Gewerbetreibende. Mehr zur Berufshaftversicherung.

Krankenversicherung

Hier habt ihr meist die Wahl, weiterhin freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu bleiben oder als Selbstständige in die private Krankenversicherung (PKV) zu wechseln – beachtet hierzu gern unseren ständig aktualisierten Anbietervergleich.

Rentenversicherung

Als Kraftfahrer unterliegt ihr (noch) keiner Pflicht, dennoch solltet ihr unbedingt an das Alter denken. Die Rentenversicherung ist zwar nur eine Basis, aber deutlich besser als nichts. Ab 2024 wird in diesem Bereich wahrscheinlich sowieso eine gesetzliche Pflicht eintreten.

Arbeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherung

Hier existieren ebenfalls verschiedene Schutzmodelle. Eines solltet ihr unbedingt haben, falls ihr den Beruf aus irgendeinem Grund einmal nicht mehr ausüben könnt.

Krankentagegeld- bzw. Verdienstausfallversicherung

Ohne jeden anderen Angestellten funktioniert euer Business nur dann, wenn ihr selbst hinter dem Lenkrad sitzt. Geschieht das aus irgendeinem krankheitsbegründeten Anlass nicht, habt ihr keinerlei Einnahmen. Eine Krankentagegeldversicherung kann zwar nur selten euren realen Tagesumsatz ersetzen, doch erneut gilt: besser als gar nichts.

Kraftfahrzeugversicherung

Sie umfasst eure Zugmaschine und den Anhänger/Auflieger. Spart hier bitte nicht am falschen Ende, denn beide Systeme sind eure absolut wichtigsten Assets.

Bezüglich der Versicherungen empfehlen wir, euch unbedingt frühzeitig mit eurer IHK und/oder einem neutralen Berater in Verbindung zu setzen. Was die für euch persönlich beste Option ist, hängt stark von sehr unterschiedlichen Faktoren eures genauen Gewerbes ab. Das macht Pauschalaussagen sehr schwierig. Wenn ihr beispielsweise nur allgemeines Stückgut innerhalb Deutschlands befördert, ist ein gänzlich anderer Ansatz nötig als etwa beim grenzüberschreitenden Gefahrguttransport.

Schritt 4 Finanzierung: Kostenpunkte und Geldgeber

Mindestens 9.000 Euro müsst ihr nachweisen, um überhaupt eine Genehmigung zu erhalten, um euch als LKW-Fahrer selbstständig machen zu können. Ist damit das Thema Geld abgehakt? Keineswegs. Denn für eine dermaßen geringe Summe werdet ihr kaum ein einsatzfähiges Gespann finden – nicht einmal eine einzelne Zugmaschine.

Grundsätzlich solltet ihr unbedingt versuchen, maximal viel Startkapital zusammenzutragen, um euch einen möglichst neuen und somit wenig reparaturanfälligen LKW zulegen zu können – sofern ihr ihn kaufen und besitzen wollt. Bedenkt, dass ihr in der ersten Zeit erst einmal überhaupt Gewinne buchstäblich „einfahren“ müsst. Wenn davon noch Mittel für ungeplante Reparaturen abfließen, wird euer Gewerbe reichlich schwierig zu beherrschen.

Die diesbezüglich tatsächlich beste Option wäre es, einen brandneuen Truck samt Anhänger/Auflieger zu leasen. Erstens, weil ihr dafür signifikant weniger Startkapital benötigt als für den Ankauf einer Maschine. Zweitens, weil ein nagelneues Fahrzeug euch erwartungsgemäß erst einmal keine Probleme verursachen wird – und wenn, dann gelten Gewährleistung und Garantien.

Startkapital als selbstständiger LKW-Fahrer

Insgesamt sprechen wir damit beim Startkapital von circa folgenden Summen:

• Mindestkapital gemäß IHK: 9.000 Euro
• CE-Führerschein: 3.000 Euro
• Leasing Zugmaschine (mtl.): 2.000 Euro
• Leasing Trailer (mtl.): 500 Euro
• Versicherungen (mtl.): 300 Euro

Hinzukommen kleinere Einmalbeträge für die Gewerbeanmeldung, Transportsicherungsmaterialien, BG-Mitgliedschaft, die Büro-Verbrauchsmaterialien und ähnliche Dinge.

Sofern ihr Zugmaschine und Trailer nicht kauft (und ohne je nach Rechtsform notwendige Mindestsummen einzubeziehen), sollten deshalb mindestens 25.000 Euro vorhanden sein. Bedenkt hierzu ebenfalls die Notwendigkeit, genug Kraftstoffgeld für die ersten Aufträge haben zu müssen. In einen LKW-Tank geht sehr viel hinein und die Dieselpreise sind derzeit europaweit enorm hoch.

Finanzierung eures Startkapitals

Am besten wäre es natürlich, wenn ihr diese Mittel aus eigenen Ersparnissen bestreiten könntet. Ist das jedoch nicht möglich, müsst ihr euch wahrscheinlich Wege jenseits der Hausbank suchen – herkömmliche Banken sind äußerst konservativ, was das Gewähren von Krediten an selbstständige Neulinge anbelangt, die noch keine erfolgreichen Jahresabschlüsse vorweisen können. Da ihr (im Vergleich mit anderen Gründungen) nur verhältnismäßig wenig Startkapital benötigt, könnte eines der passenden KfW-Produkte für euch interessant sein.

Bedenkt jedoch immer: Je weniger ihr euch – egal aus welcher Quelle – leihen müsst, desto weniger müsst ihr zurückzahlen und desto schneller seid ihr unternehmerisch wirklich unabhängig.

Schritt 5: Mögliche und sinnvolle Rechtsformen

Wie bereits erwähnt werdet ihr ein ganz normales Transportgewerbe gründen. Damit bekommt die Frage nach der richtigen Rechtsform bereits frühzeitig eine große Bedeutung. Nicht einfacher wird die Lage, weil ihr prinzipiell alle Rechtsformen nutzen könnt.

Die GmbH

Zwar hat sie hohe Startkapital-Hürden (25.000 Euro), dafür ist das Haftungsrisiko jedoch darauf beschränkt und ihr könnt leicht weitere Gesellschafter ins Boot nehmen. Mehr zur GmbH.

Die Unternehmergesellschaft UG

Sie bietet ähnliche Haftungsvorteile wie die GmbH, kann jedoch bereits mit einem Euro gegründet werden. Falls ihr euch dafür entscheidet, nutzt unser UG Gründungspaket.

Das Einzelunternehmen

Ist sehr kostengünstig zu betreiben und hat bis 700.000 Euro Jahresumsatz eine stark vereinfachte Einnahmen-Ausgaben-Steuerberechnung. Das verringert euren Arbeitsaufwand, allerdings haftet ihr mit eurem gesamten Privatvermögen – sehr kritisch.

Erneut solltet ihr hierfür basierend auf eurem konkreten Business-Plan mit eurer IHK im Vorfeld sprechen und vorher gerne unseren Kompass für die passende Rechtsform nutzen. Wichtig ist hierbei nicht nur, was ihr jetzt von eurem Trucker-Startup wollt, sondern wie es künftig weitergehen soll oder wenigstens könnte. Bedenkt bitte hierzu, wie kompliziert es sein kann, die Rechtsform nachträglich zu wechseln.

Schritt 6: Auftragsbeschaffung und Tourenplanung

Größere Transportunternehmen haben Personal, das nichts anderes tut, als den ganzen Tag nach Kunden zu fahnden, die Frachten zu transportieren haben. Prinzipiell wird es für euch als selbstständige Trucker nicht anders aussehen – jedoch mit dem enormen Unterschied, diese zeitfressende Aufgabe irgendwie mit dem reinen Fahren und den Pausenzeiten in Einklang bringen zu müssen.

In der Praxis ist das kaum zu bewältigen. Zumindest für die erste Zeit, bis ihr euch in der Branche wenigstens einen grundsätzlichen Namen erarbeitet habt, empfehlen sich diesbezüglich zwei Herangehensweisen:

  1. Ihr wendet etwas von eurem Startkapital dafür auf, um das Thema Auftragsbeschaffung an ein Drittunternehmen auszulagern. Manchmal bieten größere Speditionen bzw. Transportdienstleister solche Dienstleistungen neben dem eigentlichen Geschäft an, teilweise fokussieren sich jedoch Unternehmen nur darauf als Kerngeschäft.
  2. Ihr nutzt die verschiedenen Plattformen des Netzes, die Transportdienstleister und deren Auftraggeber zusammenbringen. Das ist zwar günstiger als die vorherige Variante, dafür allerdings weniger zielführend, weil eure Auftraggeber sich frei entscheiden können.

Dazu sei euch gleich ein wichtiger Rat gegeben, den ihr nicht nur in der Anfangszeit eurer Selbstständigkeit unbedingt beherzigen solltet: Versucht nicht, Aufträge durch unrealistisches Preis- oder Zeit-Dumping zu erhalten

Die gesamte europäische Transportbranche hat nicht zuletzt deshalb solche Probleme, weil hier sehr scharfe Preiskämpfe ausgefochten werden. Ihr habt als selbstständiger Solo-Trucker bereits deshalb einen gewissen Vorteil, weil ihr nicht auf jeder Tour den Lohn für womöglich dutzende Angestellte und die Betriebskosten eines Firmengebäudes einfahren müsst.

Weiter solltet ihr jedoch nicht gehen:

  • Preis-Dumping ist für euer Unternehmen verheerend, da ihr nun einmal einen gewissen Mindestsatz an Betriebs- und Lebenshaltungskosten habt. Dumping schmälert eure Einnahmen und macht auf lange Sicht eure Selbstständigkeit deutlich unrentabler.
  • Zeit-Dumping hingegen legt euch in einem sowieso schon stressigen Beruf noch mehr Druck auf. Die Risiken, den Kunden zu enttäuschen, werden dabei immer größer, je unrealistischer die Zeitkalkulation wird. Es braucht nur einen Stau, an dem ihr nichts ändern könnt, und ein Auftraggeber bekommt von euch einen schlechten Eindruck. Passiert das mehrere Male, habt ihr in der Branche rasch einen nicht anstrebenswerten Ruf.

Als selbstständiger LKW-Fahrer seid ihr grundsätzlich flexibler und könnt deshalb vielfach generell etwas bessere Konditionen offerieren. Versucht jedoch nicht, in einen „Schlagabtausch“ mit größeren Transportfirmen zu gehen. Dabei könnt ihr nur verlieren. Bei euch kommt es auf jede einzelne Fahrt an, die nicht nur kostenneutral, sondern gewinnbringend sein muss. Die Größeren hingegen können es sich eher leisten, bei einzelnen Touren draufzuzahlen, weil sie das mit anderen Trucks und Fahrten wettmachen können.

Schritt 7: Praktische Tipps für den Alltag

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Auch als selbstständige Trucker unterliegt ihr den ganz normalen Lenk- und Pausenzeiten, die für das gesamte Gewerbe gelten. Das ist in dieser Branche ein signifikanter Unterschied zu fast jeder anderen – wo die Chefs allein bestimmen können, wie viel sie sich zumuten möchten.

Angesichts dessen muss alles, was ihr an administrativen Arbeiten zwangsläufig zu erledigen habt, irgendwie in dieses Zeitfenster eingebunden werden. Zusammen mit der allgemeinen Natur dieses Berufs ergeben sich hierdurch mehrere Tipps, die ihr beachten solltet.

  1. Füllt eure Pausen unterwegs keinesfalls mit Arbeiten anderer Art. Befasst euch höchstens kurz mit der Auftragslage (etwa dem Checken von Portalen oder dem Beantworten von E-Mails).
  2. Richtet euch nach Möglichkeit feste wöchentliche Zeitfenster ein, in denen ihr die administrativen Dinge erledigt. Vor allem, was das Steuerliche anbelangt.
  3. Bindet keinesfalls berufstätige Partner oder Freunde als Hilfskräfte ein. Diese Menschen haben eigene Jobs zu bewältigen und sollten nicht eure Disposition, das Marketing oder die Buchhaltung übernehmen. Wenn ihr das alles nicht allein beherrschen könnt, dann nutzt lieber bezahlte Kräfte. Bereits ein Minijobber kann euch enorm unter die Arme greifen. Und da ihr ein normales Gewerbe gegründet habt, könnt ihr solche Personen ohne zu große Hürden einstellen.
  4. Richtet euch zuhause wenigstens eine kleine Ecke als Home-Office ein. Damit entkoppelt ihr das Administrative vom fahrerischen Teil des Berufs und eurer Freizeit. Andernfalls vermischt sich rasch alles und ihr wähnt euch andauernd „im Dienst.“
  5. Versucht nach Möglichkeit, eure Selbstständigkeit zu nutzen, um euch ein insgesamt harmonischeres, zusammenhängendes Privatleben zu generieren. Beispielsweise durch eine geschickte Tourenplanung, die es euch ermöglicht, häufiger zuhause zu übernachten – besonders, wenn ihr Partner und/oder Kinder habt.

Überdies solltet ihr eure Solo-Selbstständigkeit niemals kategorisch festlegen. Ganz allein als LKW-Fahrer ein Transportunternehmen zu betreiben, ist im Rahmen einer sowieso immer anstrengenden Selbstständigkeit sicherlich ein diesbezüglicher Gipfelpunkt. Selbst eine Legende in der Szene wie Toni Maurer hat das irgendwann einsehen müssen. Er beendete 2013 nach sechs Jahren seine Solo-Selbstständigkeit.

Haltet euch deshalb immer die Option offen und legt die nötigen Geldreserven an, um euer Unternehmen wachsen zu lassen. Das muss kein riesiges Transportunternehmen werden. Doch schon mit vielleicht einem zweiten Fahrer und einem Angestellten für die Planung wird alles deutlich einfacher – gleichsam aber natürlich ebenso etwas komplizierter.

Fazit

Angestellter LKW-Fahrer zu sein, ist nicht mehr die große Freiheit von einst. Doch selbst wenn eine Selbstständigkeit in diesem Gewerbe einen anstrengenden Job noch anstrengender macht, so ist sie die vielleicht einzige Möglichkeit, diese vollumfängliche Freiheit der Straße zurückzuerlangen – und nebenbei nur die Touren fahren zu müssen, die euch wirklich interessieren.

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