Unternehmensnachfolge – Übersicht als Schritt-für-Schritt-Anleitung | Mit Checkliste

Was, wo, wie? – Wenn ihr gründet, könnt ihr alles bestimmen. Dabei müsst ihr gar nicht zwangsläufig ein neues Unternehmen gründen: Gut laufende Unternehmen überdauern Generationen. Die Unternehmensnachfolge ist eine ernstzunehmende Alternative zur Neugründung. In unserem Fachartikel findet ihr alle Informationen zur Unternehmensnachfolge als praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung.

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Was, wo, wie? – Wenn ihr gründet, könnt ihr alles bestimmen. Von Produkt bis Präsentation, von Marketingkonzept bis Logo könnt ihr eure Firma nach euren eigenen Vorstellungen aufbauen. Einfach, das ist nicht von der Hand zu weisen, ist das nicht. Aber die Mühen können sich lohnen: Weil ihr es selbst in der Hand habt, was ihr mit eurem Arbeitsleben anfangt. Dabei müsst ihr gar nicht zwangsläufig ein neues Unternehmen gründen.

Gut laufende Unternehmen überdauern Generationen. Die Unternehmensnachfolge ist eine ernstzunehmende Alternative zur Neugründung. Zumal die Gründergeneration aus der Wirtschaftswunderzeit derzeit in den Ruhestand geht. Etwa die Hälfte der Eigentümer übergeben ihre Unternehmen an die eigenen Kinder oder an andere Familienmitglieder. Doch die andere Hälfte sucht Nachfolger unter bisherigen Mitarbeitern oder externen Interessenten. Wenn ihr ein bestehendes Unternehmen übernehmen wollt, solltet ihr darauf achten, dass es zu euch passt. Ihr dürft keine Angst davor haben, Bewährtes zu behalten und müsst gleichzeitig bereit sein, die Firma innovativ nach euren Vorstellungen weiterzuentwickeln.

Hier findet ihr alle Informationen zur Unternehmensnachfolge als praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Schritt 1 – Unternehmen für eine Übernahme finden

Zunächst einmal geht es darum, ein passendes Unternehmen zu finden, das auch einigermaßen den eigenen Vorstellungen und den eigenen finanziellen Möglichkeiten entspricht. Unternehmen, die einen Nachfolger suchen, findet ihr vor allem auf einschlägigen Börsen.

Außerdem lohnt es sich, im eigenen Umfeld die Augen offen zu halten und Tipps von Bekannten, Freunden oder Branchenkollegen einzuholen. Weitere Helfer: Firmenvermittler (die allerdings meist eine Provision verlangen), Anzeigen in einschlägigen Zeitschriften oder entsprechende Fachzeitschriften und Online-Branchenmagazine.

Schritt 2 – Chemie testen

Viele Unternehmer legen ihr Geschäft nur ungern in fremde Hände und bewerten ihr Unternehmen zudem häufig viel zu hoch. Die „Chemie“ zwischen abgebendem Unternehmer und Nachfolger sollte stimmen, denn bei einer Übernahme sind umfassende Vertragsverhandlungen notwendig.

Schritt 3 – Eure Nachfolge-Idee & das Unternehmen: Passt das zusammen?

Unternehmensnachfolgen können sich sehr unterschiedlich gestalten – in der Praxis solltet ihr deshalb für euch selbst schon im Vorfeld einige wichtige Fragen klären, wenn ihr ein Unternehmen für die Übernahme ins Auge gefasst habt.

  • Was soll bleiben?
  • Was wollt ihr verändern?
  • Wo liegen die Stärken und Schwächen eines Unternehmens?

Eine gute Hilfe dabei sind die SWOT-Analyse und eventuell auch eine Analyse aus Kundensicht.

Schritt 4 – Rechtliche Fragen klären

Noch bevor ihr in konkrete Planungen und Verhandlungen geht, ist es Zeit, euch den Gesetzen und Verordnungen zu stellen, die für eurer Geschäft gelten.

  • Ist eine Betriebsstättenerlaubnis erforderlich? Für einige Betriebe – etwa in der Gastronomie und in der Lebensmittelbranche gelten besondere Ansprüche an einen passenden Standort. Er muss bestimmten baulichen und hygienischen Anforderungen genügen. Im Zweifel müsst ihr euch auf Umbauten einstellen. Denn am Ende steht eine Abnahme des Geschäftslokals oder eures Produktionsbetriebes durch die zuständige Behörde.
  • Gewerbeerlaubnis beantragen Die Industrie- oder Handwerkskammern prüfen, ob ihr die Voraussetzungen für eure Übernahme erfüllt und erteilen die Gewerbeerlaubnis. In manchen Fällen braucht ihr einen Meistertitel. Für zulassungspflichtige Handwerksbetriebe ist eine Mitgliedschaft in der ortsansässigen Handwerkskammer Pflicht.
  • Gewerbe anmelden Beim Gewerbeamt meldet ihr euer Gewerbe an.
  • Berufsgenossenschaft Ob mit oder ohne Angestellte – die Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft ist oftmals Pflicht. Sie ist der Träger eurer gesetzlichen Unfallversicherung, die bei Arbeits- und Wegeunfällen zahlt.
  • Branchenverbände und Innungen Eine Verbandsmitgliedschaft schon in der Gründungsphase hilft euch, denn hier bekommt ihr auch juristischen Rat und Fachberatung.

Schritt 5 – Macht euch einen Fortführungsplan!

Wer ein bestehendes Unternehmen als Nachfolger weiterführen möchte muss natürlich die gleichen Voraussetzungen erfüllen, wie jemand, der neu gründet. Auch die unternehmerische Planung unterscheidet sich nicht so sehr von der einer Neugründung: Eine umfassende Planung in einem Fortführungsplan – dem Äquivalent zum Businessplan – ist auf jeden Fall notwendig.

Was ist das Besondere bei der Erstellung eines Fortführungsplans?

Beim Fortführungsplan geht es darum, die Geschäftsidee im Zuge der Weiterführung zu beschreiben. Aufgebaut wird hier auf dem bereits laufenden Geschäft, den vorhandenen Kundenpotenzialen, und (meist auch) Lieferanten und Mitarbeitern. Die IST-Situation muss daher möglichst genau beschrieben werden. Bei einem Fortführungsplan werden in der Regel noch detailliertere Zahlen und Fakten erwartet, da man aus einem laufenden Geschäftsbetrieb sehr klare Angaben ableiten kann. Angegeben werden müssen auch ein Stichtag für die Unternehmensübergabe, der Kaufpreis und die Rechtsform, in der das Geschäft nach der Übernahme weitergeführt wird. Punkte wie Kapitalbedarfsplanung, Liquiditätsplanung und Risikoplanung sind hier genauso erforderlich wie bei einem Businessplan.

Denkt daran, bei der Finanzplanung eine möglichst genaue Abschätzung zu treffen, bis wann sich die Übernahmekosten aus dem laufenden Betrieb amortisiert haben werden. Markt, Konkurrenzsituation und Zielgruppe für bestehende und für zukünftig beabsichtigte Geschäftsbereiche sollten ebenso genau beschrieben werden wie die vorhandene, interne Organisation und die beabsichtigten Veränderungen.

Schritt 6 – Unternehmen & Geschäft prüfen und bewerten

Als potenzieller Nachfolger müsst ihr das vorhandene Unternehmen „abklopfen“. Umsätze und Gewinne zeigen meist recht gut, wie tragfähig und profitabel ein bestehendes Geschäft ist. Das allein reicht aber meist nicht.

Wer die Entwicklungsmöglichkeiten eines Geschäfts und die Resonanz auf eigene Ideen verlässlich abschätzen möchte, muss schon etwas tiefer blicken, sich mit Kundenstrukturen und mit dem Angebot im nahen Umfeld und der Konkurrenzsituation auseinandersetzen.

Es ist sinnvoll, eine professionelle Due-Diligence-Prüfung durchzuführen oder durchführen zu lassen. Dabei werden ein Zeitraum und ein Datenraum eingerichtet, innerhalb dessen dem möglichen Käufer oder Nachfolger alle erforderlichen Daten zur Verfügung gestellt werden. So kann man das Risiko einer Übernahme mit gebotener Sorgfalt (daher leitet sich der Begriff „Due Diligence“ ab) abschätzen.

In der Praxis lohnt es sich, für eine Due-Diligence-Prüfung spezialisierte Berater und entsprechende Dienstleister heranzuziehen. Der Prozess einer wirtschaftlichen Bewertung eines Unternehmens ist ebenso wie die Gestaltung sinnvoller Verträge für die Unternehmensnachfolge ein komplexes Thema und sollte deshalb von Profis begleitet werden.

Schritt 7 – Kaufpreis und Finanzbedarf ermitteln

Nach der eingehenden Prüfung könnt ihr den Unternehmenswert des Betriebs, den ihr übernehmen wollt, berechnen. Dabei ist größte Sorgfalt an den Tag zu legen: Wer seine Firma verkaufen will, will in der Regel auch den bestmöglichen Preis erzielen. Der Unternehmenswert ist die Grundlage für die Übernahmeverhandlungen, bei denen es schlussendlich auch um den Kaufpreis geht.

Mit dem Kaufpreis ist der Finanzbedarf allerdings noch nicht gedeckt. Bei einer Firmenübernahme kommen noch sogenannte Abwicklungskosten (Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Notare) dazu, außerdem müssen in der Übergangszeit Kosten für Abfindungen gekündigter Mitarbeiter, Sachinvestitionen und Abwicklungskosten (Kündigung von Altverträgen etc.) kalkuliert werden.

Auch bei einer Gründung im Rahmen der Unternehmensnachfolge gilt es, die Vor- und Nachteile einzelner Finanzierungsarten abzuwägen. Informiert euch über Gründerkredite, Fördermöglichkeiten und Bürgschaften.

Schritt 8 – Einarbeitung

Umstrukturierungen einzelner Bereiche können hilfreich sein, um frischen Wind in ein Unternehmen zu bringen und Profite zu optimieren. Gerade langjährige Unternehmer sind hier oft „betriebsblind“ geworden. Dabei ist wichtig: Welche Außenwirkung wollt ihr mit euren Neuerungen erreichen?

Für einen abgebenden Unternehmer stellt das häufig den schmerzhaftesten Bereich bei der Übergabe dar: dass „sein“ übernommenes Unternehmen plötzlich und auf einen Schlag ein völlig anderes „Gesicht“ hat, als die vielen Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte zuvor. Nicht zu unterschätzen: Auch Kunden tun sich oft schwer damit, wenn ein Unternehmen plötzlich „ganz anders“ ist. Das Vertrauen der Bestandskunden sollte im Fokus stehen, aus diesem Grund ist es wichtig, genau zu überlegen wie viel an der Außenwirkung des Unternehmens tatsächlich verändert werden soll.

Es kann in einigen Fällen eine gute Herangehensweise sein, das zu übernehmende Unternehmen gemeinsam mit dem bisherigen Betreiber zu führen: Man lernt den Betrieb, seine Stärken und Schwächen und das Tagesgeschäft sehr gut kennen, kann sich selbst und seine Qualifikation „beweisen“ und eine bessere Verbindung zum alten Eigentümer und den Mitarbeitern herstellen. Oft gestaltet sich eine Übernahme dadurch deutlich leichter.

Schritt 9 – Die Übernahme | Mit Checkliste

Der letzte Schritt auf dem Weg zur Unternehmensnachfolge ist die Gestaltung des Übernahmevertrages, mit dem ihr euer „neues altes“ Unternehmen erwerbt. Der Inhalt des Vertrages wird im Wesentlichen davon bestimmt, welche Rechtsform ihr wählt. Bevor ihr ihn unterschreibt, solltet ihr die folgende Checkliste zur Unternehmensnachfolge abgearbeitet haben.

Checkliste Unternehmensnachfolge

  • Ihr wisst, was ihr wollt und habt eine Strategie für die Übernahmeverhandlungen?
  • Ihr habt den Betrieb besichtigt, persönlich mit dem bisherigen Eigentümer gesprochen, euch eingehend über das Unternehmen informiert?Haben erste Vorverhandlungen stattgefunden (persönliche Gespräche, Betriebsbesichtigung, tiefergehende Informationen ergänzend zum Unternehmensprofil, Besprechung der
  • Die Übergabekriterien und euer Weiterführungskonzepts stehen?
  • Alle Beteiligten des Unternehmens sind von der bevorstehenden Geschäftsübergabe informiert (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten)?
  • Die Finanzierung ist gesichert?
  • Ihr habt alle Vollmachten, um den Betrieb nach der Übernahme reibungslos fortzuführen?
  • Ihr kennt die Ansprechpartner von Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner?
  • Ihr kennt alle besonderen Verträge und Verpflichtungen (Verbindlichkeiten, Steuern, Gewährleistungen), die ihr mit der Übernahme eingeht?
  • Ihr habt die Zahlen des Unternehmens geprüft und eine Bewertung der Firma durchgeführt?
  • Ihr habt alle – von Amts wegen – erforderlichen Genehmigungen und Erlaubnisse?

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