Ein Modegeschäft eröffnen: Selbstständig machen als Modehändler

Wer modebewusst ist und mit dem seinem Fashion-Know-how gerne andere vor Modesünden bewahrt, findet möglicherweise in einem eigenen Bekleidungsladen die berufliche Erfüllung. Allerdings steckt hinter dem Beruf Modehändler viel mehr als eine kompetente Beratung. Hier erfahrt ihr Schritt für Schritt, wie ihr euer eigenes Geschäft eröffnen könnt.

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Schritt 1: Gründungsvorbereitungen für euer Modegeschäft

Bevor ihr eure Geschäftsidee in die Tat umsetzen könnt, müsst ihr unter Umständen erst daran arbeiten, die nötigen Kenntnisse zu erwerben und Voraussetzungen zu erfüllen.

Berufliche Vorkenntnisse im Modebusiness

Anders als in vielen anderen Branchen, braucht ihr nicht zwingend eine abgeschlossene Ausbildung im Einzelhandel, um ein Modegeschäft eröffnen zu können. Dadurch haben auch Quereinsteiger die Chance, sich auf dem Modemarkt zu beweisen. Das bedeutet aber nicht, dass keine fachlichen Kenntnisse erforderlich sind. Denn ein Händchen für Mode zu haben, reicht nicht aus, um auf dem hart umworbenen Markt zu bestehen.

Dafür braucht ihr betriebswirtschaftliches Grundwissen, ein gutes Zahlenverständnis und die Fähigkeit, in wirtschaftlichen Zusammenhängen zu denken. Immerhin macht ihr euch im Einzelhandel selbstständig, wenn ihr euer eigenes Modegeschäft eröffnet. Da kann es nicht schaden, eine Ausbildung oder ein Studium mit Handelsbezug absolviert zu haben und bestenfalls auch schon in diesem Bereich gearbeitet zu haben. Wenn ihr euch bislang damit nicht auskennt, solltet ihr euch vor der Gründung das nötige Grundwissen aneignen – über entsprechende Kurse oder autodidaktisch.
Nichtsdestotrotz solltet ihr ein gutes Gespür für Mode und Trends mitbringen und eure Kunden kompetent beraten können. Dafür ist es unerlässlich zu wissen, welchem Figurentyp welche Kleidungsstücke gut stehen und wie bestimmte Teile sitzen sollten, damit sie gut an jemandem aussehen.

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Das gilt besonders für Kleidungsstücke wie Herrenanzügen, bei denen eine schlechte Passform negativ auffällt. Umso wichtiger ist es, dass der Anzug optimal sitzt und weder zu groß noch zu eng ist. Daher müsst ihr wissen, zu welcher Statur welcher Schnitt passt und was die jeweilige Passform auszeichnet. Ein Anzug in der Slim-Fit-Variante fällt insgesamt sehr schmal aus und ist wegen der figurbetonten Passform eher für sportlich-schlanke Männer geeignet. Dagegen ist ein Comfort-Fit-Anzug vorteilhafter für korpulente Männer, weil Sakko und Hose weiter und länger geschnitten sind. Die Passform Regular-Fit kann von allen Männern gut getragen werden.

Wichtige Charaktereigenschaften als Modehändler

Neben dem Fachwissen sollten auch einige persönliche Voraussetzungen gegeben sein, um sich auf dem Markt zu behaupten: Ihr solltet auf jeden Fall diszipliniert und risikobereit sein. Die ersten drei Jahre gelten als die härtesten und vor allem in der Mode entscheidet sich erst danach, ob sich ein Laden halten kann. Deshalb solltet ihr einiges an Durchhaltevermögen mitbringen. Nicht zuletzt braucht ihr ein gutes Gespür für Modetrends und die Bedürfnisse der Kunden. Auch Eigenschaften wie ein respektvoller und höflicher Umgang mit anderen sowie ein gutes Einfühlungsvermögen sind sehr wichtig.

Und um euch in dem sehr stark umkämpften Markt durchsetzen zu können, solltet ihr auch von Anfang an eure Marktchancen genau überdenken bzw. durch entsprechende Besonderheiten stärken.
Das kann ein ausgefallenes Marketing sein (siehe dazu im Text ganz unten bei Marketing-Ideen) oder ein besonders klug gewählter Standort eures Modeladens.

Finanzielle Voraussetzungen von selbstständigen Modehändlern

Als zukünftige Modehändler solltet ihr außerdem eure finanzielle Situation prüfen, ehe ihr einen Laden eröffnet. Eine Gründung ohne Eigenkapital ist sicherlich möglich, allerdings sehr riskant. Es wird einige Zeit dauern, bis ihr genug verdient, um mit den Einnahmen die laufenden Kosten zu decken und euren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Wer am Ende nicht finanziell kollabieren möchte, ist auf der sicheren Seite, wenn er auf Ersparnisse zurückgreifen kann.
Stellt euch die entscheidende Frage: Wie viel Eigenkapital ist vorhanden und wie viel davon soll oder kann in das Modegeschäft einfließen? Außerdem ist zu klären, welche Fördermittel ihr in Anspruch nehmen könnt. Denn als beginnender Selbstständiger einen Kredit zu bekommen, ist meist recht schwierig und oft erst nach einem Jahr erfolgreicher Geschäftstätigkeit möglich.

Schritt 2: Modeladen – von der Idee zum konkreten Konzept

Ein Businessplan hilft euch dabei, eure Geschäftsidee zu konkretisieren und wichtige Details festzuhalten – unter anderem eine Definition der Zielgruppe und des Sortiments, die Finanzplanung und euer Alleinstellungsmerkmal. Daraus ergibt sich ein klares Profil für den geplanten Laden.

Marktchancen im stationären Modebusiness

Grundsätzlich habt ihr euch nicht das einfachste und sicherste Business ausgesucht. Die allgemeinen Zahlen sprechen erst einmal gegen euch:

Internationale Ketten sind auf dem Vormarsch – Modeanbietern wie Zara oder Primark hatten mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz 2006 noch einen Marktanteil von 46,5 Prozent, 2016 sind es schon 59,4 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Auch die schwedische Modekette H&M hatte 2009 362 Läden in Deutschland, 2018 waren es schon 486. Das Wachstum der Filialen ist weitgehend gestoppt – der Onlineverkauf boomt inzwischen mit zweistelligen Wachstumsraten dank Zalando & Co. Allerdings entdecken gerade die Online-Modehändler, dass Modeboutiquen vor Ort ein wesentliches Marketinginstrument sind. Shoppen gehen ist auch eine Freizeitbeschäftigung.

Deshalb solltet ihr euch anschauen – welche Shopkonzepte die großen Marken verfolgen, vielleicht gibt es hier sogar als Franchisenehmer Potenzial. In jedem Falle aber solltet ihr euer Konzept an die moderne Form des Einkaufens anpassen und euren Kunden etwas bieten.

Recherche ist alles – Kontakte für selbstständige Modeboutique-Besitzer

Diese wichtigen Branchenkontakte solltet ihr kennen, denn hier bekommt ihr aktuelle Zahlen, könnt Hintergründe zu Trends und Labels erfahren.

Übrigens, eine spannende Studie zur Zukunft des Fashion-Markts in Deutschland findet ihr hier.

Der Businessplan für deinen Modeladen

Der Businessplan zeigt nach der Beantwortung einiger zentraler Fragen deutlich, ab wann und unter welchen Bedingungen sich euer Laden wirtschaftlich tragen wird.

  • Was ist meine Zielgruppe und wie will ich sie erreichen?
  • Wie stark ist die Konkurrenz?
  • Wo finde ich den perfekten Standort für mein Modegeschäft?
  • Wie will ich mich von meinen Wettbewerbern absetzen?
  • Wie viel Geld benötige ich für die Anfangsphase?
  • Wie viel muss ich pro Monat/Woche/Tag verkaufen, um meine Kosten zu decken?
  • Ab wann werde ich schwarze Zahlen schreiben?

Lesetipp: Wie ihr einen Businessplan schnell und effektiv erstellt, erfahrt ihr in unserem Fachartikel Basics: In 7 Schritten zum Businessplan.

Zielgruppe und Alleinstellungsmerkmal deines Modeladens

Überlegt euch ein Konzept für euer Modegeschäft, denn davon wird euer Erfolg abhängen. Je klarer eure kundenorientierte Ausrichtung ist, umso leichter wird es, euch auch gegen alteingesessene Konkurrenten zu behaupten. Dafür sind folgende Fragen relevant:

  • Welche Zielgruppe will ich ansprechen – Geschlecht, Alter, Konfektionsgröße, Zahlungskraft?
  • Wie soll mein Sortiment sein – elegant, sportlich, Second Hand?
  • Welches Preissegment möchte ich bedienen – mittlere oder gehobene Preislage?
  • Was hat mein Modeladen, was andere Modeläden nicht haben?

Nur wer seine Zielgruppe und ihre Bedürfnisse genau kennt, kann auch das Produktsortiment dementsprechend ausrichten und die Preise gewinnorientiert festlegen. Das anvisierte Preissegment wiederum gibt die Qualität vor.

Richtiger Standort für deinen Modeladen: geeignete Räume finden

Wer eine Boutique eröffnen möchte, braucht zuallererst einmal Räumlichkeiten. Hierfür müssen Ladenimmobilien angemietet oder gekauft werden. Bei der Entscheidung für die idealen Räume solltet ihr einige wichtige Punkte berücksichtigen.

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Tipps für die richtige Modeladen-Immobilie

Größe: Eine Boutique muss nicht übermäßig groß sein, sollte aber auch nicht zu klein ausfallen. Wie viele Quadratmeter ihr braucht, hängt in erster Linie davon ab, was ihr alles anbieten wollt. Wenn ihr neben Kleidung vielleicht auch Schuhe, Schmuck und Accessoires verkaufen wollt, benötigt ihr entsprechend mehr Platz für Regale, Kleiderständer und andere Hilfsmittel, um die Ware zu präsentieren. Denkt außerdem daran, dass ihr zusätzlich zum Verkaufsraum genug Lagerfläche habt.

Aufteilung: Die Aufteilung der Räume sollte es euch ermöglichen, euer Geschäft ansprechend und praktikabel einzurichten. Gleichzeitig sollten genug Räume vorhanden sein, um zumindest eine Kaffeeküche und ein Büro zum Erledigen des Wareneinkaufs und Papierkrams einrichten zu können.

Standortanalyse: Tipps für die richtige Lage eures Modeladen

Die Räumlichkeiten sind zwar sehr wichtig – entscheidend für den Erfolg eures Ladens ist die Lage. Deswegen ist es ungemein wichtig, eine genaue Standortanalyse durchzuführen, ehe ihr euch für ein Mietobjekt entscheidet. Dabei kommt es vor allem auf folgende Punkte an: Kundschaft, Konkurrenz und Infrastruktur.

Kundschaft: Ohne Kundschaft kein Umsatz. In der Fußgängerzone oder in der Nähe eines großen Einkaufszentrums ist mit deutlich mehr Laufkundschaft zu rechnen als in einem Randbezirk. Beobachtet, wie viele Menschen über den Tag verteilt an eurem potenziellen Laden vorbei kommen.

  • Welche Zielgruppe ist hier vorzufinden bezüglich Alter, Geschlecht und sozialem Status (soweit optisch ersichtlich)?
  • Gibt es Stoßzeiten?

Konkurrenz: Während umliegende Läden anderer Branchen das Geschäft beleben, ist Konkurrenz alles andere als hilfreich. Achtet darauf, dass es möglichst keine oder zumindest nur wenige Läden mit einem ähnlichen Konzept in der Nähe gibt.

Infrastruktur: Verkehrsanbindungen, Parkplätze und breite Gehwege sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für euer Geschäft. Denn wo sie sind, befinden sich potenzielle Kunden.

Mietpreise: Wenn diese äußeren Bedingungen erfüllt sind, erwartet euch natürlich ein entsprechend hoher Mietpreis für euern zukünftigen Laden. Aber besser einen teuren Laden mieten, der gut gelegen ist und ein hohes Umsatzpotential hat, als einen günstigeren Laden, der schlecht gelegen ist und kaum Umsatz abwirft. An ein solches Ladenlokal heranzukommen ist auch eine Kunst und erfordert viel Verhandlungsgeschick und vor allem Geduld. Es kann einige Monate dauern, bis sich eine Gelegenheit bietet.

Perspektivisch suchen: Wer ein gutes Gespür für Stadtentwicklung hat, kann auch überlegen, welches Stadtviertel sich demnächst im Aufwind befindet und dort nach einem Laden suchen. Das ist aber immer etwas risikobehaftet, denn niemand kann garantieren, dass sich das Stadtviertel wie gewünscht entwickelt oder wann.

Die Innenausstattung eines Modegeschäfts planen – wie soll euer Laden aussehen?

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Die Einrichtung eures Ladens muss zwei Kriterien erfüllen: Einerseits muss sie praktisch sein und ihren Zweck erfüllen. Andererseits muss sie ansprechend gestaltet sein, sodass sich eure Kunden später wohlfühlen und gut zurechtfinden.

Wichtig für die Innenausstattung sind folgende Aspekte:

  • Eine klare und übersichtliche Aufteilung,
  • eine gute Passierbarkeit der Gänge,
  • Ordnung in Regalen, Kleiderständern sowie im ganzen Laden,
  • eine ansprechende Schaufenstergestaltung,
  • ein schönes Ambiente (Musik und Deko, die zur Zielgruppe und zum Stil der Ware passen),
  • ein helles, angenehmes Licht sowie
  • frische, unaufdringliche Farben.

Es ist immer ratsam, im Laden und in den Schaufenstern Modepuppen aufzustellen, die Kombinationen aus verschiedenen Kleidungsstücken zeigen. Das gibt euren Kunden eine Entscheidungshilfe und setzt einen weiteren Anreiz zum Kauf.

Schritt 3: Finanzplanung für euren Modeladen

Immens wichtig, damit ihr erfolgreich euren Laden zum Laufen bekommt, ist eine kluge und vor allem ehrliche Finanzplanung. Welches Kosten kommen auf euch zu, wo könnt ihr sparen – wie müsst ihr eure Verkäufe kalkulieren, damit ihr letztlich ein Plus erwirtschaftet. Hier ein paar Tipps für euren Finanzplan.

Kosten für Laden und Einrichtung – das kommt auf euch zu

Für euch als Selbstständige ist die Kosten- und Gewinnkalkulation täglich ein wichtiger Aspekt. Bei der Gründung eines Modeladens entstehen einige Kostenpunkte – sowohl monatliche Fixkosten als auch einmalige Anschaffungskosten.

Kosten für den Modeladen und die Einrichtung

Je zentraler diese Ladenräume liegen, desto höher ist meistens auch der Miet- beziehungsweise Kaufpreis. Diese Kosten müsst ihr als monatliche Fixkosten fest einplanen.

Genauso muss der Laden auch mit Strom und – bei Bedarf für die Personalküche – mit Wasser versorgt werden. Auch das sind feste Fixkosten, die im Kostenplan nicht fehlen dürfen.

Vor der Eröffnung fallen meistens noch Renovierungsarbeiten an, damit das Ambiente des Ladens dem gewünschten Konzept entspricht. Je nach Umfang der Arbeiten müssen Kosten für den Boden, die Wandgestaltung und die Lackierung von Fenstern und Türen gerechnet werden.

Nach der Renovierung geht es ans Einrichten eures Modeladens. Hierbei sollte nicht gespart werden, denn die visuelle Erscheinung ist für den Geschäftserfolg sehr wichtig. Im Wesentlichen braucht ihr folgende Einrichtungsgegenstände:

  • Regale,
  • Kleiderständer,
  • Spiegel,
  • Umkleidekabinen,
  • ein ansprechendes Beleuchtungskonzept,
  • Kassentresen,
  • einen Computer mit Kassensoftware und
  • Ausstattung für den Personalraum.

Denkt außerdem an eine passende Dekoration, mit der ihr euren Laden richtig in Szene setzt. Denkbar sind hier Wandbilder, Lichtschläuche, Schneiderpuppen, Schaufensterpuppen oder Streu-Deko für das Schaufenster. Erlaubt ist alles, was zu eurer Zielgruppe und dem Stil eurer Ware passt.
Je nachdem, wo ihr die genannten Dinge kauft, fallen die Anschaffungen günstig aus. Dennoch summieren sich die einzelnen Posten. Das dürft ihr bei der Kostenkalkulation der Anschaffungen nicht unterschätzen. Grundsätzlich solltet ihr nicht an der Qualität sparen.

Einkauf der Waren – Wichtiges Kalkulation für euren Modeladen

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Wenn die Boutique fertig eingerichtet ist, fehlt immer noch das Wichtigste: Die Waren. Der Wareneinkauf macht den größten und wichtigsten Teil der Finanzkalkulation aus und damit wohl auch den schwierigsten. Schließlich müsst ihr Preise und Qualität vergleichen, Verkaufspreise ausrechnen und daraus eine Umsatzschätzung erstellen.

Ein Risiko tragt ihr als Gründer eines Modegeschäfts schon deshalb, weil ihr in Vorkasse gehen und viel Mode auf Vorrat kaufen müsst, bevor der Laden überhaupt öffnet. Noch dazu müsst ihr vergriffene Stücke nachbestellen. Welche Teile sich als Kassenschlager und welche eher als Ladenhüter entpuppen, ist im Vorfeld schlecht vorherzusagen.

Ein Modegeschäft ist nichts ohne das passende textile Warenangebot. Deshalb muss schon vor der Geschäftsgründung feststehen, woher und zu welchen Konditionen eure Waren kommen. Erst so könnt ihr realistisch kalkulieren, wie groß die Gewinnspanne pro verkauftes Stück sein wird beziehungsweise wie viel ihr pro Tag verkaufen müsst, um von einem profitablen Geschäft sprechen zu können.

Tipps für den Wareneinkauf

Als Neuling in der Branche ist es sehr schwierig an Lieferanten heranzukommen, da die Konkurrenz sehr groß ist. Daher solltet ihr euch noch vor der Eröffnung auf die Suche nach geeigneten Lieferanten machen, sobald klar ist, welchen Stil ihr in eurer Boutique anbieten wollt.

Für eine erste Orientierung ist sicherlich eine Suche im Internet hilfreich. Nehmt in Foren Kontakt mit anderen Boutique-Besitzern auf und holt euch Tipps und Erfahrungsberichte ein. Habt ihr euch für einen bestimmten Lieferanten entschieden, solltet ihr per E-Mail oder Telefon den Kontakt herstellen.

Modeladen: Konditionen bei Wareneinkauf richtig verhandeln

Im nächsten Schritt verhandelt ihr gemeinsam die Konditionen. Dazu gehören Lieferfristen, Rabatte, Rückgaberechte und die Zahlungsmodalitäten. Das setzt fundierte Marktkenntnisse voraus, um die Preise für diverse Textilien einschätzen zu können.

Zudem sollte die Menge der Bestellung davon abhängen, wie gut sich ein Artikel schätzungsweise verkaufen wird. Sichere Voraussagen sind nicht möglich, weswegen immer ein gewisses Risiko bleibt. Um das Risiko breit zu streuen, solltet ihr auf Vielfalt setzen und euch nicht in einseitige Abhängigkeiten mit Lieferanten begeben.

Nie vergessen: Personalgehälter ausreichend kalkulieren

Selbst wenn ihr anfangs allein in eurem Laden arbeitet – ein Unternehmergehalt solltet ihr euch schon zahlen. Dieses muss kalkuliert, festgelegt und in die Kostenkalkulation aufgenommen werden. Außerdem muss auch der eigene Krankenversicherungsschutz in das Personalgehalt eingerechnet werden. Wenn der Laden gut läuft, kann es passieren, dass ihr mehr Personal braucht. Es kann also nicht schaden, bereits zu Beginn einmal durchzurechnen, welche Kosten zusätzliches Personal verursacht.

Schritt 4: Behördliche Schritte zum Modegeschäft – Gewerbeschein, Rechtsform, Steuern

Als Gründer kommen auf euch einige bürokratische Dinge zu, die es zu erledigen gilt, ehe ihr euer Modegeschäft eröffnen dürft.

Anmeldung eures Modegeschäfts – der Gewerbeschein

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Als Gründer eines Modegeschäfts übt ihr ein Gewerbe aus – schließlich wollt ihr Waren auf Rechnung verkaufen und dabei einen Gewinn erzielen. Dafür benötigt ihr einen Gewerbeschein. Beim Gewerbeamt in der zuständigen Gemeindeverwaltung müsst ihr daher diesen Schein beantragen. Hierbei muss angegeben werden, wer das Gewerbe ausüben möchte, welche Tätigkeit innerhalb dieses Gewerbes ausgeübt werden soll und an welchem Ort.

Pflichtmitgliedschaft bei der IHK

Wer als Gewerbetreibender tätig ist, unterliegt der Pflicht, Mitglied bei der für die Region zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) zu werden. Dafür fallen Beiträge an, die sich aus einem jährlichen Grundbetrag und einem Umlageanteil zusammensetzt. Ersterer ist regional festgelegt, zweiterer orientiert sich an euren Jahreserträgen. Laut § 3 Abs. 3 IHK-Gesetz könnt ihr euch unter bestimmten Voraussetzungen zeitlich begrenzt von der Beitragspflicht befreien lassen.

Die Rechtsform für einen Modeladen

Wenn ihr eine Modeboutique eröffnet, habt ihr grundsätzlich freie Wahl, was die Rechtsform eures Unternehmens angeht. Denkbar sind beispielsweise:

  • Einzelunternehmen,
  • GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung),
  • UG (Unternehmergesellschaft) oder
  • GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts).

Bevor ihr euch für eine entscheidet, solltet ihr alle Vor- und Nachteile der jeweiligen Rechtsform abwägen und euch überlegen, welche am besten zu eurem Konzept passt.

Diese Steuern zahlt ihr als Gründer eines Modegeschäfts

Als Gründer kommt ihr nicht um Steuerzahlungen herum. Was für euch anfällt:

Einkommensteuer: Bei der Einkommensteuer wird das Einkommen besteuert. Also euer Gewinn minus Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen. Verdient ihr weniger als 9.168 Euro im Jahr (Grundfreibetrag), zahlt ihr keine Einkommensteuer. Verdient ihr mehr, variiert der Steuersatz je nach Höhe eures Einkommens zwischen 6 und 42 Prozent zuzüglich Kirchensteuer.

Gewerbesteuer: Gewerbliche Einzelunternehmen und Personengesellschaften sind bis zu einem Gewerbeertrag von 24.500 Euro von der Gewerbesteuer befreit. Grundlage des Gewerbeertrags ist der Gewinn beziehungsweise Einnahmenüberschuss. Auf den Gewerbeertrag, der nach Abzug des Freibetrags noch übrig ist, wendet das Finanzamt den Gewerbesteuersatz von 3,5 Prozent an. Diesen Prozentsatz nennt man auch Steuermesszahl. Das Ergebnis ist der Gewerbesteuer-Messbetrag. Der wird anschließend mit dem Gewerbesteuerhebesatz multipliziert. Wie hoch dieser ausfällt, ist je nach Gemeinde oder Stadt unterschiedlich.

Umsatzsteuer: Als Selbstständige schlagt ihr die Umsatzsteuer auf eure Lieferungen und Verkäufe auf. Für Kleidung gilt der Regelsteuersatz von 19 Prozent. Von diesen Umsatzsteuereinnahmen zieht ihr eure eigenen betrieblichen Umsatzsteuerzahlungen ab (Vorsteuer). Die Differenz (Zahllast) zahlt ihr im Rahmen der zunächst monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen an das Finanzamt. Wenn dein Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 22.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird, kommt für euch die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG in Frage.

Schritt 5: Marketing für euren Modeladen

Schon bevor ihr euer Modegeschäft eröffnet, solltet ihr potenzielle Kunden frühzeitig informieren und auf euren Laden aufmerksam machen. Werbemittel wie Flyer, Plakate oder eine Anzeige im örtlichen Anzeigenblatt sind eine gute Investition. Stoffbeutel mit dem eigenen Logo sorgen dafür, dass die Kunden ihre Einkäufe gut transportieren können und dabei gleichzeitig Aufmerksamkeit für die Boutique generieren.

Ein weiteres Werbemittel sind auch Eröffnungsangebote, die beispielsweise auf die ersten zwei Wochen nach Eröffnung begrenzt sind.

Nicht zu unterschätzen ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Erzählt euren Freunden und Bekannten von eurem Projekt mit der Bitte, den Laden im Umfeld bekannt zu machen. Was ebenfalls helfen kann, sind Einladungen, die an einen ausgewählten Kreis verteilt werden, oder Coupons, die nur am Tag der Eröffnung gültig sind.

Ebenso können die sozialen Medien und eine gut aufgebaute, informative Homepage geschickt zur Werbung eingesetzt werden, damit der erste Geschäftstag ein Erfolg wird.

Regelmässige Events zur Kundenbindung

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Deinen Kunden etwas bieten – darum geht es bei der Kundenbindung. Nutzt eure Räumlichkeiten, um mit besonderen Veranstaltungen euch und eure Produkte in Szene zu setzen. Modenschauen, eventuell besondere Screenings von den grossen Modemessen der Welt, Schauwerkstatt oder was euch sonst noch einfällt. In jedem Falle solltet ihr die Events mit Liebe und professionell vorbereiten – euch vielleicht Hilfe von Profis holen, damit das Erlebnis über den Tag hinaus bei euren Kunden im Kopf bleibt.

Individuelles Kundenerlebnis im Modeladen

Der aktuellste Trend bei den Onlinehändlern: Aus den Informationen aus Bestellungen und Retouren erstellen die Händler ganz individuelle Kundenprofile und können so ihren Bestellern besser dabei helfen, die passenden Größen auszusuchen. Ihr habt einen Vorteil: Eure Kunden stehen im Laden. Ihr könnt sofort Passgenauigkeit prüfen. Damit ihr da aber nicht immer von Neuem anfangt: Erstellt euch eine Kundendatei, in der ihr sehr genau Kleidergrössen, eventuell besondere Anpassungen usw. notiert. Kombiniert mit den Stammdaten wie Adresse, E-Mail usw. könnt ihr Kunden auch ganz individuelle Angebote machen.

Der Mode-Online-Shop – schafft euch ein zweites Standbein

Wer heutzutage ein Modegeschäft eröffnen will, sollte sich nicht nur mit der Konkurrenz rund um den eigenen Standort beschäftigen, sondern auch mit der im Online-Sektor. Denn die Online-Konkurrenz ist groß und noch dazu immer verfügbar.

Online-Shops sind eine ernste Bedrohung für den stationären Handel. Gleichzeitig gewinnt der zusätzliche Vertrieb über Plattformen im Internet oder einen eigenen Webshop für den stationären Handel immer mehr an Bedeutung. Das ermöglicht es euch, in ganz Deutschland Kunden zu gewinnen, und ihr seid weniger abhängig von der Laufkundschaft.

Eine eigene Homepage mit integriertem Shop kann außerdem eine Art elektronische Visitenkarte für euren eigentlichen Laden sein – also dazu dienen, mehr Kunden in euer stationäres Geschäft zu locken. Lasst dafür professionelle Fotos von eurem Laden machen und stellt sie auf eure Homepage. Dadurch bekommen die Kunden einen guten Eindruck davon. Denkt auch daran, eine Anfahrtsbeschreibung von Google-Maps hochzuladen, damit Kunden euer Geschäft schnell und einfach finden können.

Außerdem solltet ihr für eure Kunden und Interessenten ein Kontaktformular integrieren, damit sie euch bei Fragen und Anmerkungen erreichen können. Bietet ihnen zusätzlich die Möglichkeit, den Newsletter zu abonnieren. Er ist ein günstiges und sehr effektives Werbemittel, weil er viele Kunden gleichzeitig erreicht und sie über neue Kollektionen, Rabattaktionen und ähnliches informiert.

Wichtig: Beachtet die Impressumspflicht und welche Angaben nach dem Telemediengesetz darin enthalten sein müssen. Bei einem fehlerhaften oder sogar fehlenden Impressum droht eine Abmahnung.

Social Media mit Instagram, Facebook und Co.

Über den Erfolg eures Unternehmens wird die Nähe zu eurer Kundschaft entscheiden. Schafft ihr es, das Einkaufen von Kleidung zum Erlebnis zu machen?

Für diese Nähe gibt es jede Menge Tools, viele davon sind Direktmarketing wie Gespräche, Mails usw. Doch auch mit den sozialen Medien könnt ihr euch bei euren (potenziellen) Kunden im Gespräch halten. Ihr könnt über alle diese Kanäle die neuesten Kleidungsstücke präsentieren, könnt Angebote lancieren oder einfach nur von euch und eurem Laden berichten.

Das wichtigste daran: Macht eine Story draus, die spannend zu lesen ist und über das Produkt hinaus Interesse erzeugt.

Wie das geht, erfahrt ihr hier:

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