Digitale Nomaden: Remote Arbeiten mit finanziellen Freiheiten in aufregend schönen Regionen

Zugang zum Internet gibt es heute mittlerweile ja überall und das W-LAN-Netz ist in vielen Ländern der Erde weitaus schneller und stabiler als in der deutschen Heimat. Was liegt also näher, als den Laptop und das Handy einzupacken und durch die elektronischen Möglichkeiten das Arbeitsleben rund um die Welt zu verlagern? Genau das machen immer mehr junge Leute. Dieser modernen Form von Freiheit widmen wir diesen Artikel.

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Die Pandemie machte das Homeoffice erst zur Pflicht, dann populär und zuvor noch undenkbar, wird die Wohnung zunehmend auch ohne pandemische Maßnahmen zum normalen externen Arbeitsort, was dem Wandel des Arbeitsmarktes geschuldet ist.

Zum großen Teil arbeiten wir am Computer und kommunizieren per E-Mail oder mit Messenger-Diensten, wir „whatsappen“, „skypen“, „teamviewen“ oder telefonieren. Online-Konferenzen sind mittlerweile in allen Firmen üblich. Im holsteinischen Dörfchen für ein Unternehmen in München einen „Job“ am Notebook zu erledigen ist genauso normal wie die Auftragserledigung für einen Kunden in Kopenhagen, während man beispielsweise auf Ibiza Sonne, Strand und Meer genießt. Selbst während einer Weltreise oder bei einer thailändischen Inselexkursion ermöglicht die digitale Job- und Handelswelt Geld zu verdienen.

Noch vor wenigen Jahren galten digitale Nomaden als eine Art „Kuriosum“ – wobei nur die wenigsten Menschen mit dem Begriff überhaupt etwas anfangen konnten. Was früher suspekt betrachtet als skurriler Lebensentwurf erschien, ist mittlerweile absolut „in“: Remote working auf Reisen und überall dort, wo es einem gefällt.

Europas Hotspots: Digitale Nomaden dringend gesucht

Städte wie Berlin, Barcelona, London oder Lissabon sind als Hotspots der Szene gut aufgestellt
und bieten jede Menge Co-Working-Büros an. Weil Corona für enorme Umsatzeinbußen in den Haushaltskassen, im Einzelhandel und in der Gastronomie sorgte, buhlen eine Menge europäischer Ortschaften und Länder momentan heftig um Online-Jobber mit reizvollen Angeboten. Ein guter Zeitpunkt, um kostengünstig in einer abenteuerlichen Region oder einer faszinierenden Stadt für einige Jahre sesshaft zu werden. Griechenland zum Beispiel lockt mit fünfzig Prozent Steuervorteil und baut fleißig das 5G-Netz aus.

Malta

Malta ist schon lange das „El Dorado“ in diesem Berufsgenre und neben den bekannten Annehmlichkeiten inklusive Steuererleichterungen wurde kürzlich die staatlich unterstützte „Malta Digital Nomad Association“ gegründet. Die MDNA unterstützt, hilft, vermittelt und erleichtert das Leben sowie die Arbeit anreisender digitaler Nomaden.

Kroatien

Kroatien beschloss im Dezember 2020 ein „digitales Nomadenvisum.“ Nicht-EU-Residenten
können damit ein Jahr lang dort arbeiten und sind komplett von der Steuer befreit. Voraussetzung ist, dass sie remote im Land für ein oder mehrere ausländische Unternehmen tätig sind. Zuvor durfte man sich nur maximal 90 Tage aufhalten.

Portugal

Portugal erleichtert jobbenden Weltenbummlern den Aufenthalt durch elektronische
Einreiseformalitäten. Selbst ein Bankkonto und eine portugiesische Steuernummer kann man
online beantragen.

Italien

In Italien jedoch gehen die Angebote noch sehr viel weiter und sogar Geldleistungen winken
und kostenlose Mietwohnungen stehen zur Auswahl. Um den Bevölkerungsschwund in
ländlichen Regionen aufzufangen, braucht man Zuwanderung und digitale Nomaden können sich in einigen Dörfern oder Städten komfortabel niederlassen.

Im Herzen der wunderschönen Toscana gelegen lädt das uralte Örtchen Fiora zum Verweilen ein. Abgeschieden zwischen den Naturschutzgebieten „Monte Amiata“ und dem atemberaubenden Tal „Val D`Orcia“ gibt es tatsächlich Highspeed-Internet, von dem man auf dem Lande in Deutschland nur träumen kann. In der anmutigen Naturidylle werden Arbeitsstationen bereitgestellt und das staatliche „SmartVillage-Projekt“ ermöglicht preiswertes Wohnen. Bis zu 200 Euro oder 50 Prozent der jeweiligen Gesamtmiete übernimmt die Gemeinde. In Anbetracht der ohnehin günstigen Mieten in Höhe von durchschnittlich 300 bis 500,- Euro lässt es sich in Fiora angenehm preiswert leben. Voraussetzung ist ein Aufenthalt von mindestens 3 bis 6 Monaten. Wer länger bleiben möchte, wird weiterführend unterstützt. Die digitale Berufsausübung muss jedoch nachgewiesen werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Video-Kochshows oder IT-Programmierungen handelt. Auch Textakrobaten*innen bekommen die Chance.

Eine interessante Alternative bietet die Stadt Rieti in der Provinz Latium, nur knapp 100 Kilometer von Rom entfernt. Das Wohnungsangebot ist phänomenal und die Mietgutscheine können problemlos über sechs Monate hinausgehend verlängert werden. Die Hauptsache ist die Wiederbelebung des traumhaft schönen, aber überalterten Ortes. Rieti würde sich zweifellos als tolle Filmkulisse mit einzigartigem Flair verschiedener Bauepochen eignen. Ein Besuch lohnt sich, vielleicht bleibst du ja gleich dort?

Noch tiefer im Süden des Landes locken acht kalabrische Dörfer zum Umzug und zum Verbleib von mindestens 2, teils minimal 3 Jahren. Eingebettet in die aufregende Berglandschaft oder am Meer gelegen, suchen die Ortschaften Aieta, Albidona, Civita, Caccuri, San Donato di Nidea, Bova, Santa Severina, Sant’Agata del Bianco, Samo und Precarore dringend neue Bewohner*innen. Bis zu 28.000 € können die zugereisten Bürger*innen einmalig oder über einen Zeitraum von drei Jahren als monatliches Einkommen bis zu 1000,- € erhalten, wenn sie bleiben, um ein kleines Unternehmen zu gründen und nicht älter als 40 sind. Interessierte müssen sich bewerben, wobei die Modalitäten zum Jahresende 2022 jedoch noch nicht veröffentlich waren. Wen es eher auf eine Insel mit eigenem Häuschen zieht, findet gleichfalls interessante Angebote. Für Leute mit handwerklichem Geschick haben Sardinien und Sizilien sowie die Region Abruzzen renovierungsbedürftige Häuser für nur einen Euro. Unterstützung der Gemeinden und Alteingesessenen wird garantiert.

Spanien

Spanien ist gleichwohl verlockend und reiht sich in die Länder mit tollen Angeboten für neue
Bürger*innen und Langzeitgäste ein. Wie wär es denn mit einem Leben in Asturien an Spaniens
grüner Küste?

Die Stadtverwaltung des kirchenreichen und verträumten Ortes Ponga lockt Familien mit 3000,- Euro Umzugsprämie und zusätzlich 3000,- Euro für jedes dort geborene Kind an.

Oder eine Provinz südlicher in den Bergen Galiciens, wo Neuankömmlinge mit 100 bis 150,-
Euro monatlich unterstützt werden. Gleichwohl kann man im Nordwesten und im mittleren
Spanien vollständige Dörfer mit allen Gebäuden und Ländereien spottbillig kaufen. Man muss
jedoch ein Konzept mitbringen, wie man den Ort wiederbeleben will und letztendlich einiges
finanzieren, denn die meisten Häuser haben sprichwörtlich schon bessere Zeiten gesehen.

Portugal

Madeira wünscht sich digitale Nomaden. Abenteuerlustige Navigationsschüler in der Lehre bei Heinrich dem Seefahrer entdeckten die bergige, damals noch unbewohnte und von dichten Wolkenmassen versteckte Insel im Jahre 1418. Auf Geheiß von König Johann I, Heinrichs Vater, nahmen sie das Eiland unter Beschlag.  Fortan gehörte Madeira zu Portugal.

Heute ist die Insel touristisch berühmt, dennoch hat die Regionalregierung nun durch die Pandemie arge Sorgen. Mit dem Projekt „Digitalnomads.startupmadeira.eu“ verknüpft sie über die dort schon etablierte Community digitaler Nomaden ihren Aufruf: „Besucht Madeira, arbeitet eine Weile von hier aus für die Welt und genießt das Ambiente auf der Sonnenseite des Lebens.“ Der Plan ist nicht unbescheiden, denn Madeira soll zum „besten Ort der Welt für Remote-Jobs“ werden. Wir sind gespannt!

Praktische Schritte zum digitalen Nomaden

Freiberufler/innen: Wie komme ich an Aufträge oder längerfristige Jobs?

Auftragsbörsen wie „twago“, „fiverr“ oder „freelance“ haben den Trend schon vor Jahren erkannt und nach nationalen Freiberuflern auch digitale Nomaden zur Kernzielgruppe bestimmt. Weltweit gibt es mittlerweile mehr als 100 solcher Jobbörsen, die zusammenbringen, was kompatibel ist: Auftraggeber/in und Auftragnehmer/in. Die Portale berechnen meistens eine Provision und mit Anstieg der Mitglieder wächst deren eigener Marktwert. Doch nur wenige dieser Vermittlungsportale achten auf reale Qualifikationen der Teilnehmenden oder darauf, dass die Anbieter tatsächliche Unternehmen mit seriösen Anliegen sind. Keine Frage: Diese Portale pushen den „Geiz ist geil“ – Faktor. Für Auftragssuchende ist das jedoch unerheblich. Hier findet ihr eine gute Auswahl der besten Jobportale 2022.

Über solche „Jobportale“ kann man seine Reiseleidenschaft finanzieren. So wird nahezu jeder
Leistungsbereich abgedeckt, von der Gestaltung eines Layouts über Texte schreiben bis zur
App-Entwicklung ist alles auffindbar, was man am Computer umsetzen kann.

Verständlicherweise sind solche „Jobs“ im Ausland aufgrund niedrigerer Lebenskosten preiswerter machbar, als es Mitbewerber zu Hause können. Das trifft insbesondere zu, wenn der Hauptwohnsitz nicht in Deutschland liegt und somit auch keine intensiven Fixkosten anfallen. Aber nur solange der Wohnsitz so bleibt wie die Steuernummer mit pünktlicher Abgabe der Erklärungen, ist das digitale Nomadentum als Freiberufler praktikabel, wenn sie nicht länger als 5-6 Monate durchgehend in einem anderen Land leben und arbeiten.

Für Weltenbummler ohne konstanten Steuersitz ist das Leben on tour quasi unmöglich. Einerseits bedarf es stets eines so genannten festen Wohnsitzes, denn ein Visum bekommst du nicht ohne nachprüfbare Meldeadresse. Davon abgesehen müssen immer irgendwo Steuern bezahlt werden, auch eine Krankenversicherung vorhanden sein und die Absicherung im Alter sollte gleichwohl gerade in jungen Jahren berücksichtigt werden. Denn, wer hätte das gedacht, mit zunehmenden Lebensjahren kann es schon bald zu spät für eine angesparte Rente sein.

Hinsichtlich der Steuerzahlungen, und hierbei ist es egal, ob Einkommens-, Umsatz- oder Gewerbesteuer, ist das Internet selbstverständlich auch „umgedreht“ ein riesiger Vorteil: Die
Ausstellung eines Visums ist keine Geheimsache und unterliegt nicht speziellen Datenschutzgesetzen, die es übrigens im Ausland nach europäischen Regeln so gar nicht gibt.

Bedeutet: Es kann zu Querprüfungen kommen. Botschaften oder Konsulate erhalten ebenfalls
tägliche Listen, wie gegebenenfalls auch Fachabteilungen in deutschen Ministerien. Die COVID-Pandemie machte Reisewege noch transparenter als zuvor.

Ergo: Man kann nicht unerkannt durch die Welt bummeln. Spätestens beim Antrag auf Verlängerung eines Touristenvisums würde es zu Komplikationen kommen. Ob USA, Neuseeland, Australien, Philippinen oder Thailand und sicherlich auch viele andere Nationen stellen in solchen Fällen oft die „Gretchenfrage“ …

Wie finanziere ich meinen Auslandsaufenthalt?

Verfügst du über ausreichend Kapital, um dem jeweiligen Staat nicht zur Last zu fallen, wo und wie verdient man sein Geld, beziehungsweise wie hoch ist die monatliche Rente. Oder plant man, im Reiseland zu arbeiten, was der Geltung eines Touristenvisums widersprechen würde.

Es spricht jedoch nichts dagegen, mit der Aufenthaltsgenehmigung als Tourist nebenbei mal „eben“ etwas am Laptop für eine/n Klientin/en zu erledigen. Zum einen erfährt das im Gastland normalerweise ohnehin niemand und zum anderen ist das rechtlich in Ordnung, wenn der Kunde oder der Auftraggeber nicht im Visumbereich lebt und der Lohn de jure weder aus dem Visumland stammt, noch dort de facto entgegengenommen wird. Der Begriff „Steuerpflichtige Arbeit“ wird unterschiedlich definiert und ist selbstverständlich vom Umfang abhängig.

Problematisch wird es, wenn Auftraggeber/innen ebenfalls in dem Land ansässig sind, das du mit einem Touristenvisum oder visumfrei bereist. Bei Reisen als digitale/r Nomade/in lauern die Fallgruben bei Begriffen wie „Arbeitserlaubnis“, Gewerbegenehmigung“, „Steuer und Abgaben zahlen“ und „Einkommen erwirtschaften.“

Ergo: Mit einem Wohn- und Steuersitz in Deutschland oder in einem anderen EU-Land der Wirtschaftsunion erwarten Freiberufler während kurzfristiger Aufenthalte von bis zu sechs Monaten bei Ausübung ihrer digitalen Profession keine besonderen Hürden. Du reichst wie immer deine Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung mit Einkommens- und Umsatzsteuererklärung ein, zahlst deine Steuern und keine Behörde wird dir Probleme bereiten.

Herausforderung Steuer bei längeren Aufenthalten im Ausland

Durch das digitale ELSTER-Programm kann man das auch von unterwegs machen oder vom
Steuerberater erledigen lassen. Letzteres ist natürlich auch bei „Sonderprüfungen“ hilfreich.
Ansonsten wirst du nach Hause reisen müssen, denn bei einer Steuer- oder Betriebsprüfung ist
deine Anwesenheit erforderlich, wenn dich kein/e Steuerberater/in vertritt.

Bleibst du länger als 5 – 6 Monate in einem bestimmten Land außerhalb deines Steuerbezirks, musst du dich um die Arbeits-, Aufenthalts- und Steuergenehmigung kümmern. Innerhalb der EU vermeidet das Doppelbesteuerungsgesetz die Gefahr, in zwei Nationen Abgaben bezahlen zu müssen. Am Schluss des Artikels folgt eine gesonderte Rubrik zu Steuern und Sozialversicherungen.

Aber das geographische Europa beinhaltet nicht nur Länder der europäischen Wirtschaftsunion und somit nicht nur Nationen, mit denen aktuell eine Vereinbarung zur Vermeidung der  Doppelbesteuerung getroffen wurde. Durch den Austritt Großbritanniens hat sich allerhand verändert. Die jeweiligen steuerlichen Rechtsgrundlagen für UK, Irland, Schottland und Wales müssen vor der Einreise individuell geprüft werden, da es unterschiedliche Übergangsfristen und verschiedene Grundlagen gibt.

Einige Tage in den jeweiligen Regionen und „nebenbei“ einen digitalen Auftrag erledigen wird keine Steuerrechtsfragen aufwerfen, jedoch sollten der Aufenthalt und die Tätigkeit nicht ausufern. Die Schweiz ist übrigens auch kein Mitglied der EU. In den USA hat jeder Bundesstaat eine eigene Regelung mit den US-Gesetzen verknüpft und in Australien ist das ähnlich.

Chance für Gewerbetreibende und Händler: Dropshipping

Handel und Gewerbetreibende müssen mehr handelsrechtliche und steuerliche Dinge berücksichtigen.

Aber das klassische Onlinegeschäft bedarf eines Warenlagers mit täglichem Versand und unermüdlichem Einsatz für den Betrieb. Lange Reisen sind also gar nicht möglich. Es sei denn, du hast einen Dropshipping-Shop. Nur das so genannte Streckengeschäft bietet die Rahmenbedingungen, um ohne riskante Vorfinanzierung und ohne Warenlager ein zukunftsorientiertes Unternehmen zu betreiben. Lagerhaltung und Versand der Artikel übernehmen die Dropshipping-Partner und du kannst im Sinne des Wortes unbelastet durch die Welt reisen. Lies dir dafür unsere Anleitung „Selbstständig machen mit Dropshipping – so gehts“ durch.

Im besten Fall läuft dein Laden mit einem modernen Warenwirtschaftsprogramm, dass im Hintergrund alle Besonderheiten von vornherein berücksichtigt: Höhe der Umsatzsteuer, Marge, automatische Bestellabläufe und juristisch sollte dein Shop (hoffentlich) allen rechtlichen Regeln entsprechen. Das Geschäft ist zwar virtueller Art, muss aber einen Firmensitz nachweisen, gegebenenfalls die Gewerbeerlaubnis und ein Impressum mit perfekten Rechtshinweisen.

Ist die Firma in Deutschland registriert und werden alle steuerlichen Auflagen erfüllt, kannst du mit deinem Dropshipping-Unternehmen zum Weltenbummler werden. Die 183 Tage Regel sollte aber auch hierbei eingehalten werden und außerhalb Europas vermeidet ein Blick auf die nationalen Bestimmungen Missverständnisse. Das zusammen ist schon eine Portion Luxus mit finanzieller Freiheit. Doch es geht noch komfortabler, denn nicht nur digitales „jobben auf Zeit“, sondern auch das Auswandern ist innerhalb Europas so einfach wie niemals zuvor.

Wichtige Tipps zum Thema Steuern für Remote-Arbeitende

Grundsätzlich müssen digitale Nomaden „irgendwo“ Steuern bezahlen. Es gilt die „Faustregel“: Dort, wo du deinen Meldewohnsitz hast, werden die Abgaben fällig. Die Ausnahme von der Regel: Wenn du deinen „Lebensmittelpunkt“ ins Ausland verlagerst, bezahlst du in der Nation, in der du deine überwiegende Zeit pro Jahr verbringst (zirka 183 Tage per Jahr).

Das wiederum kann Vor- oder Nachteile haben, je nachdem, wie die die jeweiligen Steuersätze sind.
Grundsätzlich kannst du in der Heimat steuerpflichtig bleiben. Eine doppelte Besteuerung wird
durch das gleichnamige Gesetz vermieden. Zwischen den europäischen Ländern bestehen
Doppelbesteuerungsabkommen, damit keine Doppelbesteuerung anfällt. Die 183-Tage-Regelung
ist Teil des Doppelbesteuerungsabkommens. Sie besagt, dass niemand Einkommensteuer zahlen
muss, der sich weniger als 183 Tage im Kalenderjahr in Deutschland aufhält.

Hast du keinen deutschen Wohnsitz und warst über 183 Tage in einem anderen Land, bist du zu Hause nicht mehr (unbedingt) steuerpflichtig. In diesem Fall gilt die Abgabenpflicht des Landes, in dem du nun ansässig bist.

Im Falle von zwei Wohnsitzen in zwei Nationen stellt sich die Frage, welcher ist der „Hauptwohnsitz“ und wo genau wird der überwiegende Anteil des Einkommens erwirtschaftet?

Übrigens gibt es in unserem und vielen anderen Ländern eine nationale „Zweitwohnsteuer.“ Bedeutet: Man zahlt Abgaben dafür, dass man beispielsweise in Hamburg und gleichzeitig in München eine Wohnung hat. Ob und in welcher Höhe ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Aber auch ohne Wohnsitz in der alten Heimat und ohne geschäftliche oder berufliche Einnahmen kann man in Deutschland steuerpflichtig werden. Der Fiskus unterscheidet nämlich zwischen der „unbeschränkten“, der „beschränkten“ und der „erweiterten beschränkten Steuerpflicht.“ Kaufleute sowie Gewerbetreibende und Freiberufler gelten immer als „unbeschränkt steuerpflichtig.“ Die Beschränkung betrifft beispielsweise Rentner/innen, wobei der Antrag auf „unbeschränkte Steuerpflicht“ sogar zu einer niedrigeren Belastung führen kann. „Das zentrale Finanzamt für Rentenempfänger im Ausland“ informiert dazu.

„Rentenbezug“ beinhaltet ja nicht nur das „Altersruhegeld“, sondern auch Früh- und Erwerbsminderungs-, sowie Unfall- und andere Rentenarten. Was steuerfrei dazu verdient
werden darf, ist relativ präzise geregelt. Alle Staaten tauschen Steuerinformationen aus, man kann der Einkommenssteuer nicht entgehen, sondern nur der summierten Höhe. Konkrete Infos gibt es hier.

Die Gewerbesteuer ist gleichfalls von einigen Faktoren abhängig. Sofern dein Gewerbe in Deutschland angemeldet ist, bleibt die Steuerpflicht selbstverständlich bestehen. Ansonsten würde das Finanzamt deinen Betrieb von Amtswegen mangels Umsätze abmelden. Hier solltest du dich beim Amt direkt oder bei einer Steuerberatungskanzlei erkundigen.

Das gilt auch für die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer). Oftmals lässt sich das „Reverse Charge“ Verfahren anwenden, wodurch die Umsatzsteuerschuld umgedreht wird. Das ist davon abhängig, wo du dich aufhältst, wohin das Geld deiner Rechnungen fließt und wo der Rechnungsempfänger lebt.

Man muss auch zwischen Konsumenten und Firmenkunden unterscheiden. Insbesondere das deutsche Steuerrecht ist kompliziert und wir können die steuerlichen Rechte und Pflichten verständlicherweise nur oberflächlich behandeln. Für Onlineshops gibt es clevere Warenwirtschaftsprogramme, die dir und deinem Steuerberater jede Menge Arbeit abnehmen, weil alle Kosten und Einnahmen inklusive unterschiedlicher Mehrwertsteuersätze von vornherein berücksichtigt und kaufmännisch erfasst werden, (beispielsweise Dropmatix).

Bleibst du nicht in Europa, musst du dich über die Gesetze und Regeln des Landes informieren, in das du einreist. Touristenvisa sind das, was der Ausdruck besagt: Sie werden für touristische Reisen vergeben und dienen nicht der Arbeitsaufnahme oder eines Wohnsitzwechsels. Es ist jedoch so, das auch manche nicht europäische Nationen Einwanderung forcieren. Paraguay, Chile, einzelne Distrikte in Kanada und Alaska beispielsweise belohnen oder unterstützen den Zuzug ins Land.

Achtung Warnhinweis zum Thema Steuern

Die Annahme, man könnte niedrigere Steuersätze im Besuchsland nutzen oder eine im Reiseland nicht bekannte kommerzielle Gewinnerwirtschaftung „vermeintlich“ clever am deutschen Fiskus vorbei kassieren, weil man ein Onlinekonto mit Sitz im Ausland führt, sei gewarnt: Das geht in
der Regel nicht gut und wird als Straftat geahndet. Steuerhinterziehung ist ohne Firmenschachtelsysteme, die ja sogar legal sein könnten, nicht möglich.

Zum einen könnten deine Kunden (wo auch immer) eine Prüfung durchlaufen, was immer zur Folge hat, dass es Querprüfungen gibt. Beispiel: Firma Müller in Reutlingen hat eine Rechnung von dir bezahlt, weil du einen kleinen Job am Laptop bei griechischen Wein erledigt hast. Deine Rechnungsadresse ist Deutschland, aber das bezogene Onlinekonto hat seinen Sitz nicht in deinem Heimatland, den Auftrag hast du in Griechenland erledig und dachtest dir: Na ja, das ist Urlaubs- oder spezielles Reisegeld und wird nicht als Einnahme verbucht. Fataler Fehler, das ist Steuerhinterziehung in „reinster“ Form.

Das Land, in dem du deinen steuerlichen Wohnsitz hast, kann normalerweise dein weltweites Einkommen besteuern, egal ob aus Erwerbstätigkeit oder Vermögenserträgen. Hierzu gehören Löhne und Gehälter, Renten, Sozialleistungen, Einkommen aus Vermögen oder aus anderen Quellen sowie Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von Immobilien überall in der Welt.

Nicht nur, aber insbesondere die EU-Länder tauschen regelmäßig entsprechende Informationen aus, um sicherzustellen, dass Steuerpflichtige ihren Verpflichtungen nachkommen, und um Geldwäsche, Steuerbetrug und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Dein/e Sachbearbeiter/in beim zuständigen Finanzamt gibt dir Auskünfte und selbstverständlich sind Finanzämter nicht „böse“ oder „nur hinter deinem Geld her“, das ist ein polemisches Vorurteil.

Wichtige Tipps zum Thema Sozialversicherung für Remote-Arbeitende

Renten- und Kranken- und Pflegeversicherung: Als digitale Nomadin oder Nomade wirst du
vermutlich nicht in deiner oder einer anderen Firma angestellt sein. Insofern musst du ohnehin
für deine Altersversorgung sorgen, wofür es verschiedene Methoden gibt. Auch für deine Pflege- und Krankenversicherung bist du selbst verantwortlich. Krankheiten und Unfälle im Ausland sind jedoch nicht immer von deiner deutschen privaten oder gesetzlichen KV gedeckt.

Du benötigst einen zusätzlichen Schutz während deiner Reisen: Lese deinen aktuellen Versicherungsvertrag sehr genau durch und informiere dich gezielt. Verbleibst du länger als nur einige Monate, empfiehlt sich eine Versicherung direkt vor Ort. Die gesetzlichen Krankenkassen europäischer Länder sind unterschiedlich. Das schlichtweg „beste“ gesetzliche KV-System bietet unserer Meinung nach Österreich, das Teuerste und von den Leistungen her unsinnigste ist gleich nebenan in der Schweiz.

Um entsprechende Studien und ganz besonders um das „Kleingedruckte“ in Versicherungsverträgen kommst du nicht herum. Sofern du in der deutschen gesetzlichen KV versichert bist, solltest du den Vertrag zunächst keinesfalls kündigen, denn eine neue Versicherung zu finden ist mit Hürden  verbunden.

Disclaimer/Redaktioneller Hinweis

Für diesen Report führten wir Informationen aus dem Jahr 2021 und 2022 unterschiedlicher Medien zusammen. Die Regionen und Angebote können sich geändert haben. Quellen: CNN Europe, Handelsblatt, La Repubblica, La Stampa, digitalnomads.startupmadeira, La Vanguardia. Die genannten Regeln, Rechte und Pflichten in den Rubriken „Steuern und Versicherungen“ konnten wir nur  skizzieren und sie beruhen auf den Grundlagen mit Stand Mai 2022. Es bedarf immer der jeweiligen individuellen Prüfung, was wann wo für wen und welchen Erwerbszweck gilt. Du musst dich persönlich kümmern, darum führt kein Weg vorbei. Unser Artikel kann die Steuer- und Versicherungskomplexität nur skizzieren und keinesfalls eine sachkundige Beratung ersetzen.

Über die Autoren

Jasmin Hoffmann (28) ist gelernte Industriekauffrau aus Rheinland-Pfalz. Zunächst bei einem Automobilzulieferer tätig, wechselte sie umständehalber 2016 in die Werbebranche mit IT Schwerpunkten. 2017 startete sie zusammen mit Fabian Siegler ihre berufliche Selbstständigkeit und gründete vier heute erfolgreiche Beratungs- und Softwareunternehmen im eCommerceMarkt.
Insbesondere Frauen möchte die Kauffrau für den Internethandel begeistern und steht Interessierten gerne mit Rat und Tat zu Verfügung. Jasmins Geschäfts- und Lebensgefährte Fabian Siegler ist seit 2018 anerkannter Sachverständiger für Dropshipping und Internetmarketing beim Bundesamt Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter e.V. 2022 erschien die zweite, aktualisierte Auflage seines Fachbuch-Bestsellers: „Finanzielle Freiheit durch Dropshipping.“ Das Erfolgsduo lebt seit 2017 auf Mallorca.

Andreas Vones (64) war fünfundzwanzig Jahre als freiberuflicher Fotojournalist tätig und bereiste mehr als 20 Nationen. Vor Erfindung des Internets lebte und arbeitete er unter anderem zwei Jahre in Ländern des mittleren Orients und in Südamerika. Seit 2005 bietet der ehemalige Reporter als Experte für Medien und Storytelling mit seiner Agentur AV TEAM PRESS die Dienstleistungen Öffentlichkeitsarbeit sowie klassische PR inklusive StorytellingVideoproduktionen an.

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