Selbstständig machen als Maschinenbauer: Ingenieurbüro eröffnen

Mehr Abwechslung im Berufsalltag, weitreichende Einblicken in verschiedene Unternehmen und ein breiteres Arbeitsfeld – sich als Maschinenbauingenieur selbstständig zu machen hat so einige Vorteile. Doch worauf müsst ihr achten bei der Gründung eines Ingenieurbüros?

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Nach einem Maschinenbaustudium bieten sich euch zahlreiche berufliche Perspektiven. In Deutschland und auf der ganzen Welt sind fundierte Ingenieurkenntnisse gefragt. Die besten Voraussetzungen also, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wenn ihr euch für eine Existenzgründung als Maschinenbauer entscheidet, solltet ihr die Chancen und Risiken gut abwägen und auch mögliche Alternativen (etwa die Option des Freelancers) prüfen.

Schritt 1 zum Selbstständigen Maschinenbauer: Vorbereitung | Ausbildung | Fähigkeiten

Angestelltenverhältnis, Selbstständigkeit oder doch Freelancer?

Viele Absolventen entscheiden sich nach ihrem Maschinenbaustudium für ein lukratives Angestelltenverhältnis. Für die meisten Maschinenbauer sind ein sicheres Einkommen und eine solide Karriere wichtiger als die Chance auf eine berufliche Selbstbestimmtheit, die allerdings ein gewisses unternehmerisches Risiko birgt. Wenn ihr die Selbstständigkeit wählt, solltet ihr die formalen Voraussetzungen, die Chancen und Risiken sowie die finanziellen Aspekte genau kennen, um euer Vorhaben gut voranbringen zu können.

Ihr könnt euch nicht entscheiden? Dann ist die Tätigkeit als hochqualifizierter Freelancer für euch womöglich eine spannende Alternative. Als solche könnt ihr euch auf Projektarbeiten spezialisieren und auf diese Weise immer neue Auftraggeber beziehungsweise Aufträge sichern. Wenn ihr euch für diese Option entscheidet, tragt ihr im Vergleich zum Gewerbe ein geringeres finanzielles Risiko. Allerdings müsst ihr euch stetig um Nachfolgeprojekte bemühen, da die Aufträge in aller Regel zeitlich begrenzt sind. Die Chancen und Perspektiven in diesem Bereich sind sehr gut, da immer mehr Unternehmen flexibel mit Freelancern zusammenarbeiten möchten oder müssen.

Ausbildung zum Maschinenbaueringenieur

Als Maschinenbauingenieur seid ihr an der Entwicklung, Konstruktion und Produktion von Maschinen und Anlagen beteiligt. Im Studium „Maschinenbau, Maschinenwesen oder Materialwissenschaft“ spezialisiert ihr euch in aller Regel auf eine bestimmte Branche oder ein bestimmtes Einsatzgebiet, etwa die Automobilbranche, die Luft- und Raumfahrttechnik oder auch auf die Landwirtschaft.

Möglich ist ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule, nach sechs Semestern bekommst ihr einen Bachelor of Science (B.Sc.) oder Bachelor of Engineering (B. Eng.), für den höher qualifizierenden Abschluss Master of Science (M.Sc.) bzw. Master of Engineering (M. Eng.) müsst ihr noch weitere vier Semester studieren.

Gute Vorbereitung der Existenzgründung ist das A und O

Die Euphorie ist groß und ihr könnt es kaum noch erwarten, die ersten Maschinenbauaufträge zu übernehmen? Das ist verständlich. Doch bevor es losgeht, solltet ihr euch eine selbstkritische und ehrliche Sichtweise aneignen. Der Grund: Viele gründungswillige Maschinenbauer (das gilt natürlich auch für andere Berufe) unterschätzen die Herausforderungen einer Selbstständigkeit.

Macht euch diesbezüglich klar, dass neben euren Fachkenntnissen auch die Unternehmensführung und Buchhaltung eine Rolle spielen werden. Wem in diesen Bereichen Kenntnisse fehlen, der sollte ehrlich zu sich selbst sein und sich das notwendige Wissen aneignen, beispielsweise über Weiterbildungen im Bereich Buchhaltung und Unternehmensführung.

Tipp: Wenn ihr euer Unternehmen aus dem Studium heraus plant, könnt ihr euch frühzeitig ein Netzwerk aufbauen und euch so bereits vor der Unternehmensgründung ausreichend Ressourcen sichern. Ein großes Kundennetzwerk ist neben fundierten Kenntnissen in den genannten Bereichen essenziell, um euer gegründetes Unternehmen zielfokussiert voranzubringen.

Spezialisierung… eure größten Chancen im Markt

Als Maschinenbaugründer gibt es eine ganze Menge von Industriezweigen, in denen ihr euch spezialisieren und mit Innovation den Markt erobern könnt.

Existenzgründungen als Maschinenbauingenieur im Anlagenbau

Beim Anlagenbau gründet ihr euer Unternehmen durch Innovationen im Maschinenbereich. Insbesondere mit Spezialmaschinen, die zwar teuer in ihrer Entwicklung, aber dann sehr ertragreich sein können, gibt es auch weiterhin große Chancen. Größte Herausforderung ist es hier, neben der Entwicklung eines Produktes, dass im Markt wirklich bestehen kann, die Finanzierung eurer Entwicklungszeit und Aufbau der Produktion. Deshalb müsst ihr in eurem Businessplan die Kosten und die potenziellen Gewinne seriös und detailliert darstellen.

Gründung im Maschinenbau

Auch im Maschinenbau entwickelt ihr Maschinen neu oder weiter – dank der Digitalisierung steckt hier viel Potenzial in der Vereinfachung, Verkleinerung und Mobilisierung von Maschinen. Vergesst hier auch nicht das Umsatzpotenzial im Service: mit Reparatur, Wartung und Personaleinarbeitung könnt ihr hier dauerhaft Gewinne erzielen.

Maschinenbaugründer als Zulieferer

Zulieferer in industrieellen Fertigungen kann ebenfalls ein lohnenswertes Ziel sein. Hier müsst ihr darauf achten, dass ihr euch nicht zu abhängig von wenigen Großkunden macht.

Existenzgründung im Metallbau

Gründet ihr in der Metallerzeugung und Metallbearbeitung, dann werdet ihr  in der Regel Zulieferer für Fahrzeugbau, Maschinenbau und Baugewerbe sein und vor allem Stahlerzeugnisse herstellen. Achtung: Diese Branche setzt ein besonders hohes Startkapital voraus.

Existenzgründung in der Umwelttechnik

Besonders große Chancen bieten Gründungen in der Umwelttechnik: der technische Umweltschutz ist sehr innovationsstark, Ziel ist häufig, durch neue Technologien und Eigenentwicklungen Energie und Rohstoffkosten zu senken oder neue ökologische Richtlinien besser einzuhalten. Gerade mit der angepeilten Energiewende sind hier viele Potenziale zu heben.

Software für die Industrie

Auch hier steckt noch viel Potenzial für Gründer: Mit cleveren Softwarelösungen den Anlagenbau, die Logistik, die Automatisierung anzutreiben, ist ein lohnenswertes Geschäft.

Analyse der Ausgangssituation und Markteinschätzung

Mit einem Studium im Bereich Maschinenbau habt ihr je nach Schwerpunkt und bereits vorliegender Berufserfahrung die Möglichkeit, euch mit einer innovativen Idee selbstständig zu machen. Wie erwähnt, beginnt der Gründungsprozess am besten schon während des Studiums. Um mehr Absolventen für die Selbstständigkeit zu begeistern, bieten immer mehr Universitäten heute spezielle Förderprogramme an. Daneben könnt ihr Beratungsangebote in Anspruch nehmen und euch erste Kenntnisse zum Thema Existenzgründung aneignen.

In jedem Fall solltet ihr für eure Unternehmensgründung den Markt analysieren und prüfen, ob ihr mit eurer Geschäftsidee eine „Marktlücke“ schließen könnt. Eine genaue Marktanalyse setzt ein Gespür für technische Entwicklungen und eine gewisse Marktkenntnis voraus. Welche Geschäftsausrichtung verspricht gute Entwicklungschancen? Gibt es für bestimmte technische Probleme bereits adäquate Lösungen?

Diese und weitere Fragen mit strategischer Bedeutung gilt es zu erörtern und in einem professionellen Businessplan zu beantworten. Maschinenbauer können und müssen natürlich nicht nur Maschinen fertigen, sie bieten auch technische Services an, wie etwa spezielle Prüfverfahren. Im Studium wird hier durch die Wahl einer Vertiefung (zum Beispiel Fertigungstechnik, Anlagenbau, Mechatronik, Kraftfahrzeugtechnik, Umwelttechnik, Medizintechnik) oft schon eine Richtung vorgegeben. Spielt ihr schon lange mit dem Gedanken, euch im Bereich Maschinenbau selbstständig zu machen? Dann behaltet neben euren Interessen auch die Nachfrage am Markt bei der Wahl einer Vertiefung im Auge!

Businessplan – eure Gründungsgrundlage als Maschinenbauingenieur

Ein valider Businessplan ist unerlässlich, um externe Kapitalgeber zu überzeugen. Je Geschäftsmodells und vorhandenem Eigenkapital benötigt ihr in der Gründungsphase hohe Geldsummen – solltet ihr etwa im Anlagenbau unterwegs sein, reden wir von Millionen. Mit dem Businessplan bringt ihr Chancen und Entwicklungspotenziale eurer Geschäftsidee auf den Punkt, klärt die Finanzierbarkeit eures Vorhabens und schafft euch auch einen langfristigen Plan, wie ihr die Gründung Schritt für Schritt organisiert.

Nicht zuletzt ist der Businessplan auch eine Argumentationsgrundlage für eure Finanziers: Banken sind bei der Kreditvergabe sehr zurückhaltend und benötigen handfeste Argumente. Ihr solltet euch auf diesem Wege auch mit alternativen Finanzierungsformen auseinandersetzen.

Schritt 2 zur Gründung als Maschinenbauer: Praktische Schritte

Freiberufler oder Gewerbetreibender

Gründet ihr ein Ingenieurbüro, müsst ihr vorab klären, ob das Finanzamt euch den Status als Freiberufler anerkennt. Dafür beantragt ihr beim Finanzamt eine Steuernummer, anhand des Fragebogen zur steuerlichen Erfassung entscheidet das Finanzamt über den Status. Der Ingenieur ist ein so genannter Katalogberuf und zählt damit zu den freien Berufen. Die Vorteile als Freiberufler:

  • ihr zahlt keine Gewerbesteuern
  • keine Verpflichtung zur Mitgliedschaft in der IHK
  • ihr könnt die vereinfachte Gewinnermittlung mittels Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) nutzen
  • ihr seid nicht zur Erstellung handelsrechtlicher Bilanzen verpflichtet

Alternativ müsst ihr als Gewerbetreibender gründen. Wird euer Ingenieurbüro als Gewerbe eingestuft, ist eine Meldung beim Gewerbeamt Pflicht. Das wiederum informiert alle weiteren Behörden und Institutionen. Der Umfang der Anmeldung richtet sich nach eurem konkreten Leistungsangebot. Eine erweiterte Gewerbeanmeldung mit Erlaubnispflicht ist beispielsweise erforderlich, wenn sicherheitsrelevante Bereiche betroffen sind. Wenn ihr euch unsicher seid, ob dies für euch zutrifft, sucht frühzeitig das Gespräch mit dem zuständigen Gewerbeamt und lasst euch beraten.

Rechtsformen für euer Ingenieurbüro

Bei der Unternehmensgründung solltet ihr ferner über eine geeignete Rechtsform nachdenken, um die Haftungsverhältnisse und Handlungsbefugnisse optimal gestalten zu können. Gerade die Haftung spielt eine große Rolle, da eine Firmengründung immer mit einem gewissen finanziellen Risiko verbunden ist.

Je nachdem, ob ihr als Freiberufler unterwegs seid oder eben doch ein Gewerbe gegründet habt, entscheidet sich auch die für euch passende Rechtsform. Mehr dazu hier: Unternehmensformen im Überblick | Das müsst ihr über UG, GmbH, Einzelunternehmer, AG, GbR und KG wissen

Absicherung: Versicherungen, KV

Wenn ihr euch als Maschinenbauer selbstständig macht, müsst ihr eure persönliche Absicherung selbst in die Hand nehmen. Das heißt, dass ihr neben der Altersvorsorge auch die Kosten für die Krankenversicherung selber zu tragen habt. Möglicherweise kommt für euch die private Krankenversicherung (PKV) infrage. In der PKV profitieren Selbstständige von guten Leistungen sowie einkommensunabhängigen Beiträgen. Mehr dazu und eine Übersicht findet ihr hier: Private Krankenversicherung für Selbstständige & Freelancer im Vergleich

In Bezug auf sinnvolle Betriebshaftpflichtversicherungen solltet ihr die möglichen Gefahren prüfen, die sich aus eurem Angebotsportfolio ergeben können.

Schritt 3: Organisation und Finanzierung

Finanzplanung: Fördermöglichkeiten prüfen und ausschöpfen

Ein aussagekräftiger Businessplan fasst die eigene Geschäftsidee kompakt zusammen. Er dient als wichtige Grundlage, um potenzielle Kapitalgeber von dem Geschäftskonzept zu überzeugen. Je nach Umfang des Geschäftsmodells und dem vorhandenen Eigenkapital ist es möglich, dass ihr in der Gründungsphase große Geldmengen aufbringen müsst.

Der Businessplan erfüllt den Zweck, sämtliche Chancen eines Geschäftskonzepts auf den Punkt zu bringen. Neben der eigentlichen Geschäftsidee solltet ihr euch auch frühzeitig mit der finanziellen Planung befassen, zumal diese im Businessplan ohnehin eine wichtige Rolle spielt. Grundsätzlich zeigen sich Geldinstitute sehr zurückhaltend, was die Vergabe von Krediten betrifft, insbesondere wenn diese größer ausfallen. Daher müssen sich viele Gründer mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten auseinandersetzen.

Start-ups können in Deutschland zahlreiche Fördertöpfe ausschöpfen. Neben der erwähnten Beratungsförderung gibt es unter anderem den Gründungszuschuss. Diesen erhalten Empfänger von ALG I als finanzielle Hilfe in der Anfangszeit ihrer Selbstständigkeit. Außerdem können Empfänger von ALG II das Einstiegsgeld als finanzielle Unterstützung beantragen, wenn sie sich selbstständig machen möchten. Einen Überblick über weitere Förderprogramme für Gründer bietet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Finanzierung für Gründer

Der Gründerküche Leitfaden

Vernetzung über die Berufsverbände

Als freberuflicher Ingenieur solltet ihr überlegen, einem Berufsverband oder Berufsverein beizutreten, der eure Interessen vertritt. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) bietet beispielsweise eine Gründerberatung an und sorgt durch seine hohe Mitgliederzahl von rund 150.000 Ingenieuren für eine gute Vernetzung innerhalb der Branche. Für beratende Ingenieure gibt es den Verband Beratender Ingenieure (VBI).

Und es gibt noch spezialisiertere Verbände.

  • Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV)
  • Verband Deutscher Eisenbahningenieure (VDEI)
  • Ingenieurverband Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (IWSV)
  • Ingenieure für Kommunikation (IfKom)
  • Verband des Technischen Dienstes der Bundeswehr (IGBI)

Schritt 4: Erste Kunden und Marketing

Eure Flexibilität in puncto Arbeitszeit und auch -ort hat natürlich auch ihren Preis: Um an Aufträge zu kommen, werdet ihr Marketing und Akquise betreiben müssen, um eure Auftragsbücher zu füllen.

Heutzutage schafft sich beinahe jeder Kunde erst einmal über das Internet Überblick über angebotene Dienstleistungen. Eine benutzerfreundliche Website ist also das Aushängeschild schlechthin, wenn es um effektives Marketing geht. Eine übersichtliche Homepage sollte ausführliche Beschreibungen zu den entsprechenden Angeboten enthalten. Auch ein Formular bzw. die nötigen Daten zur Kontaktaufnahme, Adresse sowie Google MyBusiness Eintrag sollten deutlich ausgewiesen sein.

 

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