Gründen in Mannheim – Das müsst ihr über das Gründerökosystem wissen

Mannheim ist noch nicht auf der Startup-Top-10 und doch bietet die Stadt ein erstaunlich gründerfreundliches Umfeld mit vielen Playern und Unterstützern.

5/5 (4)

Mannem zählt nicht gerade zu den offensichtlich coolen Spaces für Gründer. Doch wie bei vielen Großstädten, die es noch nicht auf die Best of-Liste der Gründerökosysteme geschafft hat, ist das unbegründet. Man kann die drittgrößte Stadt von Baden-Württemberg getrost als Hidden Champion bezeichnen. Denn Mannheim ist heute nicht nur eine bedeutende Industrie- und Handelsstadt, Universitätsstadt und wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Frankfurt am Main und Stuttgart, hier steht auch der zweitgrößte Rangierbahnhof Deutschlands und einer der bedeutendsten Binnenhäfen Europas.

Mannheimer Innovationsgeist seit Anfang des 19. Jahrhunderts

In Mannheim baute 1817 Karl Drais das erste Zweirad, 1880 wurde von Werner von Siemens der erste elektrische Aufzug vorgestellt, 1886 rollte das erste Automobil von Carl Benz über die Straßen, 1921 folgte der Lanz Bulldog. In derselben Landmaschinenfabrik arbeitete auch Andreas Flocken, der Erfinder des ersten deutschen Elektroautos. Im Jahr 1924 erhielt Hugo Stotz ein Patent für die Erfindung des Leitungsschutzschalters. Und der Mannheimer Julius Hatry konstruierte 1929 das erste Raketenflugzeug der Welt.

Faktor 1: Gutes Gründerumfeld – Der Wirtschaftsstandort Mannheim

Die goldenen Zeiten der Mannheimer Industrie sind nicht vorbei: Global Player wie SAP, BASF, ABB, Reckitt Benkiser, Freudenberg, Roche Diagnostics, Fuchs Petrolup, Heidelberger Druckmaschinen oder Bilfinger haben heute ihren Sitz in der Metropolregion Rhein Neckar. Damit gilt die Region als einer der stärksten Wirtschaftsräume Europas.

Am stärksten ist die Elektro- und Maschinenbauindustrie, vertreten durch so namhafte Unternehmen wie Daimler (Motoren), EvoBus, ABB, General Electric, Bombardier, John Deere, Caterpillar Energy Solutions usw.

Stark ist auch die chemische Industrie, etwa mit Roche, Unilever und Essity.

Für Fintech-Startups könnte die Anzahl großer Versicherungsunternehmen interessant sein: Die Mannheimer Versicherungen und die Inter Versicherungsgruppe haben hier ebenso ihren Sitz wie ein zentrales Schadensbüro der Neue Rechtsschutz Versicherung und Niederlassungen der SV SparkassenVersicherung sowie der Ergo Versicherungsgruppe.

Vorteile für Gründer:

Starke und große Unternehmen in der Region sind wichtige Partner für die Gründerszene. Ihr könntet zum Beispiel als Werkstudenten erste Erfahrungen sammeln und vor allem erste Kontakte knüpfen und eure Gründeridee schon mal in einem professionellen Umfeld entwickeln und testen.

Viele der Unternehmen suchen ständig nach Innovationen, betreiben Hubs und Gründerzentren sowie Acceleratoren. Hier gibt es Bedarf und auch Geld für eure Ideen.

Faktor 2: Die besten Betriebswirtschaftler kommen aus Mannheim

Ok, die steile These können wir nicht belegen – aber die Universität Mannheim gilt als die beste Universität für Wirtschaftswissenschaften in Deutschland. Und wie beinahe jedes Startup-Team weiss: spätestens in der Skalierung werden Sales-Experten dringend gesucht.

Abgesehen davon gibt es exzellente Technische Hochschulen und Universitäten im nahen Umfeld Mannheims: Neben den drei klassischen Universitäten Freiburg, Heidelberg und Tübingen bieten die Universitäten Hohenheim, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Stuttgart und Ulm ihre jeweils eigenen Fächer- und Forschungsschwerpunkte. Karlsruhe und Stuttgart etwa konzentrieren sich auf Ingenieur- und Naturwissenschaften. Ulm setzt auf natur-, ingenieurwissenschaftliche und medizinische Fächer.

Und mit dem Projekt DHpreneur will die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) den Gründergeist im Land zusätzlich fördern: Als größte Hochschule des Landes und mit ihren neun Standorten hat sich die DHBW das Ziel gesetzt, in drei Jahren ein dynamisches Gründerökosystem zu aktiviert und eine muntere Gründerkultur in Studium und Lehre zu etabliert. Gestartet wurde in Karlsruhe und… Mannheim!

Vorteil für Gründer:

Starke Uni… starke Gründerszene. Das ist ein Umkehrschluss, der inzwischen beinahe immer funktioniert. Kaum eine Uni hat heute das Potenzial studentischer Gründer nicht verstanden und bietet mit mehr oder weniger Aufwand Seminare, Vorlesungen oder Betreuungs- und Beratungsleistungen für Gründer an. Entrepreneurship aus der Uni heraus hat viele Vorteile – vor allem eine erste Grundfinanzierung und der geschützte Raum, auch Innovationen aus der Hochtechnologie aufbauen zu können, sprechen für diesen Weg.

Faktor 3: Acht Gründerzentren auf 30.000 qm

Gleich acht Existenzgründungszentren hat Mannheim zu bieten: Kaum eine andere deutsche Stadt hat ein derart abgestimmtes und durchorganisiertes Programm zur Ansiedlung und Förderung von jungen Unternehmen.

Ob die städtische mg: GmbH, das Gründerzentrum für Medizintechnologie Cubex 41 oder das extra für Existenzgründerinnen gestartete GIG7 – dass man Gründer unterstützen muss, hat man in Mannheim verstanden.

Besonders wichtig: Vor allem die Stadt Mannheim hat das Potenzial von jungen Unternehmern verstanden: Rund 40 Mitarbeiter bei der Stadt Mannheim, der mg:gmbh und der IHK kümmern sich um die Belange von jungen Existenzgründern und Startups und schaffen optimale Startchancen.

Eine Übersicht über alle wichtigen Gründerzentren und weitere wichtige Adresse für Gründer findet ihr hier: Gründen in Mannheim: Gründerzentren, Hubs und Anlaufstellen

Vorteile für Gründer:

Ganz klar, je besser das Angebot an Supportern, desto stärker die Szene. Denn Enabler haben einen großen Einfluss, ihre Förderung umfasst ein breites Portfolio von Räumen, Beratungsleistungen, infrastrukturellen Unterstützungen, spannenden Startup-Events, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung.

Faktor 4: Gründerspirit in Mannheim

Mannheim gilt als offene und vielfältige Stadt – Menschen aus 166 verschiedenen Nationen leben hier.

Wie die Stadt so tickt, könnt ihr in diesem Podcast nachhören:

Bei der Gründung eines Unternehmens gibt es viel zu Bedenken! Wo kann ich mich beraten lassen? Wie findet man Räumlichkeiten, Investoren, Netzwerke? SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Eisenhauer und Ali Badakhshan Rad, Gründer eines kreativen Startups in Mannheim, sprechen über Erfahrungen, Ideen und die Szene in Mannheim.

Faktor 5: Gründerszene in Mannheim – diese Startups gibt es

Eine Gründerszene ist so gut wie ihre besten Sartups. Die Erfolgsstories sprechen nicht nur für die guten Bedingungen in der Stadt – sie haben selbst auch Anziehungskraft für weitere Gründer, für Investoren und Enabler.

Folgende Gründerstories aus Mannheim solltet ihr kennen:

  • Amorelie Gründerin Lea-Sophie Cramer wurde des öfteren schon mit Beate Uhse verglichen – nunja, die Produktpalette ihres Startups hat Gemeinsamkeiten. Doch Unternehmensführung und Marketing sind ganz anders. Ihre Gründung jedenfalls ist auf Erfolgskurs und die Gründerin sucht schon nach neuen Ideen. http://www.amorelie.de/
  • Kimeta ist eine Jobsuchemaschine, gegründet von Dr. Erich Spickschen. https://www.kimeta.de/
  • Wahrscheinlich kennt es jeder: Das Bonusprogramm Payback. Das inzwischen Multimillionen-Unternehmen wurde im Jahr 2000 von Alexander Rittweger in Mannheim gegründet.
  • Das Mannheimer Startup alugha hat sich darauf spezialisiert, Online Videos in mehrsprachige Formate umzuwandeln damit jeder verstehen kann, was ein anderer zu sagen hat. Hier die ganze Gründerstory von alugha.
  • people@venture ist ein Internetportal für Bewerber aus Mannheim. Es stehen dort fertig gepackte Bewerbungspakete zur Auswahl, je nachdem, wie viel Hilfe ein Bewerber tatsächlich braucht. Mehr in der Gründerstory.

Vorteile für Gründer:

Es ist immer gut, wenn man anderen auf die Finger schauen kann und aus deren Gründerstories lernen kann. Das geht hier in Mannheim recht gut. Zum einen gibt es die Erfolgreichen – zum anderen ist die Szene überschaubar und die Macher offen und ansprechbar.

Faktor 6: Infrastuktur – Mitten drin in Mannheim

Tatsächlich ist Mannheims Stärke insbesondere eine der Anbindung. Die Highlights:

  • 35 Minuten bis man im Terminalbereich des Frankfurter Flughafens.
  • Mannheim ist ICE Knotenpunkt.
  • Wichtige Nord-Süd- und Ost-West-Autobahnverbindungen passieren Mannheim.
  • Vom Mannheimer Regionalflughafen kann man zweimal täglich nach Hamburg und Berlin fliegen.
  • Seit 2007 führt die Europäische Hochgeschwindigkeitsverbindung Paris–Frankfurt (LGV Est européenne) durch Mannheim.
  • Der Rangierbahnhof ist nach Maschen der zweitgrößte in Europa.
  • Am Zusammenfluss von Rhein und Neckar liegt der Mannheimer Hafen mit einer Fläche von 1.131 Hektar und damit einer der bedeutendsten und größten Binnenhäfen Europas.

Vorteile für Gründer:

Fazit zum Gründerökosystem Mannheim

Eigentlich ist es schon etwas überraschend: Eine nicht so große Stadt mit nicht so großem Sexappeal entpuppt sich als eine spannende Gründer-Metropole. Hier haben viele Menschen an entscheidenden Positionen viel richtig gemacht, um Gründer in Mannheim zu fördern oder neue in die Stadt zu locken. Dabei setzt das Stadtmarketing auch aufs Umfeld: Auf der Website Startup Mannheim wird mit Lauftrails direkt vor der Haustür, Bikerouten und Wanderwege in einem der größten Waldgebiete Deutschlands und wunderschönen Weinbergen geworben. Weltniveau wird versprochen und es scheint kein leeres Versprechen zu sein.

Bitte bewerte diesen Artikel:

X
X