Fitness-Shop eröffnen: Selbstständig machen mit Nahrungsergänzungsmitteln 

Selbstoptimierung ist Trend, Gesundheit auch. Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine und Schönheitselixiere boomen. Doch lohnt sich das Geschäft für Gründer und wie macht ihr mit euch selbstständig?

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Die Leistungsanforderungen, die unsere Gesellschaft an ihre Mitglieder stellt, steigen ständig. Der Trend zur Selbstoptimierung auch: immer mehr Menschen wollen die beste, fitteste und gesündeste Version von sich selbst sein, die überhaupt möglich ist. Das geht natürlich nicht ohne kleine “Helferlein”: Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel, viele auf Basis erklärter “Superfoods” boomen – noch nie zuvor in der Geschichte ging eine derartige Menge solcher Mittel über den Ladentisch. Grund genug, sich zu überlegen, an dem gerade herrschenden Boom zu profitieren und sich mit dem Verkauf oder der Herstellung solcher hoch gefragten Mittelchen eine Existenz aufzubauen. 

Trend Superfood – Ist das wirklich ein lohnendes Geschäft?

Der Absatz solcher Mittel ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, auch in den Medien ist das Thema ein Dauerbrenner. Immer mehr “alternative Ernährungskonzepte” werden entwickelt, beschrieben und verbreitet – von veganen oder gar fruitarischen Ernährungsstilen bis hin zum Intervallfasten und der Low Carb Ernährung. Neben dem Abnehmen, das in vielen Fällen der Hauptmotivator für die Beschäftigung mit der eigenen Ernährung ist, spielen vor allem die sportliche Leistungsfähigkeit und die Gesundheit und Fitness eine zentrale Rolle. Ein Ende des Booms ist derzeit nicht abzusehen – allein schon, weil wir in unserem modernen Leben mit einer ganzen Reihe von ernährungsbedingten und lebensstilbedingten Problemen konfrontiert sind, für die wir wohl noch längerfristig nach Lösungen suchen müssen. Vitamine, Nahrungsergänzungen und Superfoods werden bei dieser Lösungssuche mit Sicherheit eine sehr große Rolle spielen.

Ein Effekt, den man dabei nicht unterschätzen sollte, sind Bequemlichkeit und Zeitmangel bei gleichzeitigem Geldüberschuss: Einen alternativen Ernährungsstil bei sich selbst zu etablieren ist zeitraubend, anstrengend und nicht immer angenehm, zudem ist man immer wieder mit Unsicherheiten konfrontiert, ob man denn auch alles richtig macht. Der Griff zu Nahrungsergänzungen, die mehr Vitalität und Leistungsfähigkeit und gleichzeitig eine gesteigerte Fettverbrennung versprechen, ist dagegen ungleich einfacher. Das erklärt die hohe Nachfrage nach solchen Mitteln und den konstant hohen Umsatz, den man mit ihnen erzielen kann.

Was sich weiters positiv auswirkt ist die Tatsache, dass wir aktuell so wenig für Lebensmittel ausgeben, wie noch nie zuvor. Nur 10,3 % unseres Einkommens geben wir hierzulande für Lebensmittel aus, nur in den USA und in Großbritannien ist das noch weniger. Das schafft natürlich einen gewissen finanziellen Spielraum, der uns erlaubt, unsere eigentlich sehr günstigen Nahrungsmittel auch einmal mit etwas Teurerem “aufzuwerten”. Diese Situation ist weitgehend in den meisten westlichen Industrienationen gleich.

Kurz gesagt: Für Nahrungsergänzungsmittel, Superfoods und klassische Vitaminprodukte besteht ein hohes Potenzial auf den Märkten der westlichen Industrienationen.

Schritt 1: Planung | Erfolgs-Strategien nach Tim Ferris

Wie bei jedem Geschäft kommt es natürlich auch in diesem Bereich darauf an, zunächst einmal im Vorfeld sehr sorgfältig und umfassend zu planen.

Nehmen wir uns doch einen als Vorbild, der mit einem Startup für Nahrungsergänzungsmittel erfolgreich wurde: Timothy Ferriss. Berühmt wurde er mit seinem Buch “Die Vier-Stunden-Woche”.

Kenne deinen Markt – die Marktanalyse

Der erste Schritt ist eine Marktanalyse, um den aktuellen Bedarf und die Nachfrage nach dem eigenen Produkt oder Produkten zu kennen. In Bereichen mit hohem und sehr aktivem Mitbewerb wie in diesem Bereich ist eine umfassende Konkurrenzanalyse daneben ebenfalls unverzichtbar. Sie sollte auch in aller Ausführlichkeit im eigenen Businessplan zu finden sein. Aussagekräftige Zahlen lassen sich aus entsprechenden Statistiken gewinnen, gegebenenfalls auch aus dem Zahlenwerk und den Absatzzahlen einzelner Hersteller, was meist aber etwas größeren Rechercheaufwand erfordert.

Wie ihr eine Marktanalyse fundiert durchführt, lest ihr in unserem Fachartikel Basics: Markt- und Konkurrenzanalyse für den Businessplan | mit Checkliste.

Nur wer Dinge aufgeben kann, die nicht funktionieren, hat das Zeug zum Sieger.

Der Timothy Ferriss Tipp dazu

USP – Die wichtigste Eigenschaft deines Produktes

Der erste Teil der Planung, bei dem man sich auf jeden Fall Zeit lassen sollte, ist die USP, das Alleinstellungsmerkmal. Es muss ein gutes und zugkräftiges Alleinstellungsmerkmal gefunden werden, das klar erkennbar und gut zu kommunizieren ist. Für den Erfolg des Vorhabens ist das Vorhandensein einer wirksamen USP eine unbedingte Voraussetzung. Dieses Alleinstellungsmerkmal sollte dann auch in die gesamte Marketingstrategie und gleichzeitig auch in die eigene Corporate Identity einfließen.

  • Was macht den Laden, das Label oder das Geschäft so besonders?
  • Wodurch unterscheidet es sich grundlegend von Mitbewerbern?

Das Alleinstellungsmerkmal sollte an jedem Punkt, an dem Kundenberührung herrscht, sofort und klar ersichtlich sein – zudem sollte es natürlich einen klar erkennbaren Vorteil für den Kunden bedeuten (etwa: “ausschließlich BIO-zertifiziert und ausschließlich auch nachhaltigem Anbau”). 

Reduzieren Sie die Aufgaben auf das Wesentliche (Pareto Prinzip)!

Der Timothy Ferriss Tipp dazu

Richtig abgepackt – So wird euer Produkt was besonderes

Die größte Investition ist euer Fachwissen. Allerdings ist es nicht einfach, Dosen und Gläser zu verkaufen, die kein optischer, echter Hingucker sind. Um den Anspruch von euren Kunden zu erfüllen, braucht ihr genaue Inhaltsangaben für Nahrungsergänzungsmittel. Am einfachsten erstellt ihr die klebefähigen Infos mittels Etiketten, die ihr mit einem Etikettendrucker für Industrie, Handel und Büro herstellen könnt. Überzeugt durch lückenlose Erfüllung gesetzlicher Bestimmungen und liefert euren Kunden mit jedem Etikett Hintergrundwissen zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Automatisieren Sie niemals etwas, was eliminiert werden kann, und delegieren Sie niemals etwas, was automatisiert oder optimiert werden kann.

Der Timothy Ferriss Tipp dazu

Schritt 2: Eure Marktchancen | Selber Herstellen oder Handeln?

Eine Frage, die man sich nun stellen muss, ist die, ob man als Hersteller oder Händler den Markt betreten will.

Vorteile als Händler

Der Handel bietet sicherlich einige sehr interessante Möglichkeiten, auch im Hinblick auf die eigene Lebensgestaltung. Online-Shop und Einzelhandel bieten hervorragende Möglichkeiten, nach der Aufbau-Phase ein sehr ruhiges Leben zu führen. Die berühmte “4-Stunden-Arbeitswoche” lässt sich heute auch vor allem mit (gut laufenden und detailliert geplanten) Handelsunternehmen realisieren. Das kann eine gute Motivation sein, sich vor allem auf den Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln zu verlegen. Wenn alle aufwändigen Leistungen ausgelagert oder automatisiert sind, bleibt im Grunde nicht mehr viel Arbeit übrig.

Probleme als Händler

Dabei muss man sich allerdings bewusst sein, dass der Markt mit einer Vielzahl von Produkten überschwemmt wird, dass man also in massive Konkurrenz zu anderen Marktteilnehmern tritt. Superfood- und Nahrungsergänzungsprodukte werden an unglaublich vielen Stellen angeboten, vom Drogeriemarkt um die Ecke zu besonders günstigen Preisen bis hin zu Bio-Supermärkten und Reformhäusern, die plötzlich nach Jahren gleichsam im Dornröschenschlaft plötzlich auch wieder boomen. Es braucht also unbedingt ein klares und wirklich überzeugendes Alleinstellungsmerkmal – entweder ein völlig neues oder gar neu entdecktes Produkt, eine sehr hohe und von sonst niemandem erreichte Produktqualität oder eine besondere Zusammenstellung. Neue, besonders kundennahe Vertriebswege können auch eine wichtige Rolle spielen, als einziges Alleinstellungsmerkmal reichen sie in der Regel aber nicht aus.

Herausforderungen als Hersteller

Wenn man ein neues oder neu entdecktes Produkt auf den Markt bringen möchte, stellt sich dann aber die Frage, ob man nicht gleich als Produkthersteller auftritt – und durch eine sorgsame Vertriebsgestaltung nicht viel mehr Erfolg haben kann, da die Vertriebsstruktur und die “Touchpoints” für die Kunden bereits in großer Zahl existieren und sehr gut funktionieren.

Schritt 3: Vorschriften & Genehmigungen für Hersteller und Wiederverkäufer

Anzeigepflicht & Kennzeichnung

Um es kurz zu sagen: wer tatsächlich Produkte herstellen will, muss zunächst einige Hürden nehmen. Nahrungsergänzungsmittel sind zunächst einmal grundsätzlich anzeigepflichtig (§ 5 NemV) und dürfen nur bestimmte Stoffe enthalten. Nicht alles ist hier zugelassen. Europaweit gibt es bisher allerdings keine gültigen Mindest- oder Höchstwerte für den Gehalt an zugelassenen Stoffen. Bei Pflanzenzubereitungen gibt es keine europaweit einheitlichen Regelungen und zum Teil gar keine nationalen Regelungen, das gilt auch für enthaltene sekundäre Pflanzenstoffe und Fettsäuren. Das kann sich gegebenenfalls auch irgendwann einmal ändern – darauf sollte man aber vorbereitet sein. Ein Wirknachweis ist bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht erforderlich, die Wirkung wird auch nicht überprüft. Das daneben aber umfangreiche (und exakt einzuhaltende) Kennzeichnungspflichten bestehen, dürfte jedem schon aufgefallen sein.

Werberegeln

Daneben gibt es strenge Regelungen in Bezug auf die Werbung (Heilversprechen, Risikosenkung für bestimmte Krankheiten ohne gesetzlich gegebene Voraussetzung, Aussagen von “glücklichen” Verbrauchern oder Angehörigen von Heilberufen zu Werbezwecken, Hinweis auf unzureichende Nährstoffversorgung durch gewöhnliche Nahrung). Hier muss man also mit der eigenen Werbestrategie sehr vorsichtig sein und genau überlegen, wie man sein Nahrungsergänzungsmittel anpreisen will. Das gilt im Übrigen auch für den Handel mit Produkten, auch hier muss man sehr vorsichtig sein.

Vorsicht mit Risikogruppen

Zu bedenken sind auch alle mögliche Nebenwirkungen, etwa bei bestimmten Risikogruppen, zudem sollte genau geprüft werden, ob nicht etwa die gesetzliche Grenze zum (aufwendig zulassungspflichtigen) Arzneimittel durch bestimmte enthaltene Wirkstoffe oder Wirkstoffmengen bereits überschritten wird. Man sollte also sehr genau wissen, was man tut und sich in diesem Bereich zumindest grundlegend auskennen, bevor man selbst etwas in Verkehr bringt.

Schritt 4: Vertriebskanäle wie eigener Laden, Onlineshop, Amazon etc

Sowohl beim Handel als auch in der Herstellung sind die angestrebten Vertriebskanäle sehr wichtig für den Erfolg. Ob man als Vertriebskanal einen eigenen, regionalen Laden, einen Online-Shop oder auch Plattformen wie Amazon wählt, hängt im Einzelfall vom jeweiligen Produkt bzw. der Produktpalette ab, die man anbieten möchte. Eine Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Vertriebskanal sollte aber immer gut überlegt und (für sich selbst) umfassend begründet sein. 

Wie ihr einen Onlineshop erstellt und worauf ihr achten müsst, erfahrt ihr in unserem Fachartikel Basics E-Commerce: Online-Shop eröffnen … in 6 Schritten zum eigenen Webshop | ein Leitfaden

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Doch auch die Eröffnung eines eigenen Ladens solltet ihr nicht gänzlich als Konzept aufgeben – mit einem gut gewählten Standort könnt ihr euch ein regionales Kundenpotenzial aufbauen. Möglich wäre auch auch, das als so genannten Popup Store als Marketingstart aufzuziehen. Wie ihr bei der Eröffnung eures eigenen Einzelhandelsladens vorgeht, haben wir hier für euch zusammengefasst: Laden eröffnen – selbstständig machen im Einzelhandel.

Schritt 5: Marketing für Einsteiger mit SEO, Bloggen, Instagram & Co.

Auch die Marketing-Kanäle, die genutzt werden, richten sich vor allem nach Produkt(en) und angepeilter Zielgruppe. Um Online-Marketing kommt man heute kaum mehr herum, gerade im informationsintensiven Nahrungsmittelergänzungs-Marketing können sich auch neuere Ansätze wie Inbound-Marketing in vielen Fällen durchaus lohnen. Wichtig ist, dass man die Marketing-Strategie gut auf die eigene (zuvor ermittelte) Haupt-Zielgruppe abstimmt und dabei Randpotenziale und Nischen nicht gänzlich außer Acht lässt und ebenfalls bedient. Von modernen und zum Teil hoch effizienten Marketing-Kanälen wie Instagram, Snapchat oder Pinterest sollte man sich nicht abschrecken lassen, selbst wenn man nur wenig Ahnung davon hat. In der Regel lohnt es sich, sich damit intensiv zu beschäftigen, wenn man etwas vermarkten will.

Conversion ist das Zauberwort im Onlineshop. Strategien dafür gibt es viele, eine erste Übersicht findet ihr hier: 5 Tipps für eine bessere Conversion Rate: So macht ihr euren Online-Shop attraktiver | Sponsored Post

Eine Methode, euren Shop nach vorn zu bringen, sind Facebook Ads. Hier bekommt hier eine spannende Anleitung dafür… Mehr Besucher, Umsatz und Bekanntheit: Local Awareness Ads auf Facebook für euren lokalen Shop

Fazit

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es sich durchaus lohnt, sich eine Geschäftstätigkeit im Bereich von Nahrungsmittelergänzungen oder Superfoods zu überlegen. In den meisten Fällen wird das wahrscheinlich auf den Handel mit solchen Produkten hinauslaufen – als Hersteller sollte man zumindest einige grundlegende Erfahrungen im Bereich Lebensmitteltechnik oder Lebensmittelproduktion mitbringen.

Das Marktpotenzial ist sehr hoch, allerdings muss man sich auch gegen eine enorme Konkurrenz durchsetzen, was einen sehr gut überlegten Plan und eine möglichst klare USP voraussetzt. Gutes Marketing ist hier entscheidend – dafür sollte man dann auch ausreichend Zeit und Geld einplanen, wenn man wirklich Erfolg haben will.

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