KiTa eröffnen: Selbstständig machen mit einer Kindertagesstätte oder einem Kindergarten

Rein wirtschaftlich macht es richtig Sinn, eine KiTa zu eröffnen: der Bedarf ist in eigentlich jeder Region Deutschlands vorhanden. Überall gibt es Betreuungsengpässe und Eltern, die mit dem neuen Kindergartenjahr sehnsüchtig auf einen Kindergartenplatz warten. Worauf ihr bei der Gründung achten müsst, zeigen wir euch hier.

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In manchen Regionen ist der Mangel an Betreuungsplätzen so groß, dass Kinder schon vor ihrer Geburt bei der Wunsch-KiTa angemeldet werden. Da bleiben nur noch zwei Fragen. Habt ihr die wirtschaftlichen Möglichkeiten, um eine KiTa zu eröffnen? Erfüllt ihr die allgemeinen und persönlichen Voraussetzungen, um als KiTa-Leiter/in zu arbeiten? Wir zeigen hier umfassend, was es bei diesem Thema zu beachten gilt und worauf es ankommt.

Schritt 1 zur KiTa Gründung: Persönlichen Voraussetzungen und Businessplan

Die Zahl der Kinder in deutschen KiTas ist groß – 3,7 Millionen Kinder wurden laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2020 in einer KiTa betreut. Rund ein Drittel davon sogar ganztags. Das Betreiben und die Führung einer KiTa bedeuten daher immer auch eine Menge Stress und Krach. Wichtig es, dass ihr damit umgehen könnt. Eine pädagogische Ausbildung oder zumindest sehr großes Interesse an der Pädagogik als solcher sind Grundvoraussetzung, damit die Führung einer KiTa überhaupt funktionieren kann.

Neben Interesse an pädagogischen Themen, müssen auch noch einige weitere psychologische und emotionale Voraussetzungen erfüllt sein, damit eure KiTa Gründung wirklich Erfolg haben kann.

Stellt euch folgenden Fragen:

  • Wie steht es mit eurer körperlichen und psychischen Belastbarkeit?
  • Seid ihr in der Lage, Einfühlungsvermögen an den Tag zu legen, ohne dabei von eurem Standpunkt abzuweichen?
  • Verfügt ihr über gutes Durchsetzungsvermögen?
  • Seht ihr Teamarbeit als Bereicherung an und würdet ihr die Arbeit im Team als eine eurer Stärken bezeichnen?
  • Ist Geduld für euch kein Fremdwort?
  • Ist euer Nervenkostüm stark genug, um die Dauerbeschallung durch spielende Kinder und Gespräche mit misslaunigen oder anspruchsvollen Eltern zu überstehen?

Wenn die Antworten auf alle diese Fragen ja lautet und ihr dazu auch noch körperlich und psychisch belastbar seid, dann steht aus persönlicher Sicht einer KiTa Gründung erst einmal nichts Persönliches im Weg.

Perspektive für Pädagogen

Wichtig sind eure fachlichen Erfahrungen in der Pädagogik. Mindestens qualifizierte Mitarbeiter müssen dies vorweisen. Doch auch ihr als Gründer mit nur kaufmännischem Fokus müsst euer pädagogisches Konzept euer künftigen Kita verstehen und vertreten können. Diese muss schon im Businessplan ausführlich beschrieben werden.

KiTa-Profil ist euer USP

Sicherlich habt ihr schon ein pädagogisches Konzept im Kopf, das ihr in eurer Kita verwirklichen wollen. Integrativer Kindergarten, bilinguale Kita, Waldorf-Kindergarten, Montessori-, Fröbel-Kita, Freinet-, Reggio- und Kneipp-Pädagogik sowie Systemische Pädagogik sind mögliche Ansätze.

Hier gibt es eine ganze Reihe von möglichen Konzepten, wie

  • Montessori-Konzept
  • Freinet-Konzept
  • Fröbel-Konzept
  • Reggio-Konzept
  • Waldorf-Konzept

Vielleicht gefällt euch aber auch die Idee eines Waldkindergartens, in dem die Kinder naturverbunden aufwachsen und die meiste Zeit draußen verbringen. Eine ziemlich ausführliche Übersicht möglicher Erziehungskonzepte findet ihr hier.

Für welches Konzept ihr euch entscheidet, sollte einerseits von eurer persönlichen Überzeugung abhängen. Zum anderen solltet ihr wissen, welche Konzepte in eurer Stadt bereits vertreten sind.

Euer gewähltes Konzept gibt vieles vor: Die Struktur der Arbeitsabläufe (Tagesablauf der Kinder), Organisation der Ernährung, Einrichtung eurer Kita, Betreuungszeiten, das benötigte Personal aber auch Details wie Name, Logo und digitales Erscheinungsbild (CI) sollten zum Konzept der Kita passen und leicht zu merken sein.

Zielgruppe definieren

Schon früh in eurer Planung solltet ihr euch genau überlegen, welche Kinder ihr betreuen wollt: Kinder ab drei Jahren bis zum Vorschulalter oder auch unter Dreijährige, also die so genannte Krabbelgruppe? Und auch die Eltern solltet ihr im Blick behalten. Geht es euch darum, in einem bestimmten Stadtgebiet ein Betreuungsangebot zu schaffen? Wollt ihr Eltern, die aktiv mitgestalten und eventuell sogar bestimmte Arbeiten übernehmen? Wollt ihr mit eurem konkreten pädagogischen Konzept auch eine konkrete Zielgruppe ansprechen?

Der Businessplan – das Herz jeder Gründungsidee

Der Businessplan zu eurer Kita ist das, womit ihr eure Geldgeber und Banken überzeugen wollt. Daneben muss dieser aber auch vor dem Jugendamt bestehen. Ansonsten werdet ihr wahrscheinlich so schnell keine Genehmigung für erhalten.

Im Businessplan muss die Geschäftsidee klar und deutlich dokumentiert werden. Im Fall der Eröffnung einer KiTa geht es um die Frage, welches pädagogische Konzept in eurem Kindergarten zur Anwendung kommen soll.

Wichtig ist auch, das absehbare Potenzial an eurem Standort herauszufinden: Informiert euch beim Jugendamt, wie der Ausbau der Kita-Plätze aktuell in der Stadt aussieht. Analysiert, ob es einen Markt für euer gewähltes Konzept gibt und welche Kindergärten in der Nachbarschaft bestehen. Hilfreich ist dafür eine ausfürhliche Markt- und Konkurrenzanalyse. Wie ihr die einfach selbst erstellt, zeigen wir euch hier: Markt- und Konkurrenzanalyse für den Businessplan | mit Checkliste

Übrigens: Auch die Frage, welche Rechtsform eure KiTa haben soll, müsst ihr im Rahmen des Businessplans klären. Von der GbR über die GmbH bis zur Gründung einer KiTa als Einzelunternehmer. Auch die Variante als eingetragener Verein ist möglich und für viele durchaus interessant. Mehr dazu in unserer Übersicht zur Rechtsformen.

Einen guten Businessplan schreiben, ist kein Hexenwerk – aber Arbeit. Helfen können euch dabei Businessplan-Tools. Die besten findet ihr hier: Top Businessplan-Tools zum Erstellen Ihres persönlichen Businessplans

Schritt 2: Immobilie und Ausstattung für eure eigene KiTa

Findet die passenden Räumlichkeiten für eure KiTa

Bei der Suche nach den richtigen Räumlichkeiten geht es nicht nur um die Frage, ob die Lage gut ist und ob ein Haus euch zusagt. Vor allem die rechtlichen Vorgaben in Sachen Raumaufteilung, Platzbedarf pro Kind etc. müssen erfüllt werden. Das kann schon mal zu einer längeren und anstrengenden Suche führen. In vielen Fällen bauen Kindergartenträger eher ein neues Gebäude, das sie direkt an diese gesetzlichen Vorgaben ihres Bundeslandes anpassen, als das sie endlos viel Zeit auf die Suche nach einer passenden Immobilie verschwenden.

Nach der Suche nach der Immobilie kommt die passende Inneneinrichtung

Natürlich braucht ihr in eurer KiTa Stühle, Tische, ausreichend WCs und einen großen Küchenbereich. Daneben ist die optische Einrichtung eurer KiTa in erster Linie eure Sache. Damit Erzieher/innen und Kinder in eurer KiTa jeden Tag aufs Neue positiv beginnen können, sollten die Räume hell und freundlich eingerichtet sein.

© LIGHTFIELD STUDIOS / Adobe Stock

Schritt 3: Genehmigungen & rechtliche Voraussetzungen für KiTa-Gründung

Welche Voraussetzungen eine Einrichtung mitbringen muss, damit sie als KiTa eröffnet werden kann, entscheidet letztlich jedes Bundesland autonom für sich. Dafür hat jedes Bundesland ein eigenes Kindertagesstätten Gesetz. Die inhaltlichen Regelungen unterscheiden sich dabei von Bundesland zu Bundesland durchaus. Vom Grundsatz her werden dabei die folgenden Schwerpunkte in den einzelnen Landesgesetzen geregelt:

  • Wie sehen die Grundsätze der Betreuung, Erziehung und Bildung im jeweiligen Bundesland aus?
  • Welche Mitverantwortung wird den Eltern übertragen? Hier ist zum Beispiel zumeist ein Elternrat verpflichtend.
  • Wie sehen die Öffnungszeiten aus?
  • Wie werden die Kosten aufgebracht?
  • Welche Anforderungen stellt das jeweilige Bundesland an die Raumaufteilung, die Sicherheit der Kinder, die Gruppengröße und den Platzbedarf pro Kind.

Da die Länder hier dem Föderalismusgedanken folgen und jeweils unterschiedliche Rechtsgrundlagen mit teilweise unterschiedlichem Inhalt aufgelegt haben, kann es natürlich passieren, dass eure KiTa Voraussetzungen erfüllen muss, die für eine KiTa in der Nachbarstadt, die in einem anderen Bundesland liegt, nicht gelten.

Die Genehmigung muss deutschlandweit eingeholt werden

Für die Eröffnung einer KiTa müsst ihr, neben den landesspezifischen Regelungen, auf jeden Fall auch eine Genehmigung des Jugendamtes einholen. Das ist tatsächlich bundesgesetzlich geregelt, nämlich in § 45 des Achten Sozialgesetzbuches (SGB VIII). In dieser Rechtsgrundlage sind auch die Voraussetzungen für die Gewährung einer solchen Genehmigung abschließend geregelt. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, muss die Genehmigung erteilt werden. Ein abschließendes Ermessen hat die Behörde dabei nicht.

Für die Betriebserlaubnis benötigt ihr auch ein detailliertes Betreuungskonzept, das folgende Punkte klärt:

  • Pädagogische Ziele und Grundlagen
  • Aufbau und die Struktur der Kita
  • Fachliche Betreuer
  • Größe der Gruppen
  • Alterszusammensetzung
  • falls vorhanden Inklusionsplätze
  • Strukturierung des Tagesablaufs
  • Lernangebote
  • Öffnungszeiten (Betreuungszeiten, Urlaubszeiten)
  • Regelung zum Mitspracherecht der Eltern
  • Bau- und Lagepläne der Kita
  • detaillierter Finanzplan

Schritt 4: Kalkulation und Finanzierung einer KiTa-Gründung

Reich werden ist sicher nicht die Motivation für eine Kita-Gründung. Aber: Geld verdient werden muss ja eben doch. Deshalb lasst dieses Thema nicht zu lange liegen und klärt ganz objektiv, ob euer Plan einer eigenen Kita auch wirtschaftlich umsetzbar ist.

Mit der eigenen KiTa Geld verdienen

Das funktioniert je nach Rechtsform beispielsweise über Privatentnahmen oder über ein Gesellschaftergehalt. Damit eine dieser Varianten möglich ist, müssen allerdings erst einmal überschüssige Einnahmen vorhanden sein. Die Einnahmen einer KiTa bestehen aus den Kindergartenbeiträgen der Eltern der hier betreuten Kinder. Von diesen sind wiederum die laufenden Kosten abzuziehen.

Zu den Elternbeiträgen erhaltet ihr pro Kind auch einen öffentlichen Zuschuss. Elternbeiträge und Zuschüsse müssen dann sämtliche eurer laufenden Kosten und natürlich auch euren Unternehmerlohn decken. Die Höhe der Zuschüsse pro Kind sind ebenfalls regional unterschiedlich und solltet ihr gründlich und rechtzeitig recherchieren.

Kapitalbedarf bei Kita-Gründung

Eine KiTa zu eröffnen ist mit einem vergleichsweise hohen finanziellen Aufwand verbunden. Um die Kita überhaupt an den Start zu bringen, bedarf es schon einer ganzen Reihe von Investitionen.

Da wären beispielsweise:

  • die Gewerbeanmeldung
  • eventuell notwendige Umbauten, um die rechtlichen Vorgaben an die Räumlichkeiten zu erfüllen
  • Renovierungskosten
  • die Inneneinrichtung
  • Einrichtung von Spielflächen und Aufbau eines Spielplatzes im Außenbereich
  • hinreichende Sicherung des Gebäudes und des Grundstücks

Wer an dieser Stelle nicht über ausreichend Eigenkapital verfügt, kann mit einem Kredit für das notwendige Kapital sorgen. Ob es dafür eines Kleinkredites für Gründer oder einer größeren Verschuldung bedarf, hängt von den Gesamtkosten, den eigenen finanziellen Voraussetzungen und natürlich auch ein Stück weit von der Förderbereitschaft der zuständigen Behörden ab.

Mit diesen laufenden Kosten müsst ihr rechnen

Neben den Kosten für erste Einrichtung und die Gestaltung der KiTa müssen natürlich auch die laufenden Kosten berücksichtigt werden. Zu diesen gehören:

 

Gründungskosten Gründungsberatung
Logo, Webseite und Corporate Design
evtll. Anmeldung Marke
Gesellschaftsvertrag, Notar
Gewerbeanmeldung, evtll. Handelsregister-Eintrag
Investitionen zum Start Makler- und Abstandszahlungen
Umbau und Renovierung der Räumlichkeiten
Planungskosten für Umbau, behördliche Abnahmen etc.
kindgerechte Möbel, Regale, Schränke, Waschbecken, Toiletten
Spielzeug, Lernmaterialien, Bilderbücher
Ausstattung Küche
Ausstattung Bad
Grundbestand Getränke und Lebensmittel
Grundbestand Hygieneartikel (zB Windeln)
Grundbestand Stifte, Papier, Bastelmaterial
Beratungsleistungen (Buchhaltung, Steuer, Rechtstexte)
Werbemassnahmen
Laufende Kosten Miete oder bei Eigentum Tilgung und Zinsen auf Kredit
Versicherungen (u.a. Betriebshaftpflicht, Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung)
Beiträge Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Strom, Wasser, Heizung, Telefon und Internet
Lohnkosten und Sozialabgaben für Ihre Angestellten
Getränke, Lebensmittel, etc
Laufende Werbekosten
Weiterbildung für euch und euer Team
Budget für Akquise (Kunden und Personal)
Rücklagen Baumassnahmen
technische Aufrüstung
Neuanschaffungen Ausstattung
Zeiten schlechter Auslastung

 

Finanzierung durch Förderung

Interessant bei der Finanzierung ist es für euch, mit Fördergeldern von Land und Kommune eure Gründung einer Kita auf sichere Beine zu stellen. Grundvoraussetzungen für die Förderung sind die Aufnahme eurer Einrichtung in den Kita-Bedarfsplan und die Erteilung der Betriebserlaubnis. Da die Bedingungen dazu in den jeweiligen Städten und Gemeinden sehr unterschiedlich sind, solltet ihr euch bei eurem Jugendamt informieren.

Ausserdem gibt es einige Förderprogramme für Existenzgründer, die euch helfen könnten. Mehr dazu erfahrt ihr in unsrem Leitfaden Gründer-Finanzierung | So bekommt ihr das Geld für den Start

Schritt 5: Marketing und Werbung für eure eigene Kita

Mit der Zeit, einem guten Marketingkonzept sowie einem überzeugenden pädagogischen Konzept und guten Mitarbeitern, werdet ihr immer mehr Eltern von eurem Kindergarten überzeugen.

Auch bei Kitas zählt eine Website als Erstkontakt für viele Eltern inzwischen zu den Basics. Auch Google Business mit seinem Bewertungstool lohnt es, zu pflegen. Ausserdem werdet ihr übers Jahr sowieso einige Events auf die Beine stellen, um die Kinder und Eltern in eurem Hause glücklich zu machen. Diese lassen sich gut auch zur Eigenwerbung nutzen.

 

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