Krank werden als Selbstständiger – Absicherung & wichtige Schritte

Krank als Selbstständiger – das ist worst case. Denn wer nicht arbeitet, bekommt auch kein Geld. Wie ihr euch doch absichern könnt und worauf ihr noch achten solltet, erfahrt ihr hier.

Die Gesundheit ist das höchste Gut – ganz besonders aber für Selbständige. Jede ausgefallene Stunde bedeutet entgangener Umsatz. Je nachdem, wie lange die Krankheit anhält, kann das existenzbedrohend werden. Doch trotz Krankheit zu arbeiten, ist keine (Dauer-)Lösung. Dieser Artikel zeigt euch, welche Möglichkeiten ihr als Gründer habt, im Krankheitsfall weiter Geld zu bekommen und was in Bezug auf Kunden und Arbeitsaufträge zu tun ist.

Schritt 1 Anerkennen der Situation: Vorsicht vor Präsentismus

Bei einer leichten Erkältung bleibt niemand gern von der Arbeit fern – erst recht nicht, wenn von den Einnahmen die gesamte Existenz abhängt. Schließlich klingelt die Kasse für Selbstständige nur, wenn sie Leistung erbringen.

Anstatt sich also krank zu melden, arbeiten viele Freelancer dann von zuhause aus und machen auch bei Krankheit einfach weiter. Oft geht das gut aus: Die Erkältung verschwindet nach ein paar Tagen wieder und man kann ohne lästigen Husten und Schnupfen arbeiten. In manchen Fällen geht der Schuss allerdings nach hinten los.

Die Krux mit dem Präsentismus

Das Verhalten, trotz einer Erkrankung zur Arbeit zu gehen, wird in der Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin als Präsentismus bezeichnet. Bei Selbstständigen steckt dahinter häufig die Angst um ihre Existenz.

Wenn ihr euch nicht krankmeldet, handelt ihr jedoch fahrlässig. Zum einen nehmt ihr in Kauf, dass es krankheitsbedingt zu Einschränkungen der Leistung und Produktivität kommt und dass das Risiko für gravierende Fehler oder Unfälle steigt.

Zum anderen verschleppt ihr Erkrankungen damit nur. Dadurch kann es immer wieder zu Rückfällen kommen, die erneut die Produktivität einschränken. Im schlimmsten Fall wird dann eine einfache Erkältung zu einem chronischen Problem.

Auskurieren statt verschleppen

Selbständige befinden sich im Krankheitsfall in einer durchaus prekären Situation. Die Versuchung, trotz Erkrankung zu arbeiten und keine Einkommenseinbußen fürchten zu müssen, ist groß. Dennoch solltet ihr die Risiken, die damit einhergehen, nicht unterschätzen. Andernfalls landet ihr schnell in einem Teufelskreis.

Die bessere Wahl ist daher, selbst eine leichte Erkältung gründlich auszukurieren. Euch ein paar Tage Ruhe zu gönnen, dafür aber danach wieder voll leistungsfähig zu sein, ist langfristig betrachtet für die Gesundheit und die finanzielle Lage die cleverere Lösung.

Schritt 2 Für den Ernstfall vorgesorgt – diese Versicherungen helfen

Ein paar Tage nicht arbeiten zu können, ist für Selbständige aus finanzieller Sicht oft noch zu verschmerzen. Doch in einem ernsten Krankheitsfall, der sich über Wochen, Monate oder sogar Jahre zieht, kann schnell kritisch werden. Umso wichtiger ist es für euch als Gründer, euch frühzeitig gegen den Verdienstausfall durch langfristige Erkrankungen abzusichern und das fehlende Einkommen finanziell auszugleichen. Dafür gibt es verschiedene Wege.

Krankentagegeld aus der Krankenversicherung

In Deutschland ist die Krankenversicherung für jeden Pflicht. Selbständige können zwischen einer gesetzlichen und einer privaten Krankenversicherung wählen, wobei die Option für eine gesetzliche Krankenversicherung nur drei Monate lang ab der Gewerbeanmeldung besteht. Habt ihr euch für die gesetzliche Krankenversicherung entschieden, habt ihr zwei Möglichkeiten:

Gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag

Ihr könnt den vollen Beitrag zahlen und habt dafür im Krankheitsfall ab dem 43. Tag Anspruch auf ein gesetzliches Krankengeld. Allerdings seid ihr bis dahin auf die eigenen Ersparnisse angewiesen. Denn bei Angestellten zahlt der Arbeitgeber die ersten 42 Tage. Als Selbständiger seid ihr aber euer eigener Chef und müsst für die Zahlungen selbst aufkommen.

Wahltarife mit Krankgeld ab dem 15. Tag

Ihr nutzt die sogenannten Wahltarife mit flexiblen Konditionen, die einige gesetzliche Krankenkassen anbieten. Dadurch könnt ihr euch das Krankengeld bereits früher auszahlen lassen, in der Regel ab dem 15. Krankheitstag. Je früher das Geld gezahlt werden soll, desto höher fallen die Beiträge aus. Gleiches gilt für die Höhe des Krankengeldes, wobei der Betrag die Höhe des Nettoeinkommens nicht übersteigen darf.

Jeder Selbständige muss also für sich entscheiden, wie lange er gut von seinen Rücklagen leben kann beziehungsweise ab wann er auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist.

Im Falle einer privaten Krankenversicherung ist die Situation deutlich komplizierter: Zunächst müsst ihr zusätzlich eine Krankentagegeld-Versicherung abschließen, um im Krankheitsfall Geld zu bekommen. Die Finanzspritze gibt es aber nur, wenn ihr nachweisen könnt, dass ihr euren Job in keiner Weise ausführen könnt. Je nach Tätigkeit und Grund für den Arbeitsausfall kann das schwer zu belegen sein, Am besten ist es, euch über ein Attest die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen zu lassen.

Hier findet ihr eine Übersicht: Private Krankenversicherung für Selbstständige & Freelancer im Test/Vergleich 2020

Eine dritte Option haben Selbständige im kreativen Bereich: Die Sozialversicherung über die Künstlersozialkasse (KSK). Diese Sonderform vereint bestimmte Vorteile einer gesetzlichen und der privaten Vorsorge. Denn ein Teil der Beiträge wird dabei vom Bund und der KSK getragen. Letztere bezieht das Geld wiederum von deinen Auftraggebern ein.

Verdienstausfall aus der Unfallversicherung

Ein Unfall ist schnell passiert, aber es kann lange dauern, bis ihr euch von den Folgen erholt habt. Sowohl in gesundheitlicher als auch in finanzieller Hinsicht. Eine Unfallversicherung kompensiert den Verdienstausfall und kommt für viele Kosten auf, die durch den Unfall entstehen. Dazu gehört die

  • medizinische Erstversorgung,
  • der Krankentransport,
  • die Kosten für nötige Behandlungen und Hilfsmittel.
  • Auch die Rehabilitationskosten, die die Krankenkasse nicht mehr übernimmt, wie die Kosten, die durch längerfristige Verletzungen oder dauerhafte Schäden verursacht werden, etwa in Form von Schmerzens- und Pflegegeldern.

Bis auf die Sonderregelung für wenige medizinische Berufsgruppen, ist auch die Unfallversicherung für Selbständige Pflicht. Wie bei der Krankenversicherung hast du hier die Wahl zwischen einer gesetzlichen und einer privaten Unfallversicherung.

Wer sich für eine gesetzliche Unfallversicherung entscheidet, ist über die Berufsgenossenschaft des entsprechenden Tätigkeitsfeldes versichert. Eine private Unfallversicherung bietet dir die Möglichkeit, das Leistungsspektrum auf deine individuellen Bedürfnisse anzupassen.

Wenn Arbeiten noch geht – Erwerbsminderungsrente

Seid ihr noch in der Lage, eingeschränkt zu arbeiten, dann kann euch als finanzieller Ausgleich eine Erwerbsminderungsrente helfen. Diese Versicherung springt frühestens nach sechs Monaten Krankheit ein und ihre Höhe orientiert sich am zuletzt verdienten Nettoeinkommen.

Wenn nichts mehr geht – Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer nicht mehr arbeiten kann, hat auch kein Einkommen mehr. Das kann die Existenz massiv gefährden. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kompensiert das ausbleibende Gehalt und bewahrt Selbständige vor einem finanziellen Totalausfall, indem sie eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) an den Betroffenen zahlt.

Die Zahlung richtet sich nach der Dauer der Berufsunfähigkeit beziehungsweise erfolgt maximal bis zum Ende der Leistungsdauer. Der Betrag und die Leistungsdauer werden bei Abschluss der Versicherung vereinbart.

Wenn das Geld aus ist –Arbeitslosengeld beantragen

Wenn keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wurde, ihr keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente habt und das Privatvermögen aufgebraucht ist, hilft als letzter Ausweg nur noch der Gang zur Agentur für Arbeit. Dort könnt ihr einen entsprechenden Antrag auf Arbeitslosengeld II (ALG 2) einreichen, denn auch Selbstständige haben Anspruch auf diese Unterstützung.

Die 5 wichtigsten Fakten zur Freiwilligen Arbeitslosenversicherung findet ihr hier: So geht: Freiwillige Arbeitslosenversicherung – von Antrag & Anspruch bis Kündigung.

Wichtig zu wissen: Selbstständige haben statt der sonst üblichen zwölf lediglich sechs Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Nach Ende dieses Bewilligungszeitraums wird geprüft, ob weiterhin die Unterstützung gewährt wird. Dafür ist ein Weiterbewilligungsantrag (WBA) erforderlich.

Schritt 3 Der richtige Umgang mit Kunden im Krankheitsfall

Unabhängig davon, ob ihr als Selbständiger nur für wenige Wochen ausfällst oder für ein paar Monate – in allen Fällen ist eine frühzeitige und offene Kommunikation mit euren Kunden und Geschäftspartnern angebracht. Sie müssen darüber informiert werden, wie es um ihre Aufträge steht und wann sie wieder mit dem vereinbarten Service rechnen können.

Termine verschieben

Wichtig ist, die Kunden und Geschäftspartner so schnell wie möglich über den Krankheitsfall zu informieren. Falls eine Deadline in die Zeit der Erkrankung fällt, oder nicht sicher ist, wann ein Projekt beendet werden kann, ist es besser, einen neuen Termin zu vereinbaren. Deadlines für offene Projekte sollten verschoben werden.

Die meisten Kunden haben sicherlich Verständnis dafür, wenn sich der Zeitraum des Projektes krankheitsbedingt nach hinten verschiebt, solange sie es früh genug erfahren.

Alternativen anbieten

Für den Fall, dass es nicht möglich ist, einen neuen Termin zu vereinbaren, und auch eine Verzögerung nicht akzeptabel ist, oder ihr längerfristig ausfallt, ist es die beste Lösung, eurem Kunden eine Alternative anzubieten. Die kann eventuell auch darin bestehen, ihn an einen anderen Selbständigen aus der gleichen Branche zu vermitteln.

Selbständige haben meist ein großes Netzwerk und gute Kontakte zu anderen Freelancern und Unternehmen. Da findet sich sicher jemand, der das Projekt übernehmen oder bei dessen Fertigstellung helfen kann.

Auf diese Art wird das Projekt wie geplant fertig und die Chancen stehen gut, dass euren Kunde aufgrund der guten Betreuung nach der Krankheitsphase weiter seine Aufträge bei euch als ursprünglichem Partner in Auftrag gibt.

Aufträge canceln

Sollte es nicht anders gehen, müsst ihr einen Auftrag schlimmstenfalls ganz absagen. Das ist für alle Seiten unangenehm: Ihr bekommt kein Geld und euer Kunde muss sich jemand anderen suchen. Doch eure eigene Gesundheit sollte an erster Stelle stehen, sodass dieser Schritt bei längerem Arbeitsausfall der einzig richtige ist.

Schritt 4 Organisiere dich für den Krankenheitsfall

Eine längere Erkrankung hat oft zur Folge, dass der ein oder andere Kunde abspringt und anderweitig seien Aufträge vergibt. Damit das nicht passiert, solltet ihr eure Kunden auch in dieser Phase bei Laune halten. Möglich machen das auch ein paar technische Lösungen:

Auch in Krankheit erreichbar: das virtuelle Sekretariat

Ein solches technisches Hilfsmittel ist die Einrichtung eines virtuellen Sekretariats. Dieses nimmt Kundenanfragen an und beantwortet sie, sowohl telefonisch als auch per E-Mail. Somit bekommen eure Kunden eine schnelle Rückmeldung und wissen, wann ihr wieder für sie zur Verfügung steht.

Homeoffice – Kleinere Arbeiten von zuhause aus erledigen

Sofern die gesundheitliche Einschränkung nur körperlich ist, etwa bei einem gebrochenen Bein, und ihr die Aufgaben vorwiegend am Computer bearbeitet, könnt ihr manches auch von Zuhause oder vom Krankenhaus aus erledigen. Dafür eignen sich vor allem Tätigkeiten wie Rechnungen schreiben und die Buchhaltung erledigen oder auch zumindest telefonisch neue Kunden akquirieren.

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