Selbstständig machen als Arzt – Praxis eröffnen in 5 Schritten

Wie geht das eigentlich mit der eigenen Praxis als Arzt? Wie zeigen euch die wichtigsten Schritte.

Niedergelassener Arzt mit eigener Praxis werden – das ist sicher keine Startup Idee. Trotzdem gibt es jede Menge Mediziner, die diesen Schritt jedes Jahr gehen. Im vergangenen Jahr waren es ein paar weniger: die Zahl der Niedergelassenen ist 2019 um 1.142 auf 116.330 gesunken (also -1 Prozent). Worauf ihr beim Start mit einer eigenen Praxis achten solltet, zeigen wir euch hier Schritt für Schritt.

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Schritt 1 Eignung | Studium, Weiterbildung & Approbation

Klar, Grundvoraussetzung für die Niederlassung eines Arztes ist das erfolgreich abgeschlossene Medizinstudium. Eventuell braucht ihr auch einen Facharzt und die entsprechenden Fachkundenachweise. Als nächsten Schritt kommt die Approbation.

Approbation – Erlaubnis zur Berufsausübung

Unter der Approbation versteht man die Genehmigung zur Berufsausübung von Ärzten, Zahnärzten, Apothekern, Tierärzten und Psychotherapeuten. Die Approbation berechtigt zur vollständigen und uneingeschränkten Tätigkeit als Arzt und wird entsprechend der Approbationsordnungen erteilt. Wo ihr die Approbation beantragen könnt, erfahrt ihr in dieser Liste der Approbationsbehörden.

Voraussetzung für die Approbation sind ein erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium und die bestandene ärztlichen Prüfung.

Schritt 2 Planung | Eigene Praxis, Übernahme oder Gemeinschaftspraxis

Eure Praxis ganz neu eröffnen, in eine bestehende Praxis als weiterer Arzt einsteigen oder gar eine Praxis übernehmen – als niedergelassener Arzt habt ihr eine Menge Möglichkeiten. Hier eine kleine Tabelle mit …

Pro und Kontras eigene Praxis, Praxisübernahme oder Einstieg in bestehende Praxis

neue, eigene PraxisPraxisübernahmeEinstieg in Praxis
hohe Kosten für Ersteinrichtunghöhere Kosten für Abstandszahlung an Vorgängerkeine bis geringe Anschaffungskosten
keinen Patientenstammbestehender Patientenstammbestehender Patientenstamm
Praxisstandort muss neu gefunden werdenbestehender Praxisstammbestehender Praxisstamm
Personal muss neu gefunden werdenbestehendes Personal kann übernommen werdenbestehendes Personal
viel Gestaltungsfreiheitweniger Gestaltungsfreiheitkaum Gestaltungsfreiheit
KV Anmeldung komplett neuÜbernahme der
Work-Life-Balance schwierigWork-Life-Balance schwierigWork-Life-Balance besser umsetzbar

Praxisübernahme: Nachfolger gesucht und gefunden

Die Vorteile, die sich für euch durch die Übernahme einer bestehenden Praxis ergeben, sind nicht zu verachten. Ihr beginnt euer Geschäft nicht ganz von vorne mit all den Risiken und Fragezeichen, könnt auf einen bestehenden Patientenstamm und eventuell auch auf eingearbeitete und mit den Patienten bekannte Arzthelfer zurückgreifen. Und tatsächlich ist der Bedarf an Nachfolgern groß…

Marktplätze & Arztbörsen zu Praxisübernahme im Überblick

Die Vermittlung neuer Ärzte zu bestehenden Praxen ist ein florierender Geschäftszweig. Hier ein paar Arztbörsen:

Trend: Ab in die Gemeinschaftspraxis

Ob als neuer Arzt in einer bestehenden Praxis, als Mitbegründer unter Kollegen oder sogar nur als Angestellter in einem Medizinischen Zentrum – der Trend geht in den vergangenen Jahren tatsächlich zum Arzt in einer großen Praxis. Die Vorteile liegen auf der Hand: Auch komplexe Krankheitsbilder können unter verschiedenen Fachärzten besser betreut werden, Kosten für Immobilie, Unterhalt, Technik und Personal können geteilt werden – und man hat schneller eine Vertretung für Urlaub oder eigene Krankheit an der Hand.

Teilzulassung – Halbtags arbeiten für Ärzte

Mit der Teilzulassung erweitern sich eure Option. Sie bietet Vertragsärzten die Möglichkeit, den Versorgungsauftrag zu reduzieren. Statt der 20 Sprechstunden, die ihr bei einer vollen Zulassung wöchentlich anbieten müsst, könnt ihr die Zahl der Sprechstunden auf ein 10 in der Woche reduzieren. Auch der Bereitschaftsdienst wird zeitlich halbiert. So könnt ihr halbtags eure Praxis führen und den Rest der Zeit etwa im Krankenhaus arbeiten.

Ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil: Die andere Hälfte eurer Zulassung könnt ihr weiterveräußern an einen anderen Arzt.

Ärzte im Team: Überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft (ÜBAG)

Auch Ärzte mit eigener Praxis schätzen Teamarbeit. Genau dafür gibt es die ÜBAG: Ohne den Aufwand einer Praxiszusammenlegung könnt ihr euch mit Kollegen fachlich austauschen, gegenseitig Vertretung vereinbaren und auch am Praxisstandort eurer Partner arbeiten.

Teilberufsausübungsgemeinschaft (Teil-BAG) für Ärzte

Mehrere Ärzte erbringen gemeinsam medizinische Leistungen: das wird in einer Teilberufsausübungsgemeinschaft organisiert. Der Vorteil: Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern können besser betreuen werden. Doch Vorsicht, mit dieser Gemeinschaft solltet ihr nicht versuchen, das Zuweisungsverbot gegen Entgelt unterwandern.

Privat oder Vertragsarzt – Welche Patienten wollt ihr?

Vertragsärzte (früher als “Kassenärzte” bezeichnet) sind Ärzte, die im Besitz einer Zulassung zur Teilnahme an der ambulanten ärztlichen Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten sind. Ihr bekommt also euer Geld von den gesetzlichen Krankenkassen.

Privatpatienten lohnen sich deutlich mehr. Für eine medizinisch im Grundsatz gleiche Leistung erhält ein niedergelassener Arzt von der Privatversicherung durchschnittlich das 2,28-fache der Vergütung, die ihm die gesetzliche Kasse zahlt. So eine Studie der Hans Böckler Studie von 2008.

Trotzdem müsst ihr euch entscheiden, ob das Potenzial von Privatpatienten groß genug ist, um eure Praxis zu finanzieren.

Schritt 3 Gründung Arztpraxis | Wirtschaftliche und rechtliche Fragen

Keine gute Gründung kommt ohne einen irgendwie formulierten Businessplan aus. Auch wenn das als Arzt keine Fähigkeit ist, die ihr automatisch mitbringt – oder gerade deshalb: Überdenkt euren Plan der Selbstständigkeit auch aus wirtschaftlicher Sicht.

Wichtige Überlegungen für den Arzt-Businessplan

  • Wie sieht die Konkurrenzlage aus, welche Praxen gibt es in der Nähe schon, welche Fachärzte kommen als Partner in Frage?
  • Wie häufig ist deine angestrebte Spezialisierung?
  • Welche Immobilien würden sich für eine Praxis eignen, was sind die Kosten?
  • Welche Ausstattung benötigst du – auch hier die Kosten?
  • Welche Versicherungen sind notwendig?
  • Wieviel Personal brauchst du und wo bekommst du das her?
  • Wieviel Geld benötigst du (Unternehmerlohn!)?
  • Wie kommst du an Patienten? Auch hier unbedingt die Kosten aufstellen!

Lesetipp: Wie ihr einen Businessplan schnell und effektiv erstellt, erfahrt ihr in unserem Fachartikel Basics: In 7 Schritten zum Businessplan.

Leichter und schneller geht das Schreiben des Businessplans mit guten Vorlagen und einer hilfreichen Software, die dich durch die einzelnen Punkte führen. Wir empfehlen gerne das kostenlose Tool der Gründerplattform. Hier geht’s zum kostenlosen Businessplan-Tool »

Kosten einer Arztpraxis Eröffnung

Substanzwert, Praxisaufschlag, Renovierung, Umbau und Anschaffung von Praxis­geräten: Die Investitionskosten für eure Praxis sind hoch. Die durchschnittlichen Kosten und Ausgaben für eine Arztpraxis betragen 50% der Einnahmen. Dabei stellen die Personalkosten die höchsten Ausgaben in einer Arztpraxis dar, gleich darauf folgend die Mietausgaben.

Laut einer Existenzgründungsanalyse der apoBank und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) müssen Hausärzte für die Gründung einer Einzelpraxis durchschnittlich 104.000 Euro einkalkulieren. Eine Praxisübernahme schlägt beim Arzt mit durchschnittlich 134.000 Euro zu Buche. Günstiger war der Kauf und die Überführung einer Einzelpraxis in eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit durchschnittlich 105.000 Euro, am teuersten die Übernahme einer BAG zusammen mit anderen Partnern, die mit durchschnittlich 129.000 Euro zu Buche schlug.

Kosten für Praxisimmobilie

Eine durchschnittliche Praxisimmobilie mit 150 qm Praxisfläche kostet in Deutschland rund 350.000 Euro, so eine Analyse der Landarztbörse.

Honorare – Was verdient man als Arzt

Tatsächlich können sich niedergelassene Ärzte auf sichere und beste Ein­kommens­perspektiven freuen. Der durch­schnittliche Jahresgewinn betrug pro Praxis­inhaber in der Allgemein­medizin 174.141 €, in der Augen­heil­kunde 219.056 € und in der Labor­medizin 451.658 € (alte Bundes­länder im Jahr 2014), so eine Studie der apoBank, ZI, IDZ.

Rechtsform für Arztpraxis

Freiberufler

Welche Rechtsform ist für eine Arztpraxis die richtige? Vor nicht allzu langer Zeit war das ganz einfach: Als Arzt arbeitet ihr als Freiberufler in einem sogenannten Katalogberuf. Ihr braucht keine weiteren Anmeldungen des Unternehmens außer der beim Finanzamt und könnt den Gewinn nach Steuer auch allein einstecken. Allerdings haftet ihr auch komplett mit eurem Privatvermögen.

Inzwischen gibt es einige weitere Möglichkeiten.

Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR)

Schließen sich mehrere Ärzte zusammen, handelt es sich um eine GbR. Dazu reicht bereits eine mündliche Übereinkunft. Generell ist es sehr ratsam, den Zusammenschluss auf einem schriftlichen Vertrag basieren zu lassen, um spätere Streitigkeiten und Unklarheiten zu vermeiden.

Worauf ihr bei der Gründung einer GbR achten solltet, erfahrt ihr hier: Eine GbR gründen – Schritt für Schritt zur Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

Wollen sich mindestens zwei Ärzte für eine Praxisgründung zusammenschließen, können sie dies auch in einer Partnerschaftsgesellschaft. Im Wesentlichen beruht die Partnerschaft auf den Rechtsformen der GbR und der OHG (offene Handelsgesellschaft). Allerdings gibt es hier eine Haftungsbeschränkung der Gesellschafter.

Um eine PartG zu gründen, benötigt ihr einen schriftlichen notariell beglaubigten Vertrag, der den Namen und Sitz der Partnerschaft, die Namen, Anschrift und ausgeübten Berufe der Beteiligten sowie den Gegenstand der Partnerschaft zusammenfasst. Außerdem müsst ihr eure Partnerschaft im Partnerschaftsregister eintragen lassen.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Medizinische Versorgungszentren und Gemeinschaftspraxen sollten darüber nachdenken, eine GmbH zu gründen. Der Aufwand bei Führung einer Bilanz eignet sich nicht für einzelne Ärzte – hier aber schon.

Wie ihr eine GmbH gründet, worauf ihr achten müsst, erfahrt ihr hier: Basics GmbH gründen – Schritt für Schritt zur Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Schritt 4 Anmeldungen | Arztregister & Co

Damit ihr als Vertragsarzt, auch Kassenarzt genannt, arbeiten könnt, benötigt ihr nicht nur ein abgeschlossenes Medizinstudium und die Approbation – ihr müsst auch im Arztregister eingetragen werden. Das Arztregister und die Registerakten werden von der Kassenärztlichen Vereinigung für jeden Zulassungsbezirk geführt.

Arztregistereintragung

Um die Zulassung als Vertragsarzt kann sich jeder Arzt bewerben, der seine Eintragung in das Arztregister nachweist.

Voraussetzung für Eintragung im Arztregister

  • Approbation als Arzt
  • Facharzt Weiterbildung

Zuständigkeit des Arztregisters

Zuständig für die Arztregistereintragung ist die KVB-Bezirksstelle, in deren Bezirk der Antragssteller seinen Wohnsitz hat. Hat der Antragssteller keinen deutschen Wohnsitz, so steht ihm die Wahl des Arztregisters frei.

Weitere Genehmigungen für Arztpraxis

Meldung an die Ärztekammer

  • neue Praxisadresse
  • Datum der Eröffnung
  • Gebietsbezeichnung
  • geplanten Sprechstundenzeiten
  • Approbationsurkunde
  • Wohnsitzbescheinigung
  • Zulassung als Arzt.

Meldung an Gesundheitsamt

Formlos solltet ihr alle Unterlagen, die ihr an die Ärztekammer geschickt habt, auch ans Gesundheitsamt schicken.

Meldung ans Versorgungswerk

Für die Alters­versorgung der Ärzte sind in Deutsch­land 18 Versorgungs­werke zuständig. Die Mitgliedschaft ist Pflicht. Auch hier solltet ihr euch anmelden.

Eventuell Anmeldung beim TÜV

Solltet ihr Geräte in eurer Praxis verwenden, müssen die eventuell vom TÜV abgenommen werden (zB Röntgengeräte). Also meldet euch auch beim regionalen TÜV an.

Für Mitarbeiter: Anmeldung GKV

Solltet ihr Personal beschäftigen, müsst ihr die gesetzliche Krankenkasse (GKV) darüber informieren. Hinzu kommt die Berufsgenossenschaft. Mehr dazu: Mitarbeiter einstellen – So gehts, darauf müsst ihr achten

Anmeldung Finanzamt

Die Praxiseröffnung müsst ihr auch dem Finanzamt melden, ich bekommt dann eine Steuernummer.

Schritt 5 Guter Start | Praxisorganisation & Praxismarketing

Insbesondere, wenn ihr zu den wenigen Ärzten zählt, die es mit einer ganz neuen Praxis versuchen, solltet ihr auch darauf achten, wie ihr eure Praxis organisiert und wie ihr bei Patienten für sie werbt.

Praxisorganisation

Auf euch warten jede Menge Aufgaben, die mit Patienten behandeln, gar nichts zu tun haben. Tatsächlich beschweren sich viele Ärzte über viel zu viele solcher Arbeiten.

Ob Buchhaltung, Terminplanung oder Abrechnung, ihr solltet frühzeitig die passenden Tools prüfen, um euren Workflow so effektiv wie möglich zu halten. Um euer Termin- und Patientenmanagement professionell aufzustellen, helfen euch Tools wie Doctolib.

Praxismarketing

Aggressive Werbung ist sicher nicht das richtige für eine Arztpraxis. Allerdings gibt es einige Schritte, die jedes Unternehmen gehen sollte, also auch eine Arztpraxis.

Website

Beinahe jeder Kunde, also auch jeder Patient, informiert sich über das Internet. Auch Bestandspatienten schauen dort nach Öffnungszeiten, informieren sich über Sonderleistungen oder suchen einfach nur die Telefonnummer. Ihr solltet also eine einfache aber funktionierende und am besten für Google optimierte Website erstellen (lassen).

Möglich wäre hier auch eine Anbindung an euer Terminplanungstool.

Weitere Infos hier: Eigene Homepage in Planung? Diese 6 Möglichkeiten zur Website Erstellung gibt es

Google Places & Co

Eine Arztpraxis googlen führt in aller Regel zuerst auf den Eintrag bei Google selbst, dann auf die Website der Praxis. Also solltet ihr eure Einträge bei Google Business und Google Places entsprechend anlegen, bzw. aktuell halten. Der Eintrag bei Google MyBusiness (damit ihr dann auch auf der Google Maps Karte angezeigt werdet) ist kostenlos und recht einfach selbst anzulegen.

Unsere Anleitung dazu findet ihr hier:

Google MyBusiness Eintrag anlegen – In 10 Schritten

Übersicht Branchenportale: Hier lohnt sich euer Eintrag

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