Selbstständig machen als Heilpraktiker: So eröffnest du deine eigene Praxis

Heilpraktiker sind hoch im Kurs, doch die Gründung einer Heilpraktiker-Praxis ist nicht ganz ohne. Erfahrt hier die wichtigsten Dinge, die ihr braucht, um euch als Heilpraktiker selbstständig zu machen: von der Ausbildung über Genehmigungen bis hin zu Förderungen und Gewerbeanmeldung.

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Heilpraktiker behandeln Patienten aus einer ganzheitlichen Sichtweise und wenden für Diagnose und Therapie häufig Methoden der Naturheilkunde oder der Alternativmedizin an. Doch wie startet man als Heilpraktiker in diese spannende Selbstständigkeit? Was braucht man, um eine Heilpraktiker-Praxis zu eröffnen? Welche Genehmigungen benötigt man? Und was verdient ein Heilpraktiker? Unsere Infos von der Ausbildung bis zum Start (Stand 2019)

Schritt 1 für Heilpraktiker: Von der Idee zur Planung -> Ausbildung & Praxis

Wer eine Heilpraktiker Praxis eröffnen will, sollte neben dem Fachwissen – nachgewiesen durch die bestandenen amtsärztlichen Heilpraktikerprüfung – auch kaufmännisches und administratives Grundverständnis mitbringen.

Grundvoraussetzung: Die Heilpraktikerprüfung

Erst mit der erfolgreich bestandenen Heilpraktikerprüfung ist man berechtigt, als Heilpraktiker zu arbeiten.

Lernwege: Zur Prüfungsvorbereitung gibt es entweder ein Fernstudium oder aber der Besuch einer Heilpraktikerschule. Denkbar ist auch ein Selbststudium – doch ihr benötigt fundiertes medizinisches Detailwissen, um die Prüfung zu schaffen.

Voraussetzungen für Prüfungszulassung: Ihr müsst mindestens 25 Jahren alt sein, mindestens einen Hauptschulabschluss vorweisen können und ein einwandfreien polizeilichen Führungszeugnisses sowie ein ärztliches Gesundheitszeugnisses vorlegen.

Abschluss: Mit der amtsärztlichen Überprüfung zum Heilpraktiker, kurz Heilpraktikerprüfung, garantiert ihr, dass ihr mit fundiertem Fachwissen und persönlicher Eignung den verantwortungsvollen Beruf des Heilpraktikers ausüben könnt. Die Prüfung wird zweimal im Jahr angeboten und hat einen schriftlichen und einen mündlichen Teil.

Empfohlen für eine eigene Heilpraktiker-Praxis: ausreichend Berufserfahrung

Wie jede Freiberuflichkeit solltet ihr auch auf eurem Wege zum Heilpraktiker Erfahrung sammeln, am besten bei einem Kollegen. Dort könnt ihr euch nicht nur fachlich sondern vor allem auch taktischen, kaufmännischen Rat holen: Wie funktioniert das Geschäft eines Heilpraktikers eigentlich, wie kann die Existenzgründung als Heilpraktiker gelingen?

Schritt 2: Businessplan für die Heilpraktiker-Praxis und ein klares Profil (USP!) erstellen

Keine gute Gründung kommt ohne einen irgendwie formulierten Businessplan aus. Auch wenn das in den Heilberufen keine Fähigkeit ist, die ihr automatisch mitbringt – oder gerade deshalb: Überdenkt euren Plan der Selbstständigkeit auch aus wirtschaftlicher Sicht.

Wichtige Überlegungen für den Heilpraktiker-Businessplan

  • Wie sieht die Konkurrenzlage aus, welche Heilpraktiker sind in der Nähe schon aktiv?
  • Gibt es Praxen oder nur freie Heilpraktiker darunter?
  • Wie häufig ist deine angestrebte Spezialisierung?
  • Wie wird der Markt von den Fachverbänden eingeschätzt?
  • Welche Immobilien würden sich für eine Praxis eignen, was sind die Kosten?
  • Welche Ausstattung benötigst du – auch hier die Kosten?
  • Welche Versicherungen sind notwendig?
  • Wieviel Geld benötigst du für deine Ausbildungszeit?
  • Wieviel Geld benötigst du (Unternehmerlohn!)? Wie ist dein Auskommen in der Anfangsphase gesichert, nicht zuletzt deine Krankenkassen-Beiträge? Was musst du mindestens einnehmen?
  • Wie kommst du an Kunden? Auch hier unbedingt die Kosten aufstellen, für Webseite, Werbung, Marketing!

Lesetipp: Wie ihr einen Businessplan schnell und effektiv erstellt, erfahrt ihr in unserem Fachartikel Basics: In 7 Schritten zum Businessplan.

Klares Profil – Spezialisierung als Heilpraktiker

Fachliche Kompetenz als Heilpraktiker ist von großer Bedeutung – die meisten eurer Patienten werden auf Mundpropaganda begeisteter Patienten/Kunden zu euch kommen. Deshalb empfiehlt es sich auch, sich auf ein Gebiet der Heilkunde zu spezialisieren, beispielsweise Fach- und Behandlungsgebiete wie Akupunktur oder Hypnose. Ob, wie und welche Spezialisierung sich lohnen, wird unter anderem in diesem Heilpraktiker-Forum diskutiert.

So gibt es eine ganze Reihe von naturheilkundlichen Maßnahmen und Behandlungsformen wie

  • Akupunktur
  • Aromatherapie
  • Blutegeltherapie
  • Bioresonanztherapie
  • Chiropraktik
  • Homöopathie
  • Kinesiologie
  • Physiotherapie
  • Phytotherapie.

Was und wie der Beruf des Heilpraktikers alles sein kann, erfahrt ihr auch in diesem ausführlichen Interview mit Beate Sanladerer, selbst praktizierende Heilpraktikerin und Dozentin an der Heilpraktikerschule Paracelsus.

Schritt 3: Praktische Schritte und Finanzen

Bei eurem Start als Heilpraktiker steht eine Grundsatzentscheidung an: Wollt ihr eigene Praxisräume eröffnen oder als mobiler Freelancer tätig sein.

Die eigene Heilpraktiker Praxis eröffnen

Vorteile – Argumente für eine eigene Praxis als Heilpraktiker:

  • ihr müsst kein Gewerbe anmelden (und damit auch keine Rechtsform wählen), sondern lediglich Ihre Freiberuflichkeit dem Finanzamt melden
  • ihr müsst keine Gewerbesteuer zahlen
  • ihr dürft eine vereinfachte Buchhaltung führen
  • ihr habt einen eigenen Ort, einen festen selbst gestalteten Arbeitsplatz
  • ihr seid unabhängig von anderen Unternehmern
  • ihr bestimmt das Aussehen, die Einrichtung – und könnt eure Praxis zum Markenaufbau nutzen.

Herausforderungen einer eigenen Heilpraktiker-Praxis:

  • die Kosten für Miete und Nebenkosten,
  • eigenes Marketing, Internetseite usw.
  • deshalb zusätzlich zum Fachwissen: Organisationstalent, kaufmännische und bürokratische Grundkenntnisse
  • evtll. Personal/Personalkosten, etc.

Als Freelancer unterwegs

Freelancer ohne eigene Praxisräume haben Vorteile: Sie sparen sich die Kosten für die Räume. Aber die Aquise von Kunden ist auch schwieriger. Vielleicht lohnt es sich zumindest am Anfang, in einer vorhandenen Praxis auf freiberuflicher Basis zu arbeiten. Doch Vorsicht: Ihr müsst aufpassen, nicht in eine mögliche Scheinselbstständigkeit zu geraten.

Finanzplanung für Heilpraktiker

Auch wenn diese Unternehmung nicht Hundertausende an Finanzierung des Startes braucht – Geld braucht jedes Startup. Auch wenn es nur der Ein-Mann (oder Frau)-Betrieb ohne eigene Praxis ist. Deshalb: Beginnt mit einer Bestandsaufnahme eurer aktuellen finanziellen Situation. Wieviel Eigenkapital hast du, welche Finanzierungsmöglichkeiten kommen infrage.

Dabei hilft euch euer professionell ausgearbeiteter Businessplan: Er ist die Voraussetzung, um staatliche Finanzhilfen, die Bank oder private Finanziers (außer vielleicht Family & Friends) zu überzeugen.

Staatliche Gründungshilfen für Heilpraktiker

Folgende staatliche Finanzierung könnt ihr als Basis für eure Gründung beantragen:

Gründungszuschuss – Agentur für Arbeit: Ihr müsst einen ausgearbeiteter Businessplan vorlegen, Empfänger von ALG I sein, eure fachlichen und kaufmännischen Kenntnisse nachweisen und die Selbstständigkeit als Haupterwerb planen, dann könnt ihr diesen Gründungszuschuss beantragen. Mehr dazu findet ihr in diesem Fachartikel Gründungszuschuss richtig beantragen: In 10 Schritten zur Förderung.

Einstiegsgeld – Agentur für Arbeit: Empfänger von ALG II (Hartz IV), die die Selbstständigkeit als Haupterwerb planen, können diese Förderung beantragen. Auch hier ist der Businessplan wichtig. Dafür bekommt ihr 50 % der Regelleistung.

ESF Existenzgründungszuschuss – Landesbank: Bis zu 1.000 € monatlich und maximal 12.000 € jährlich beträgt dieser Zuschuss, der sich an alle, die nicht ALG I oder II empfangen, richtet. Hier ist der Businessplan zwingend erforderlich.

Die andere Seite: Was verdient man als Heilpraktiker?

Im Durchschnitt verdienen Heilpraktiker 2.600 € brutto im Monat. Auch hier klafft die Gehaltslücke zwischen Mann und Frau: Männliche Heilpraktiker verdienen im Schnitt 2.900 € brutto monatlich, Heilpraktikerinnen 2.600 €.

Grundsätzlich bestimmt oder verhandelt ein Heilpraktiker seine Gebühren selbst. Wichtig ist, dass ihr euch am Branchenüblichen orientiert. Da eure Patienten die Leistungen in aller Regel aus eigener Tasche bezahlen, vergleichen sie Preise und überlegen, ob sie sich die Behandlung leisten wollen. Übrigens: Fixiert ihr Leistungen und Gebühren nicht schriftlich, dann greift die Gebührenordnung für Heilpraktiker (GebüH).

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in aller Regel keine Leistungen, private Krankenversicherungstarife decken zum Teil auch eure Angebote ab.

Auch für Heilpraktiker wichtiger: Ordentliche & regelmäßige Buchhaltung

Die wenigsten eurer Patienten werden bar bezahlen. Um den Überblick von Behandlungsterminen und Zahlungseingängen auf eurem Geschäftskonto zu behalten, müsst ihr eine ordentliche Buchhaltung führen. Eventuell müsst ihr auch Mahnungen versenden. Excel-Tabellen sind eine Lösung, die Arbeit deutlich vereinfachen könnt ihr euch aber auch mit einem Buchhaltungsprogramm, die es zum Teil schon sehr günstig und gut gibt:

Wenn ihr noch einen Steuerberater braucht, dann könnte sich hier ein Blick lohnen: Steuerberater-tipps.de – die kostenlose Suche listet viele Steuerberater in Deutschland, nach Stadt, bzw. Stadtteil oder Umkreis.

Schritt 4: Vorschriften, Genehmigungen und Absicherungen für Heilpraktiker

Freiberufler – Ohne Gewerbeanmeldung

Heilpraktiker ist ein Katalogberufe, in denen eine Freiberuflichkeit denkbar und möglich ist. Vor allem dann, wenn ihr in einer anderen Praxis Leistungen auf Honorarbasis erbringt. Der Vorteil der Freiberuflichkeit: Ihr könnt eine vereinfachte Buchhaltung nutzen und ihr seid nicht zu einer Gewerbeanmeldung verpflichtet, es fällt also auch keine Gewerbesteuer an.

Rechtsform & Freiberufler – Mit Gewerbeanmeldung

Gründet ihr aber ein Unternehmen mit einer Rechtsform (UG haftungsbeschränkt, GmbH, Partnerschaftsgesellschaft, Aktiengesellschaft, GbR usw), kommt ihr an einer Gewerbeanmeldung nicht vorbei. Das kann auch für Freiberufler gelten, und zwar dann, wenn ihr eigene Produkte verkaufen wollt.

Heilpraktikererlaubnis

Außerdem benötigt ihr eine Heilpraktikererlaubnis vom örtlichen Gesundheitsamt. Dazu wird es einen mündlichen und schriftlichen Test geben. Wenn ihr eine Praxis eröffnet, benötigt ihr auch eine Zulassung durch die Landesverbände der Krankenkassen.

Schritt 5 – der Start als Heilpraktiker: Neukunden-Aquise, Werbung & Marketing

Kein Heilpraktiker ohne Patienten. Anders als bei Ärzten, die in aller Regel schnell gefüllte Warteräume haben, müssen sich Heilpraktiker offensiver darstellen.

Regeln zur Werbung: Kein Heilversprechen

Doch Vorsicht: Ihr dürft kein Heilversprechen abgeben. Als selbstständige Heilpraktiker solltet ihr das Gesetz über die Werbung im Heilwesen (HGW) strikt beachten. Sonst riskiert ihr empfindliche Sanktionen. Die grobe Regel: Gebt kein Heilversprechen, Werbung darf nicht aggressiv sein, der Anschein unlauteren Wettbewerbs ist zu vermeiden.

Eine professionell wirkende Website, Inserate in eurer lokalen Zeitung sind klassische Mittel, euch bekannt zu machen. Auch die Einträge in Branchenregistern können sich lohnen. Potenzielle Kunden, die online nach Informationen suchen, landen häufig auf Bewertungsportalen. Diese sind immer wichtiger für euer wahrgenommenes Image – ihr solltet also diese Bewertungen im Internet im Auge behalten und falls nötig persönlich kommentieren.

Tipp: eigene Räume? Unbedingt bei Google My Business eintragen! Das geht sogar ohne eigene Webseite – und ist kostenlos! Ähnliches gilt für Yelp.

Natürlich lohnen sich auch klassische Werbemittel wie Flyer, Poster und Postkarten, um auf euer Angebot aufmerksam zu machen. Flyer sind super, um euer Angebot darzustellen – plant nicht nur gut die Inhalte und das Design, sondern auch, wie und wo die Flyer verteilt werden sollen.


Achtet bei Flyern auf eine schöne Gestaltung und professionellen Druck!
Ein paar tolle Beispiele findet ihr hier als Inspiration: https://www.viaprinto.de/flyer!

Die beste Werbung sind wohl zufriedene Patienten, die in ihrem Umfeld eine persönliche Empfehlung für euch aussprechen. 

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