Kleinunternehmen gründen: So einfach geht’s | Die wichtigsten Schritte + Überblick 2024

Du willst ein Kleinunternehmen gründen und durchstarten? Das ist gar nicht so schwieirig: Wir zeigen dir Schritt für Schritt, was du dabei tun musst.

Du willst beruflich deinen eigenen Weg gehen und dabei flexibel bleiben? Dich reizt die klassische Selbstständigkeit? Du willst dir nebenberuflich ein zweites Standbein aufbauen? Wenn du eine dieser Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, solltest du ein Kleinunternehmen gründen.

Als Kleinunternehmer oder Kleinunternehmerin kannst du einerseits dein Potenzial entfalten, ohne gleich voll ins unternehmerische Risiko gehen zu müssen. Anderseits genießt du steuerliche Vorteile, die dir den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern können.

Was du beachten musst, wenn du ein Kleinunternehmen gründen willst, welche Begriffe du kennen solltest und auf welche Anmeldungen und Kosten du achten musst, erklären wir dir in unserem Ratgeber.

Kleinunternehmen oder Kleingewerbe – die Unterschiede

Zugegeben, es kann ein bisschen verwirrend sein, wenn man ein Kleinunternehmen gründen will. Einige Begriffe klingen ähnlich, meinen aber verschiedene Dinge oder sind in unterschiedlichen Situationen relevant. Deswegen klären wir zunächst einmal die Begriffe.

Kleinunternehmen

Wer von Kleinunternehmen spricht, tut dies wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Kleinunternehmerreglung. Das ist aber nicht ganz richtig. Denn Kleinunternehmen sind vor allem eine Klassifizierung: Sie können laut Definition bis zu 49 Mitarbeitende haben und bis zu zehn Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften. Die Rechtsform des Unternehmens spielt dabei keine Rolle.

Kleinunternehmer / Kleinunternehmerin

Interessant ist für dich der Status als Kleinunternehmer oder Kleinunternehmerin. In Deutschland bezieht sich der Begriff auf das Umsatzsteuerrecht: Kleinunternehmer müssen keine Umsatzsteuer erheben und an das Finanzamt abführen. Sie sind also von der Umsatzsteuer befreit und müssen keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen an das Finanzamt übermitteln. Es genügt eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung.

Allerdings müssen Kleinunternehmer entsprechende Voraussetzungen erfüllen:

  • Der Umsatz im vergangenen Kalenderjahr war kleiner als 22.000 Euro.
  • Der Umsatz im laufenden Kalenderjahr liegt voraussichtlich unter 50.000 Euro (maßgeblich ist die Prognose zu Beginn des Jahres).

Kleinunternehmerregelung

Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG (hier findest du den Gesetzestext) wurde für Unternehmer geschaffen, die nur ein kleines Geschäft betreiben (siehe Umsatzgrenzen oben). Sie ist eine steuerliche Sonderregelung: Du musst keine Umsatzsteuer erheben und abführen und hast weniger Arbeit mit Verwaltungs- und Abrechnungsaufgaben.

So musst, beziehungsweise darfst, du auf Rechnungen die Umsatzsteuer nicht zusätzlich berechnen und ausweisen. Stattdessen genügt ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung, etwa: Gemäß der Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG enthält der ausgewiesene Betrag keine Umsatzsteuer.

Der Haken: Das Finanzamt erstattet die von dir bezahlte Vorsteuer für Produkte, die du für deinen Betrieb benötigst, nicht.

Die Kleinunternehmerregelung ist nicht nur auf Gewerbetreibende anwendbar sondern auch auf andere Einzelunternehmer und Freiberufler, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen. Sie ist eine Kann-Bestimmung: Du kannst sie (mit einem entsprechenden Antrag beim Finanzamt) Anspruch nehmen, musst es aber nicht.

Ausführliche Informationen über die Kleinunternehmerregelung inklusive Musterrechnung und Hinweisen zur Steuererklärung, haben wir in diesem -> Ratgeber zusammengestellt.

Kleingewerbe

Viele Kleinunternehmer gründen ein Kleingewerbe: Dieser Begriff ist allerdings keine amtliche Bezeichnung oder gar eine Rechtsform. Vielmehr wird damit die Unanwendbarkeit der Vorschriften des Handelsgesetzbuch (HGB) beschrieben.

Mit einem Kleingewerbe bist du keine Kauffrau im Sinne des HGB und musst dein Gewerbe nicht im Handelsregister eintragen. Mit einem Kleingewrbe bist du von der Buchführungspflicht befreit, als Gewinnermittlung genügt eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR).

Kleinunternehmen gründen – die Kosten

Wenn du als Kleinunternehmer oder Kleinunternehmerin durchstarten willst, kommen natürlich Kosten auf dich zu, die du beachten solltest. Zum einen sind das Gebühren und Beiträge für die Gewerbeanmeldung, Mitgliedschaften in Berufsgenossenschaften und bei der IHK, zum anderen sind das die Geschäftsausstattung sowie ggf. Beratungskosten etc.

Die Gebühren selbst sind überschaubar.

  • Für die Gewerbeanmeldung werden je nach Kommune einmalig zwischen 10 und 60 Euro fällig.
  • Die Mitgliedschaft in der IHK kostet für Kleingewerbe (siehe Definition oben) zwischen 30 und 80 Euro pro Jahr.
  • In vielen Fällen musst du dich bei einer Berufsgenossenschaft versichern, wenn du ein Kleinunternehmen gründen willst: Die Beiträge für die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung variieren je nach Branche. Rechne mit mindestens 100 Euro Beitrag pro Jahr.

Stärker ins Gewicht fallen Kosten für die Einrichtung deines Geschäfts: Arbeitsgeräte, Material, Miete, ggf. auch Kosten für eine Gründungsberatung und Marketingmaßnahmen sowie branchenspezifische Abgaben (zum Beispiel: Verpackunglizenz).

Diese Kosten variieren individuell sehr stark, wir können sie daher nicht pauschal beziffern. Was wir dir aber unbedingt raten: Erstelle in deinem Businesslan einen detaillierten Finanzplan, in dem du alle potenziellen Kosten abbildest.

Mache dir frühzeitig Gedanken darüber, wieviel Kapital du benötigst. Solltest du mehr Finanzmittel benötigen, als du Eigenkapital zur Verfügung hast, kannst du einen Kleinkredit in Erwägung ziehen.

Kleinunternehmen gründen: So einfach geht's.
Kleinunternehmen gründen: So einfach geht’s. © Paige Cody / Unsplash

Kleinunternehmen gründen in wenigen Schritten

Schritt 1: Geschäftsidee finden

Ohne passende Geschäftsidee kannst du natürlich kein Kleinunternehmen gründen. Beziehe in die Überlegungen deine Stärken ein und deine Wünsche: Wie und womit willst du Geld verdienen? Hast du erstmal eine grobe Vorstellung von deine Geschäftsidee kannst du sie verfeinern. Frage dich dabei:

  • Welchen Mehrwerte biete ich?
  • Welche Ressourcen habe ich?
  • Welche Ressourcen benötige ich?
  • Wer ist meine Kundschaft?
  • Welchen Preis kann/will ich für mein Produkt / meine Dienstleistung verlangen?
  • Wer sind meine Partner?

Ein hilfreiches Tool, um deine Geschäftsidee zu finden und präzise zu formulieren, stellen wir dir in diesen Fachbeitrag vor.

Businessplan erstellen

Dein Erfolg als Kleinunternehmer hängt ganz wesentlich von eine guten Vorbereitung ab. Du solltest du daher unbedingt einen fundierten Businessplan schreiben, in dem du deine Geschäftsidee konkretisiert, dir realistische Ziele für die Umsetzung setzt und plausibel erläuterst, wie du diese Ziele erreichen willst.

 

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Schritt 2: Rechtsform wählen

Überlege dir früh, wie du dein Kleinunternehmen rein rechtlich organisieren willst. In den meisten Fällen wirst du als Einzelunternehmerin oder Freiberufler unterwegs sein. Machmal macht es aber auch Sinn, eine GbR oder eine UG (haftungsbeschränkt) zu gründen.

Wenn du wissen willst, welche Rechtsform für dein Kleinunternehmen am besten passt, haben wir in unserer Entscheidungshilfe „Die richtige Rechtsform für dein Unternehmen“ die neun wichtigsten Fragen zusammengestellt.

 Schritt 3: Gewerbe anmelden

Um dein Kleinunternehmen gründen zu können, musst du beim örtlichen Gewerbeamt dein Gewerbe anmelden. Dabei musst du Personalausweis oder Reisepass mit Meldebescheinigung vorlegen. Bei einigen Gewerben musst du weitere Unterlagen vorlegen, etwa Genehmigungen, Erlaubnisnachweise o.ä.

Freiberufliche Tätigkeiten unterliegen übrigens nicht der Gewerbeordnung und müssen kein Gewerbe anmelden.

Wie du ein Gewerbe richtig anmeldest erklären wir dir in unserer Anleitung „Gewerbeanmeldung“  (inklusive Gewerbeanmeldungsformular).

Schritt 4: Meldung beim Finanzamt

Innerhalb eines Monats nach der Gewerbeanmeldung musst du beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen. Dafür füllst du den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ aus.

Schritt 5: Kleinunternehmerregelung überprüfen

Bei der Meldung ans Finanzamt gibst du an, ob deine Einkünfte die 22.000 Euro-Grenze überschreiten. Du kannst entscheiden, ob du die Kleinunternehmerregelung anwenden oder darauf verzichten willst. Solltest du dich gegen die Kleinunternehmerregelung entscheiden und Umsatzsteuer abführen, musst du zusätzlich eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen.

Schritt 6: Geschäftskonto eröffnen

Auf jeden Fall empfehlenswert (und oftmals zwingend): die Eröffnung eines Geschäftskontos. Damit hast du einen bessere Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben als Kleinunternehmer. Außerdem verbieten vielen Banken in den AGB die geschäftliche Nutzung eines Privatkontos.

In unserer Checkliste zum kostenlosen Download bekommst du guten Überblick, wie du ein Geschäftskonto eröffnest.

Das musst du beachten, wenn du ein Kleinunternehmen gründen willst

Umsatzsteuer für Kleinunternehmen

Die Umsatzsteuererleichterung durch die Kleinunternehmereglung haben wir bereits ausführlich erklärt. Du solltest dabei einige Punkte unbedingt beachten.

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Du kannst rückwirkend umsatzsteuerpflichtig werden, wenn du deinen voraussichtlichen Umsatz bewusst niedrig ansetzt. Im Zweifel kann das Finanzamt glaubwürdige Nachweise verlangen, dass der nicht damit rechen konntest, die Umsatzgrenze zu überschreiten.

Deine Entscheidung für oder gegen die Kleinunternehmerregelung ist für fünf Jahre bindend. Das heisst, du kannst nicht jedes Jahr zwischen Kleinunternehmerregelung und Regelbesteuerung hin- und herwechseln.

Kleinunternehmergrenze bei der Gewerbesteuer

Wenn du ein Kleinunternehmen gründen willst, solltest du daran denken, dass du auch Gewerbesteuer zahlen musst. Die Gewerbesteuer wird auf den Gewinn erhoben und ist für alle Gewerbetreibenden, egal in welcher Rechtsform, verbindlich. Allerdings gibt es einen Freibetrag, der aktuell bei 24.500 Euro im Jahr (2024) liegt.

Noch mal zu Erinnerung: Die Gewerbesteuer und der Freibetrag beziehen sich auf den Gewinn deines Kleinunternehmens. Der Umsatz ist für die Gewerbesteuer unerheblich.

Rechnungen und Buchführung bei Kleinunternehmen

Als Freiberufler oder Einzelunternehmerin kannst du mit deinem Kleinunternehmen in der Regel ein einfache Buchführung machen: Das heisst, du stellst Ausgaben und Einnahmen gegenüber und erstellst eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR).

Die Pflicht zur doppelten Buchführung greift erst, wenn du in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mehr als 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn (neue Grenze seit 2024, vorher: 600.000 Euro Umsatz, 60.000 Euro Gewinn) erwirtschaftest.

Falls du dein Kleinunternehmen als Kapitalgesellschaft gründen willst (GmbH, UG) bist du ebenfalls zur doppelten Buchführung verpflichtet – egal wie hoch dein Umsatz ist.

Nebenberuflich ein Kleinunternehmen gründen

Du musst deine Tätigkeit als Kleinunternehmer nicht zwangsläufig zu deinem Hauptberuf machen. Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, sich neben dem Angestelltenverhältnis ein zweites Standbein aufzubauen.

Wichtig zu wissen ist, dass dein Nebengewerbe nicht ausschließlich der Sicherung des Lebensunterhaltes dienen darf. Wer nebenberuflich gründet, muss noch über mindestens eine weitere Einkommensquelle verfügen, die hauptsächlich den Lebensunterhalt sichert. Du musst die Ausübung einer solchen Tätigkeit aber immer beim Gewerbeamt anzeigen (Ausnahme: Freiberufler) anzeigen.

Kleinunternehmen gründen: Leitfaden in die nebenrufliche Selbstständigkeit
Nebenberuflich ein Kleinunternehmen gründen: der ultimative Leitfaden.

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Kleinunternehmen gründen – die besten Ideen

Falls dir noch eine Idee für dein Kleinunternehmen fehlt, wir hätten da einige Ideen. Altbewährte Geschäftsidee sind genauso darunter, wie innovative Konzepte.

Nichts vergessen mit unserer Kleinunternehmen-Checkliste

Diese Punkte solltest du abhaken, wenn du ein Kleinunternehmen gründen willst:

  • Geschäftsidee finden
  • Haupt- oder nebenberuflich gründen?
  • Businessplan schreiben
  • Finanzierung klären
  • Rechtsform wählen
  • Gewerbe anmelden
  • Berufsgenossenschaft
  • Steuernummer beantragen
  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen
  • Entscheidung für oder gegen die Kleinunternehmerreglung
  • Geschäftskonto eröffnen

Fazit

Ein Kleinunternehmen zu gründen, ist relativ unkompliziert. Du kannst du schnell und einfach eine berufliches Standbein in der Selbstständigkeit aufbauen. Die Kosten für ein Kleinunternehmen sind überschaubar, du profitierst außerdem von vereinfachten Buchführungspflichten und hast vielfältige Möglichkeiten, dich selbst zu verwirklichen.

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